Vorfahrt für KWK: So geht Energiewende

Die Erschließung von Grundstücken und Quartieren sowie der Bau neuer Liegenschaften wird mit der EnEV 2016 für alle Beteiligten ambitionierter. In Sachen Energieversorgung birgt vor allem Kraft-Wärme-Kopplung Potential  – auch in kleineren Zusammenhängen.

Um die von der Bundesregierung vorgegebenen Klimaziele zu erreichen, steigen die Anforderungen an die Energieversorgung neu zu erschließender und zu modernisierender Quartiere. Prägnante Beispiele hierfür sind die Energieeinsparverordnung (EnEV), die sich mit dem Jahreswechsel 2016 nochmals verschärfen wird, das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) sowie Landesrecht und kommunale Vorgaben in Bebauungsplänen.

Um die Einhaltung dieser Rahmenvorgaben zu garantieren, sind komplizierte, technische Lösungen notwendig, die mit steigenden Standards meist mit steigenden Kosten für die Umsetzung einhergehen. Für Projektentwickler stellt diese Entwicklung eine große Herausforderung dar: die gesetzlichen Standards zu erfüllen und dabei gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit der Projekte zu sichern. Ein häufig lohnenswerter Weg ist die Auslagerung der Energie-Infrastrukturentwicklung an externe Dienstleister. Das reduziert die Investitionskosten und -risiken für Grundstücks- und Objektentwickler bei gleichzeitiger Gewährleistung des gewünschten Energiestandards.

Wärme- und Stromversorgung für Quartiere

In der Regel ist eine Auslagerung der Wärme- und Energie-Infrastrukturentwicklung erst bei der Entwicklung und Bebauung von Objekten ab 50 Wohneinheiten für die Beteiligten wirtschaftlich darstellbar. Das sind vorzugsweise Quartiere mit einem gehobenen Anspruch an die Wärme- und Stromversorgung, zum Beispiel Quartiere in denen Wohnungen, öffentliche Einrichtungen, Hotels, Büroflächen und Einzelhandelsgeschäfte vorgesehen sind. Die Wärmeversorgung von Neubauten und damit von neu entwickelten Quartieren muss dabei dann laut Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EE-WärmeG) anteilig mit erneuerbaren Energien gedeckt werden – bei öffentlichen Gebäuden gilt dies sogar bei grundlegender Sanierung.

Um diese Nutzungspflicht zu erfüllen, stehen den Projektentwicklern laut Gesetz verschiedene Optionen zur Verfügung: Geothermie, Biomasse, Solarenergie oder Umweltwärme. Auch der Anschluss an ein Nah- oder Fernwärmenetz, sofern das Netz teilweise mit erneuerbaren Energien oder auf Basis von Kraft-Wärme-Kopplung betrieben wird, oder die Nutzung von Wärme aus KWK-Anlagen sind zulässig.

Dass dies auch für größere Zusammenhänge gilt, zeigt der Energie-Infrastrukturaufbau im neuen Stadtteil Freiburg-Bühl: Mit zwei leistungsstarken Blockheizkraftwerken (BHKW) der URBANA Energiedienste GmbH werden dort rund 60 % der Jahreswärmemenge allein mit KWK gedeckt. Mit dem für alle Seiten wirtschaftlichen Versorgungskonzept wird so ein Primärenergiefaktor von 0,40 erreicht.

Großes Potenzial durch KWK

Gerade die Wärmeversorgung aus KWK-Anlagen birgt zudem großes Potenzial –  nicht nur in größeren, auch in kleineren Zusammenhängen. Um hier die Wirtschaftlichkeit der Anlage zu gewährleisten, muss die Anlage aber passgenau dimensioniert sein und Prozesse wie Planung, Bau und Kommunikation müssen hochstandardisiert ablaufen. Durch smarte Lösungen zur Erfassung aller Energiedaten kann die Effizienz der KWK-Anlage noch weiter gesteigert werden. KWK-Anlagen, die innerhalb des Quartiers liegen und über einen Anschluss zum eigenen Nah- bzw. Fernwärmenetz des Quartiers verfügen, können mehr als 50 % der Jahreswärmemenge erzeugen, so dass Dienstleister für Wohnquartiere eine hocheffiziente Wärmeversorgung gewährleisten können.

Neue Möglichkeiten durch Vor-Ort-Stromversorgung

Ein weiterer Baustein zur Effizienzsteigerung ist die Vor-Ort-Stromversorgung in Quartieren, die durch den Einsatz eines Blockheizkraftwerkes ermöglicht wird. Die Wohneinheiten können so durch die hocheffiziente KWK neben der Wärme auch direkt mit dem vor Ort erzeugten Strom versorgt werden. Für die Bewohner bedeutet dies: günstiger Bezug von klimaschonendem, netzentlastenden Strom aus dem eigenen Quartier. Dieses zusätzliche Angebot steigert den Wert.

In einem Projekt der Urbana in Hamburg-Volksdorf zum Beispiel wird das Neubaugebiet „Im alten Dorfe“, bestehend aus 16 Eigentumswohnungen, seit vergangenem Sommer über ein BHKW mit Wärme und Strom versorgt. Mit der Vor-Ort-Stromversorgung durch ein BHKW können 50 bis 60 % des jährlichen Strombedarfs der Bewohner gedeckt werden. Auch im „City Carreé“ in Groß-Umstadt, einem Neubaugebiet mit 15 Reihenhäusern, werden 50 bis 60 % des Jahresstrombedarfs mittels Vor-Ort-Stromversorgung durch ein BHKW bereitgestellt. Beide Beispiele zeigen, wie durch den Einsatz von KWK hohe Energiestandards in Kombination mit innovativen Stromlösungen wirtschaftlich realisiert werden können.

Durch smarte Lösungen zur Erfassung aller Energiedaten kann die ­Effizienz von KWK-Anlagen noch weiter gesteigert werden.

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