Nachhaltiges Bauen

Gesunde Gebäude mit Cradle to Cradle

In einer Kolumne greift der Immobiliendienstleister Drees & Sommer Themen auf, die die Branche bewegen.

In Altbauten finden sich noch viele gesundheitsschädliche Stoffe. Dazu gehören etwa Aldehyde oder Lösungsmittel. Gleichzeitig werden in der EU und weltweit Baumaterialien eingesetzt, die gesundheitsschädliche Emissionen entwickeln. Bedenkt man die Tatsache, dass Menschen 90 % ihrer Zeit in Gebäuden verbringen, so ist das besorgniserregend.

Daher gehört es zu zentralen Aufgaben der Bau- und Immobilienwirtschaft, das bestehende „Schadstofflager“ sukzessive abzubauen. Das Gebäude der Zukunft muss auf Baustoffe, die bedenklich für die Gesundheit sind, komplett verzichten. Mehr noch: Idealerweise werden Gebäude gebaut, deren Materialien und Produkte chemisch positiv definiert und kreislauffähig sind.

Diese Themen wurden zuletzt deutlich vernachlässigt, da sich die Bau- und Immobilienbranche insbesondere dem Energieeffizienzthema gewidmet hat. Nun ist ein Umdenken zwingend erforderlich. Einen Lösungsweg zeigt das vom deutschen Chemiker Michael Braungart gemeinsam mit dem amerikanischen Architekten William McDonough entwickelte Cradle-to-Cradle-Konzept, kurz C2C. Bei diesem Konzept geht es darum, Abfall in der heutigen Form zu vermeiden und nur noch in Nährstoffen zu denken und zu konzipieren – und so auch den technischen und monetären Wert der Stoffe zu erhalten. Nur geprüfte, gesunde Materialien und Bauelemente kommen zum Einsatz.

Übertragen auf die Bauindustrie bedeutet C2C, dass die in Gebäuden gebundenen Rohstoffe so verbaut und zusammengefügt werden, dass sie am Ende der Nutzungszeit wieder als Ausgangsstoff für neue Produkte dienen. Bauteile und Materialien sind so Teil von geschlossenen Kreisläufen mit schadstofffreien Substraten. Anstatt jedes Mal beim Abbruch von Gebäuden Bauschutt zu produzieren, werden dann zukünftig alle verbauten Materialien ohne Qualitätsverlust uneingeschränkt wiederverwertet werden können.

Für die Nutzer hat das auch Vorteile. Denn ein wichtiger Gedanke des C2C-Konzepts ist es, dass Inhaltsstoffe der verwendeten Materialien nicht nur kreislauffähig, sondern auch chemisch unbedenklich sind. Das heißt: Die Produkte sind für Mensch und Natur unschädlich.

Gleichzeitig profitieren Bauherren und Investoren, weil ihre Immobilien zu einer Art Rohstoffdepot werden und sie Materialwerte lagern und Vorteile nutzen können. Ein wichtiger positiver Effekt ist zudem, dass durch die Anwendung des C2C-Konzepts Unternehmen der wachsenden Rohstoffknappheit entgegenwirken.

Drees & Sommer treibt mit der EPEA Internationale Umweltforschung den Einsatz von Cradle to Cradle voran und setzt sich für die Weiterentwicklung der C2C-Produkte sowie den Konzept-Einsatz in Bauprojekten ein. Mit der HOINKA GmbH und der SundaHus i Linköping AB wurde zudem die Plattform Building-Material-Scout.com gegründet. Hier finden sich schadstofffreie und C2C-zertifizierte Bauprodukte.

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