Am liebsten trocken

Es gibt Risikofaktoren, die das Wachstum von Algen und Pilzen auf WDVS begünstigen können. Im Vorfeld einer Sanierungsmaßnahme sollten diese beachtet werden.

Die Langzeitbewährung von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) wurde in Studien des Fraunhofer Instituts für Bauphysik in Holzkirchen (IBP) eindrucksvoll belegt. Demnach ist die Lebenserwartung WDVS-ge­­dämmter Fassaden mindestens vergleichbar mit der Lebenserwartung verputzter Wände. Bei Beachtung von Details in der Planung, bei der Ausführung und Materialauswahl sowie in der Nutzungsphase kann das Risiko von Algen- und Pilzbefall deutlich reduziert werden.

Algen und Pilze zählen zu den ältesten Lebensarten der Erde. Sie kommen nahezu überall in unterschiedlichsten Ausprägungen vor. Algen produzieren mit Hilfe des Chlorophylls aus Licht, CO2 und in der Luft vorkommenden Stickstoffverbindungen ihre Nährstoffe. Pilze besitzen keinen grünen Blattfarbstoff. Sie ziehen die zu ihrem Wachstum notwendigen Stoffe aus dem Abbau organischer Substanzen der von ihnen besiedelten Untergründe. Algen und Pilze brauchen zum Überleben Wasser. Während Algen zur Photosynthese Licht benötigen, wachsen Pilze auch an dunklen, schattigen Orten. Ein großer Teil der Verunreinigung an Fassaden resultiert dabei nicht aus der Tatsache, dass ein WDVS angebracht ist. Vielmehr gelangen Algen und Pilze durch konstruktive Schwachstellen (z.B. durch Benetzung mit ablaufendem Wasser vom Dach) und externe Einwirkungen auf die Fassade und breiten sich dort weiter aus.

 

Auftreten an Fassaden – kein spezielles WDVS-Phänomen

Nach Erkenntnissen des IBP kommt es grundsätzlich auf allen Außenbau-teiloberflächen zu einer zunehmenden Belastung mit Algen und Pilzen. Die kontinuierlich abnehmende Luftverschmutzung (z.B. Senkung der Schwefel-Dioxid-Belastung) einerseits und die Zu­­nahme nährstoffreicher Einträge z.B. aus der Landwirtschaft andererseits schaffen für Algen und Pilze ein günstiges Wachstumsklima. Algen und Pilze treten im Alltag an den unterschiedlichsten Orten auf und sind kein spezielles Phänomen gedämmter Fassaden. Auch Mauerwerk ohne Dämmung, Verkehrszeichen, Wertstoffcontainer, sogar abgestellte PKW können befallen werden.

Bei Untersuchungen des IBP konnten bislang an Außenbauteiloberflächen über 140 verschiedene Arten von Algen und Pilzen identifiziert werden. Bei Hausbesitzern führen Algen und Pilze zur Unzufriedenheit, wenn eine Außenwand deutlich sichtbar nach wenigen Jahren Algen- oder Pilzbe-wuchs aufweist. Gerade auf den in Deutschland weit verbreiteten weißen Putzoberflächen zeichnen sie sich als grüne oder braune bis schwarze Flecken ab. Rein technisch betrachtet, stellt dies meist keinen Mangel dar.

 

Prognose schwierig

Ob und wann eine Fassade Algen oder Pilze aufweist, kann jedoch nicht vorhergesagt werden. Und tatsächlich ist der überwiegende Teil der WDVS-Fassaden auch nach vielen Jahren noch einwandfrei. Es gibt Risikofaktoren, die das Wachstum von Algen und Pilzen begünstigen können und die im Vorfeld einer Sanierungsmaßnahme beachtet werden sollten. Nachfolgend sollen einige Hinweise gegeben werden, worauf bereits bei der Planung geachtet werden kann. Durch bauliche Details sowie geeignete Materialauswahl kann das Risiko unzufriedener Auftraggeber deutlich reduziert werden.

