Kleines Kraftwerk

Mit ihrem Mehrgenerationenhaus „Dorflinde“ zeigt die Gemeinde Langenfeld großes Engagement. Weitblick beweist auch die Wahl der Energieversorgung: Eine KWK-Anlage erzeugt Strom und Wärme klimafreundlich und effizient direkt vor Ort.

Was die Bewohner des mittelfränkischen Orts auf die Beine gestellt haben, findet längst auch die Anerkennung der großen Politik: Vor mehr als vier Jahren weihte Langenfeld das Mehrgenerationenhaus „Dorflinde“ offiziell ein. Seitdem ist das Haus der zentrale Treffpunkt des Gemeindelebens, an dem die Menschen einander helfen, sich Jung und Alt austauschen und zusammen ein breites Angebot für alle erarbeitet haben. So ist es den Langenfeldern gelungen, einen funktionierenden Ersatz für die schwindende Großfamilie zu schaffen und das bayerische Dorf zukunftsorientiert aufzustellen.

Teil des inzwischen mehrfach ausgezeichneten Projekts ist ein klima- und ressourcenschonendes Energiekonzept. Seit der Eröffnung sorgt eine Dachs Mikro-KWK-Anlage von SenerTec in einem Schritt für Strom und Wärme. Dadurch wird der eingesetzte Brennstoff besonders effizient genutzt.

Die Entscheidung für Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) trafen die Verantwortlichen damals bewusst, um im Mehrgenerationenhaus auch in Sachen Energie nachhaltig zu wirtschaften. Durch die gekoppelte Energieerzeugung reduziert sich der Ausstoß klimaschädlicher Emissionen und der Primärenergiebedarf sinkt, sodass auch die Betriebskosten deutlich niedriger ausfallen.

Ehrenamt und Engagement: Ein Dorf hilft sich selbst

Durch die Gründung des Mehrgenerationenhauses ist der Ort mit gut 1000 Einwohnern die kleinste deutsche Kommune mit einer eigenen Begegnungsstätte dieser Art. Vom Schulkind bis zur Seniorin spricht sie alle Langenfelder gleichermaßen an und fördert ein lebendiges Miteinander. Die Geburtsstunde der viel beachteten Initiative war eine Grundsatzfrage, die Reinhard Streng als Erster Bürgermeister von Langenfeld seinen Mitbürgern stellte: „Wo wollt ihr leben, wenn ihr alt seid?“ Bei den meisten seiner Zuhörer stand die Antwort fest: „Hier, in Langenfeld“.

Doch der demografische Wandel und seine Herausforderungen stellen gerade kleine Orte vor ein großes Problem. Junge Familien ziehen weg, die Infrastruktur von Einzelhandel und Dienstleistungen vor Ort schrumpft – genau wie das Dorf selbst. Um ihre Gemeinde zu einem Ort machen, an dem sie alt werden und gemeinsam leben können, entschieden sich die Langenfelder zur Selbsthilfe und nahmen kurzerhand selbst die Zügel in die Hand. Ein Arbeitskreis setzte sich zusammen, die entsprechende Bewerbung ging ans Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin – und mit dem positiven Bescheid begannen die Arbeiten am Mehrgenerationenhaus.

Als neues Zentrum wurde eine leer stehende Scheune mitten im Ortskern umgebaut, die die Gemeinde zur Verfügung stellte. 2007 begann die Sanierung. Das Gebäude wurde schrittweise moder­nisiert, noch im Dezember erfolgte die Grundsteinlegung für den neuen Veranstaltungsraum. In einem modernen, barrierenfreien Anbau aus Glas ist heute das beliebte Tagescafé untergebracht. Gut 50 ehrenamtliche Mitarbeiter organisieren mittlerweile das Leben im Mehrgenerationenhaus „Dorflinde“ – von Nachhilfe- und Kinderbetreuungsangeboten über Fahrdienste und Sportgruppen bis hin zum Gedächtnistraining für Ältere.

