Man muss auch wollen wollen

„Moment mal!“: Die Bundes­arbeits­­gemeinschaft Immo­bilien­wirtschaft Deutschland (BID) bezieht Stellung.

Wo ein politischer Wille ist, ist auch ein Weg. So würde ich die Situation rund um die Wohnungsnot mit einem Satz zusammenfassen. Und eines ist klar: Der Wille seitens der Immobilienwirtschaft neue Wohnungen zu errichten ist immens. Nach 14 Monaten Ampel-Koalition muss ich aber feststellen, dass auf der politischen Seite der Wille offenbar geringer ausgeprägt ist. Dabei zählt jede Wohnung, Mit der entsprechenden politischen Unterstützung wäre der Weg dafür frei. Doch diese fehlt weiterhin.

Während auf der einen Seite die Produktivität im Wohnungsbau aufgrund der wachsenden Kosten abnimmt, steigt auf der anderen Seite der Bedarf nach Wohnraum drastisch. Mit mehr als 84 Mio. Einwohnern haben noch nie so viele Menschen in unserem Land gelebt wie heute. Und daher ist es auch ein sozialpolitischer Auftrag, alle Hürden abzubauen, die dem zügigen Bau von bezahlbarem und bedarfsgerechtem Wohnraum im Wege stehen.

Die Immobilienwirtschaft hat längst pragmatische Maßnahmenvorschläge vorgelegt, für die man jetzt die Weichen stellen muss. Die von der Bundesregierung im Januar vorgestellte Neubauförderung zählt meiner Meinung nach nicht unter die Rubrik „Weichenstellung“. Sie wirkt mit Blick auf ihre Anforderungen an die Vergabe eines zinsverbilligten Darlehens vielmehr so, als wolle die Politik nicht, dass die Gelder abgerufen werden. Mit diesen hohen Anforderungen mündet der vorhandene Wille, klimagerecht zu bauen, in eine „Geht nicht, weil zu teuer“-Entscheidung. Es ist doch die Bezahlbarkeit des Bauens, die der Schlüssel zur Schaffung von mehr Angebot ist, um den enormen Bedarf annähernd zu decken.

Ich bekomme den Eindruck, dass einigen Entscheidungsträgern in der Politik der Bezug zur Alltagsrealität der Immobilienunternehmer fehlt. Dieser steckt voller Hindernisse.

Immer wieder höre ich Berichte von Kollegen oder Kolleginnen, dass die Vielzahl von komplexen, sich teilweise widersprechenden Anforderungen und die langwierigen Verfahren im Neubau das Bauen erschweren und Kosten dadurch immens steigen. Es ist von Fachkräftemangel die Rede und von undurchsichtigen und nicht hilfreichen Förderungen. Projekte werden oft nur noch fertiggestellt, wenn sie sich bereits in einem fortgeschrittenen Bauprozess befinden. Genossenschaften mit Durchschnittsmieten von fünf Euro pro Quadratmeter können den immer weiter steigenden Anforderungen an den Wohnungsbau nicht gerecht werden, weil sie schlichtweg nicht mehr zu finanzieren sind.

Zum Alltag der Unternehmer gehört auch, sich durch komplexe Kommunikationsprozesse arbeiten zu müssen. So vergeht im wahrsten Sinne kostbare Zeit. Eine Verschlankung der Prozesse und eine längst notwendige Digitalisierung sind das Gebot der Stunde.

Bauträger müssen schneller und effizienter bauen dürfen. Auch heute noch werden sie meist durch eine Fülle von Auflagen und ideologisch geprägten Entscheidungen bei der Umsetzung ihrer Vorhaben ausgebremst. Wo ein gültiger Bebauungsplan besteht, muss auch gebaut werden dürfen. Es kann nicht sein, dass ein Gemeinderat dann Bauwilligen noch Steine in den Weg legt. Vielmehr müssen Investoren doch ermutigt werden, zu investieren und damit neuen Wohnraum zu schaffen.

Frustrierende Erfahrungen, Zahlen, Appelle, Lösungsvorschläge für bezahlbares Wohnen – wie oft ist darüber zuletzt schon debattiert und auf höchster Ebene politisches Handeln beschworen worden. Was die Immobilienbranche aber weiterhin vermisst, ist ein effizientes und angemessenes Handeln der Bundesregierung, um der wirklich ernsten Lage am deutschen Wohnungsmarkt zu begegnen.

Wir müssen runter von den hohen Standards und die Planungsprozesse vereinfachen, dann wäre viel gewonnen. Und es braucht jetzt eine auskömmliche öffentliche Förderung für den Neubau und die Wohneigentumsbildung. Denn die Effekte werden wir erst in einigen Jahren sehen.

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