Blau-Grünes Bauen: Wie sehen widerstandsfähige und lebenswerte Räume aus?

Ausstellungseröffnung Treffpunkt Bauwende 2025
© Bundesstiftung Bauakademie, Foto: Thomas Voßbeck

Ausstellungseröffnung Treffpunkt Bauwende 2025
© Bundesstiftung Bauakademie, Foto: Thomas Voßbeck

Die Folgen des Klimawandels sind bereits heute spürbar z.B. in Form von steigenden Temperaturen, Starkregenereignissen und anhaltenden Trockenperioden. Besonders in der Stadt verschärft sich die Lage: Städte entwickeln sich zu sogenannten Hitzeinseln, die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Stadtnatur und den natürlichen Wasserkreislauf belasten. Der hohe Anteil versiegelter Flächen und wärmespeichernder Fassaden sind wesentliche Treiber für diese Entwicklung.

Damit Städte lebenswert bleiben, braucht es eine konsequent klimaangepasste Umgestaltung des gebauten Raums, damit sie ihre Aufgaben der Daseinsvorsorge erfüllen können.

Eröffnung: Am 8. Juni 2026 eröffnet die Bundesstiftung Bauakademie auf ihrem Grundstück in Berlin-Mitte, Schinkelplatz 1, den Treffpunkt Bauwende – Blau-Grünes Bauen. In Kooperation mit dem Bundesverband GebäudeGrün und der Berliner Regenwasseragentur wird klimaangepasste Architektur anschaulich und unmittelbar erlebbar gemacht. Die Ausstellung und Interventionen zeigen, wie Städte sich durch begrünte Dächer und Fassaden, Regenwasserspeicher und bepflanzte Versickerungsanlagen an den Klimawandel anpassen können. Die Ausstellung ist bis Mitte Oktober 2026 öffentlich zugänglich.

Was ist Blau-Grünes Bauen?

Blau-Grünes Bauen verbindet die Potenziale von Wasser und Vegetation in der gebauten Umwelt und gewinnt für Stadtplanung und Architektur erheblich an Bedeutung. Eine Vielzahl an Maßnahmen steht dafür zur Verfügung, darunter Dach- und Fassadenbegrünung, Regenwasserspeicherung, Versickerungsanlagen, verschattete Freiräume und Grauwasserrecycling.

Wassersensibel geplante Gebäude und Freiräume fungieren dabei als multifunktionale Systeme: Sie helfen dabei, den urbanen Wasserhaushalt im Gleichgewicht zu halten und verbessern die Gewässerqualität und das Mikroklima. Gleichzeitig schützen sie vor Schäden durch Extremwetterereignisse, wie Starkregen, und entlasten die Kanalisation. Die unter Druck stehende Ressource Trinkwasser kann geschont werden, wenn Regen- und recyceltes Grauwasser gezielt und intelligent für den Betriebswasserbedarf eingeplant werden.

Durch die Begrünung der Gebäude wird der natürliche Kreislauf gefördert. Ökosystemleistungen, etwa Luftreinigung, Kühlung und Lebensraum für Stadtnatur, lassen sich gezielt einplanen. Natürliche Elemente in der Architektur und Stadtplanung stärken zudem die psychische und physische Gesundheit. Naturnahe Räume – etwa offene Gewässer in Parks oder begrünte Innenhöfe – schaffen soziale Begegnungsorte sowie Erholungsmöglichkeiten und fördern dadurch Stressreduzierung und Wohlbefinden.

Kurzum: Blau-Grünes Bauen trägt dazu bei, städtische Hitze zu mindern, natürliche Wasserkreisläufe zu stärken, Artenvielfalt zu fördern und das Wohlbefinden der Menschen zu verbessern.

Auf dem Bauakademie-Grundstück werden diese Maßnahmen nicht nur erklärt, sondern konkret gezeigt und erprobt: Universitäten, öffentliche Verwaltungen, Unternehmen und Start-ups installieren gemeinsam reale Interventionen. Ergänzende Ausstellungstafeln mit Praxisbeispielen aus ganz Deutschland geben Inspiration und vermitteln Wissen.