Dezentral versorgt – weniger Emissionen, geringere Kosten

Für ihr nachhaltiges soziales Projekt suchten die Betreiber des Mehrgenerationenhauses „Dorflinde“ nach einer Energielösung, die diesem Grundsatz ebenfalls entspricht und sich gleichzeitig auch ökonomisch rechnet. Der Dachs ist seit der Eröffnung des Hauses 2008 in Betrieb und versorgt das Mehrgenerationenhaus mit Wärme und Strom. Gegenüber dem separaten Bezug von Heizenergie aus dem Kessel und Strom aus dem Großkraftwerk senkt die dezentrale KWK-Technik den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 um 47 %.

Die Funktionsweise der Mikro-KWK-Anlage ist vergleichsweise einfach: Das Erdgas – alternativ ist auch der Einsatz von Flüssiggas, Heizöl und Biodiesel möglich – verbrennt im Motor und treibt so den Generator zur Stromerzeugung an. Wie im Großkraft entsteht auch hier Abwärme, die der Dachs jedoch nicht ungenutzt lässt, sondern über Wärmetauscher auskoppelt. Diese Wärme lässt sich folgend für die Versorgung mit Heizenergie und Warmwasser nutzen. Mit 5,5 kW elektrischer und 12,5 thermischer Leistung deckt der Dachs den Wärmebedarf im Mehrgenerationenhaus „Dorflinde“ komplett ab und erzeugt zusätzlich einen Teil des benötigten Stroms parallel direkt vor Ort. Einen zusätzlichen Heizkessel benötigt die Einrichtung nicht. Gerade für Objekte mit einem ganzjährig hohen Bedarf an Wärme sind energieeffiziente KWK-Anlagen wie der Dachs ideal. Das Kleinkraftwerk im Heizungskeller – oder wie in der Dorflinde im Obergeschoss, um große Erdgeschossflächen barrierefrei zu gestalten – eignet sich dadurch sowohl für komfortable Wohnhäuser als auch für Hotels oder Gewerbebetriebe.

Kleinkraftwerk mit Bonus

In der „Dorflinde“ nimmt vor allem die Gastronomie großen Einfluss auf den Energiebedarf: Unter der Woche gibt es ein reichhaltiges Frühstücksangebot und einen wechselnden warmen Mittagstisch, den sowohl Schüler als auch Senioren gern nutzen. Überschüssigen KWK-Strom, der sich vor Ort nicht direkt einsetzen lässt, speisen die Betreiber gegen eine marktübliche Vergütung ins öffentliche Stromnetz ein. Die „Dorflinde“ verkauft im Jahr mehr als 10.000 kWh an ihren lokalen Versorger. Darüber hinaus gibt es dem KWK-Gesetz entsprechend für jede mit dem Dachs erzeugte kWh Strom einen festgeschriebenen Bonus von 5,41 Cent. Den erhalten Betreiber unabhängig davon, ob sie die Leistung selbst einsetzen oder ins Netz einspeisen. Der Ertrag dieses kleinen Energie­handels finanziert nahezu den kompletten Brennstoffbedarf des Mehrgenerationenhauses und trägt so maßgeblich zu dessen Wirtschaftlichkeit bei. Von der Energiesteuer für den Brennstoff sind KWK-Betreiber befreit. So rechnen sich die Investition und der Betrieb der dezentralen Anlage schnell.

Das Langenfelder Projekt hat es mittlerweile zu überregionaler Bekanntheit gebracht: 2011 erhielt das Mehrgenerationenhaus den Preis „Ausgewählter Ort“ der Standortinitiative „Land der Ideen“ von Wirtschaft und Politik – 2013 besuchte sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrer „Demografiereise“ die „Dorflinde“ und zeigte sich vom Engagement vor Ort begeistert. Auf ihrem Erfolg und der bundesweiten Anerkennung ruhen sich die Langenfelder jedoch nicht aus. Derzeit laufen die Bauarbeiten an einem Mehrgenerationen-Wohnprojekt mit professioneller Tagespflege, Physiotherapie und barrierefreien Wohnungen.

Die dezentrale KWK-Technik senkt den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 um 47 %.

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