Denkmäler als Inspiration

Sie sorgen für das richtige Heimatgefühl: Historische Kirchen und Rathäuser prägen die Zentren vieler Stadtquartiere. Um diese Objekte nachhaltig zu sanieren und optisch aufzuwerten, eignen sich moderne Walzbleierzeugnisse – eine Inspiration auch für Neubauprojekte.

Früher war nicht alles besser, und doch: Alte Bauwerke verfügen zumeist über einen einzigartigen Charme, der sich nicht einfach reproduzieren lässt. Sie stiften Identität für Städte und Stadtteile, deshalb ist ihre Pflege immens wichtig – und schwierig. Denn Schäden durch Konstruktionsfehler oder zeitlich bedingten Verschleiß treten gerade bei diesen Gebäuden häufig auf. In solchen Fällen sollte  schnell reagiert werden. Doch ein Kirchturm ist nicht im Handumdrehen saniert, die Arbeiten sind in der Regel aufwändig und teuer.

Alte Werkstoffe mit Potenzial

Gefragt ist also weitsichtiges Handeln, sprich: eine nachhaltige Modernisierung des Denkmals, die Schäden für möglichst lange Zeiträume verhindert. Ästhetisch und funktional gesehen sind moderne Werkstoffe aber nicht unbedingt die erste Wahl. Man denke etwa an Silikonfugen, die in historischen Gemäuern wie Fremdkörper wirken. Glücklicherweise haben auch die Baumeister früherer Zeiten bevorzugt Werkstoffe verwendet, die eine hohe Praxistauglichkeit und Langlebigkeit bieten. Diese Werkstoffe waren damals allerdings nicht unbedingt ausgereift und sind aufgrund konstruktionsbedingter Schwächen, etwa einer schlechten Gebäudeentlüftung, besonderen Belastungen ausgesetzt.

Innovation mit Tradition

Mit modernen Varianten solcher Materialien lässt sich der Spagat zwischen visueller Authentizität und funktionaler Verbesserung indes meistern. Dies gilt insbesondere für ein traditionsreiches Baumetall: Walzblei wird seit Jahrhunderten an Dach und Fassade verwendet und ist heute in vielen zeitgemäßen Varianten erhältlich. Die klassischen Vorteile von Blei werden dabei um innovative Veredelungen oder Beschichtungen ergänzt.

Walzblei: Vielfach bewährt

Walzblei wird sowohl zur Abdichtung von Fenstern, Schornsteinen oder Solarzellen als auch zur Verlegung auf großen Dach- und Fassadenflächen verwendet. Die Vorteile, die das Material bietet, sind in ihrer Kombination bis heute einzigartig: So ist Walzblei witterungs- und UV-beständig und eignet sich damit insbesondere für Bauwerke, die über lange Zeiträume hinweg wartungsfrei bleiben sollen. Die Bleche lassen sich flexibel vor Ort zuschneiden und passgenau an unebene Stellen, Ecken und Kanten anformen. Damit sind sie prädestiniert, um filigrane Fassadenstrukturen, wie sie an historischen Bauwerken oft vorkommen, zu bedecken. Darüber hinaus lässt sich Blei hervorragend recyclen. Es verbraucht auch in der Herstellung vergleichsweise wenig Energie. In Kombination mit seiner Langlebigkeit eignet sich Walzblei daher sehr gut für nachhaltiges Bauen.

Neue Akzente setzen

In der Denkmalsanierung ist Walzblei oft unverzichtbar, da es deren Antlitz maßgeblich prägt. So ist allein das Dach des Kölner Doms mit rund 12.000 m² Walzblei bedeckt. Im Unterschied zu früheren Jahrhunderten stehen heutigen Architekten und Planern indes vielfältige Varianten des Werkstoffs zur Verfügung, die das Dach oder die Fassade funktional oder ästhetisch entscheidend aufwerten können und zugleich den Anforderungen des Denkmalschutzes entsprechen.

Klassiker mit Qualitätsanspruch

Unbehandeltes Walzblei ist von Herstellern wie Röhr + Stolberg unter dem Begriff Saturnblei erhältlich. Dieses klassische walzblanke Produkt wird nach strengen Qualitätsmaßstäben der Gütegemeinschaft Saturnblei zertifiziert  Es kann also bedenkenlos zur Sanierung historischer Gebäude eingesetzt werden. Charakteristisch ist die gräuliche Patina, welche die Bleche unter Einfluss der Witterung innerhalb weniger Wochen bilden. Dadurch wirken die Walzbleiflächen „gealtert“ und passen sich gut in den historischen Kontext ein.

Zuckerguss aus Blei

An vielen historischen Denkmälern sind aber moderne Walzbleivarianten sinnvoller. Denn sie vereinfachen oft den Weg zum Ziel. Ein charakteristisches Beispiel ist der Glockenturm des Mannheimer Ensembles Altes Rathaus und Pfarrkirche St. Sebastian. Der markante Turm des ältesten, um 1700 errichteten Gebäudes der Stadt wurde im Jahr 2011 vollständig saniert. Auffällig sind die Turmlaternen: grazile Fassadenelemente aus Holz, mit Walzblei ummantelt.