Ausstellung und Begleitprogramm

Die Ausstellung ist modular gestaltet und für alle Besucherinnen und Besucher öffentlich zugänglich. Unternehmen und Start-ups stellen konkrete Lösungen vor – von simplen Sofortmaßnahmen bis hin zu integrierten Gebäudekomponenten. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin werden zwei Forschungsprojekte ausgestellt und während des Ausstellungszeitraums wissenschaftlich begleitet. Ausstellungstafeln zur Wissensvermittlung und mit Praxisbeispielen aus ganz Deutschland ergänzen die realen Interventionen auf dem Gelände. Gerahmt wird die Ausstellung von einer begrünten Ausstellungsarchitektur, welche zum Verweilen einlädt. Sie wurde mit der Baumschule des Grünflächenamtes Charlottenburg-Wilmersdorf entwickelt und umgesetzt. Die Ausstellung ist während des gesamten Zeitraums kostenfrei zugänglich und kann ohne Anmeldung besucht werden. Das Gelände der Bundesstiftung Bauakademie steht damit allen Interessierten offen – Fachleuten ebenso wie Anwohnerinnen und Anwohnern, Studierenden oder Passantinnen und Passanten. Der Treffpunkt Bauwende lädt dazu ein, Blau‑Grünes Bauen unmittelbar zu erleben, sich zu informieren und eigene Fragen an die gezeigten Lösungen zu stellen.

Begleitet wird die Ausstellung von einem vielfältigen Programm: Eine Eröffnungsveranstaltung unter Beteiligung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) gibt den Auftakt. Drei Dialog-Veranstaltungen mit Expertinnen und Experten beleuchten die Themen wassersensible Quartiere, Grundstücksübergreifendes Wassermanagement und blau-grüne Bestandsarchitektur. Führungen richten sich sowohl an die Fachöffentlichkeit – etwa im Rahmen des Weltkongresses Gebäudegrün oder des Tags der Architektur – als auch an die breite Öffentlichkeit, zum Beispiel während der Woche der Klimaanpassung. Und schließlich laden Hands-on-Workshops Schülerinnen und Schüler, Studierende und alle Interessierten ein, selbst aktiv zu werden.

08. Juni 2026 Eröffnung, 19 Uhr, Roter Saal, Bundesstiftung Bauakademie, Schinkelplatz 1, Berlin- Mitte

11. Juni 2026 Führung im Rahmen des “Weltkongresses GebäudeGrün”

20. & 21. Juni 2026 Führung im Rahmen des “Tag der offenen Tür BMWSB”

28. Juni 2026 Führung im Rahmen des “Tag der Architektur”, 14 und 16 Uhr

16. Juli 2026 1. Fachdialog “Wassersensible Quartiere” mit anschließender Führung

26. August 2026 2. Fachdialog “Blau-Grüner Bestand” mit anschließender Führung

01. Oktober 2026 3. Fachdialog “Gründstücksübergreifendes Wassermanagement” mit anschließender Führung

Aktuelle Informationen und Anmeldeoptionen finden Sie auf der Website der Bundesstiftung Bauakademie.

Treffpunkt Bauwende: Ein Ort des gemeinsamen Lernens und Experimentierens

Das Grundstück der Bundesstiftung Bauakademie wird bis zum Baubeginn des Gebäudes als Experimentierraum für die Themen der Bauwende genutzt. Nach der Auftaktbespielung 2025 zum Thema „Regeneratives Bauen" in Kooperation mit Bauhaus Erde widmet sich das Format 2026 dem Blau-Grünen Bauen. Als neutrale Plattform bringt die Bundesstiftung Bauakademie dabei Universitäten, öffentliche Verwaltungen, Unternehmen und Start-ups zusammen, die gemeinsam reale Interventionen auf dem Gelände installieren.

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