Dass sich die Laternen so elegant in das Ensemble einfügen, liegt nicht zuletzt an ihrer weißen Färbung. Das Problem: Bislang wurde die Bleischicht erst nach der Montage weiß angestrichen – ein aufwendiger Prozess, der nicht unbedingt ein gleichmäßiges Farbbild erzielt. Vor allem kann die Farbe auch schnell wieder abblättern. Deshalb kam jetzt eine Technik zum Einsatz, die den alten Baumeistern nicht zur Verfügung stand: Die Bleibleche wurden bereits im Werk mit einer hochmodernen Lackschicht versehen – eine Variante des Produktes bleiCOLOR.

Langlebige Schönheit

Die Lackschicht ist vollkommen gleichmäßig und hält Regen, Wind und Sonne langfristig stand. Vor allem ist sie ebenso flexibel wie das Bleiblech, das sie bedeckt: Bei sachgemäßer Verarbeitung hält sie Falztechniken und Treibarbeiten ohne Probleme stand. Der optische Effekt der Turmlaternen konnte so noch einmal aufgewertet werden – der markante Turm erstrahlt jetzt dauerhaft in sattem Weiß.

Kirchen klug sanieren

Eine Herausforderung ist die Sanierung von Dächern alter, schlecht entlüfteter Gebäude. Hier sammelt sich Feuchtigkeit unterhalb der Bleidecke und greift diese von innen an. Gerbsäuren alter Hölzer haben einen vergleichbaren Effekt. Die Folge: Trotz der Robustheit des Materials können Korrosionsschäden in der Bleischicht auftreten und den Eintritt weiterer Feuchtigkeit begünstigen.

Die Lösung: Kirchenblei

Deshalb hat Röhr + Stolberg das Produkt Kirchenblei entwickelt, welches eine traditionelle Optik mit optimierten Eigenschaften verbindet: Eine rückseitige Zinnschicht schützt das Blei vor Korrosion. Dass Kirchenblei wie herkömmliche Walzbleiprodukte manuell vor Ort verarbeitet wird, ist ein Plus für die authentische Wiederherstellung von Dächern und Fassaden. Kirchenblei kam bereits in Aachen am Dom und Rathaus zum Einsatz. Insbesondere am Granusturm des Rathauses waren die Stärken des Materials gefragt: Im Jahr 2010 musste dessen komplette Fassadeneindeckung erneuert werden – wegen massiver Feuchtigkeitsschäden aufgrund vormaliger Baufehler. Die filigrane, unverwechselbare Fassade des berühmten Turms ließ sich dank der Flexibilität von Kirchenblei originalgetreu wiederherstellen und sogar verbessern.

Mauerwerksfugen aus Bleiwolle

Um historische Mauerwerksfugen optisch dezent zu erneuern, empfiehlt sich Bleiwolle. Das aus feinen Metallfäden bestehende Material lässt sich in allen Fugengrößen verarbeiten. Es hält Feuchtigkeit wesentlich besser stand als herkömmliche Werkstoffe auf Zementbasis. Bleiwolle ist langlebiger als Silikonfugen und beeinträchtigt im Gegensatz zu diesen das Antlitz der Fassade nicht.

Ästhetische Alternative

Bisweilen lohnt es sich aber auch im Denkmalbereich, optisch neue Wege zu gehen. So gibt es mit Venusblei ein klassisches Walzbleiprodukt, das ebenfalls in traditioneller Weise verarbeitet wird und dadurch einen organischen Eindruck erzielt. Gleichzeitig verfügt es aber über eine innovativ beschichtete Oberfläche, welche die Bleche dauerhaft schützt und ihnen einen satten, anthrazit-grauen Farbton verpasst. Dieser fügt sich oft noch besser in das historische Ambiente ein als das ursprünglich verwendete, unbehandelte Blei. So harmoniert Venusblei hervorragend mit Schiefer, weswegen es Abdichtungen an historischen Schieferdächern deutlich aufwerten kann. Im Rahmen der Sanierung einer Kirche in Zwota wurde das bisherige Schieferdach gleich vollständig durch Venusblei ersetzt.

Inspiration für moderne Bauten

Eine Brücke zwischen Tradition und Moderne: Walzbleierzeugnisse zeigen auf, wie sich der historische Charme von Denkmälern und Ensembles bewahren oder sogar aufwerten lässt, ohne praktische Abstriche hinnehmen zu müssen. Was an identitätsstiftenden Wahrzeichen funktioniert, eröffnet auch an modernen Wohn- und Geschäftshäusern neue Möglichkeiten. Mit Walzblei lassen sich Akzente setzen, die ebenso innovativ wie dezent sind.

Vom Detail bis zur kompletten Fassade

So hat der belgische Architekt Peter Goes ein Wohnhaus in einer Brügger Arbeitersiedlung aus der Vorkriegszeit mit markanten Balkonelementen versehen, die komplett in Venusblei gekleidet sind. Noch radikaler ist ein Beispiel aus dem schwäbischen Metzingen: Ein Modegeschäft wurde hier in direkter Nachbarschaft zum ältesten Fachwerkhaus der Stadt komplett in Venusblei gekleidet. Das Ergebnis ist unverwechselbar, ohne zu sehr aus dem Ambiente der Umgebung herauszustechen. Darüber hinaus bietet das flexible Material viele interessante Möglichkeiten, kleine oder komplexe Stellen zuverlässig und optisch hochwertig zu verkleiden.

Walzblei wird seit Jahrhunderten an Dach und ­Fassade verwendet.

Die Bleche lassen sich flexibel vor Ort zuschneiden und passgenau an unebene Stellen, Ecken und Kanten anformen.

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