 

Umgebung bewerten

Wie bereits dargestellt, ist für das Überleben von Algen und Pilzen das Vorkommen von Wasser eine wesentliche Voraussetzung. Überall dort, wo Fassadenflächen einer starken Feuchtebelastung ausgesetzt sind, steigt das Risiko für einen Befall. Auf die Feuchtebelastung haben mehrere Faktoren Einfluss:

– Feuchteeintrag durch Umgebungsbedingungen, z. B. in Tal-Auen an Gewässern

– Feuchteeintrag durch Schlagregen, Spritzwasser, Tauwasserbelastung oder die Wasserführung am Gebäude, z. B. Dachüberstände, Überstände von Fensterbänken, Hauptwindrichtung

– verlangsamte Abtrocknung durch Verschattung, z. B. dichten Bewuchs im Garten oder Nachbarbebauung

– geografische Lage, z. B. mit häufigen Nebellagen

– Exposition des Gebäudes

Diese Aspekte können im Zuge der Planung vor Ort leicht eingeschätzt werden. Bei Be­­standsgebäuden liefert vorhandener Befall ebenfalls wertvolle Hinweise. Bei Neubauten lohnt der Blick auf benachbarte Gebäude und Oberflächen. Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Bebauung in Großstädten einem geringeren Belastungsdruck unterliegt als Gebäude in ländlicher Umgebung.

 

Oberflächenfeuchte vermeiden

Die Oberflächentemperatur einer Fassade hängt von vielen Randbedingungen ab. Auch durch die Temperatur wird der Feuchtehaushalt einer Fassade beeinflusst. In Abhängigkeit von der Differenz zwischen der Ober­flächentemperatur der Fassade und der Temperatur der Außenluft kann sich auf Fassa­­denoberflächen Kondenswasser bilden. Dies hängt damit zusammen, dass sich die Fassadenoberfläche nachts – ähnlich wie das Blech einer Autokarosserie – auf Temperaturen unterhalb der Lufttemperatur abkühlen kann. Wird dabei die sogenannte Taupunkttemperatur unterschritten, schlägt sich Feuchte auf der abgekühlten Oberfläche in Form von Kondenswasser nieder. Die dadurch eingetragene Feuchtigkeitsmenge kann das Algen- und Pilzwachstum begünstigen.

Je stärker und schneller sich eine Oberfläche abkühlt, desto länger ist der Zeitraum, in dem sich Kondenswasser bildet. Dicke Putzschichten weisen eine höhere Wärmespeicherkapazität auf und kühlen infolge dessen nicht so schnell aus. Andererseits benötigen sie im Verlaufe des Tages auch entsprechend länger, um sich wieder aufzuheizen und auszutrocknen. Dünne Putzschichten kühlen deutlich schneller ab, heizen sich aber auch schneller wieder auf. Auf Wärmedämm-Verbundsystemen ist die Dauer der Feuchtebelastung infolge Kondenswasserbildung bei dicken Putzschichten dennoch kürzer als bei dünnen.

 

Sorgfältige Planung

Anhand der bei der Objektbegutachtung gesammelten Informationen kann eine fachgerechte Planung vorgenommen werden. Hierbei ist insbesondere zu unterscheiden zwischen konstruktiven Details und der Auswahl geeigneter Materialien. Bei Bedarf unterstützen die Fachberater der Systemhersteller des FV WDVS vor Ort.

Geeignete Materialauswahl

Grundsätzlich bieten die Hersteller von WDVS zwei verschiedene Schutzprinzipien vor Algen- und Pilzbefall an. Zum einen wird durch die Materialzusammensetzung versucht, die Ober­­flächenbelastung der Fassade mit Feuchtigkeit zu minimieren. Diese Materialien erlauben unter Ausnutzung bauphysikalischer Effekte eine schnelle Austrocknung der Fassadenoberfläche und verhindern Kondensatbildung auf Putz und Anstrich. Somit wirken sie dem Wachstum von Algen und Pilzen durch den Entzug der Lebensgrundlage Wasser entgegen. Dickschichtige Putzsysteme unterstützen dies durch eine höhere Wärmespeicherkapazität. Zum anderen verwendet man im Putz spezielle Wirkstoffkombinationen, die dem Befall mit Mikroorganismen entgegenwirken. Durch Einsatz verkapselter Biozide wird die Umweltverträglichkeit optimiert.

 

Konstruktive Details

Bei der Planung konstruktiver Details spielt der Dachüberstand eine wichtige Rolle. Er sollte nach dem Anbringen des WDVS noch deutlich über die Fassade hinausragen. Gleiches gilt für die Fensterbänke. Auf diese Weise wird der zusätzliche Feuchteeintrag durch Schlagregen wesentlich reduziert. Bei Fens-terbänken ist zudem auf eine ausreichende Neigung und Wasserführung zu achten, damit das Regenwasser nach außen abfließt.

Bei Sanierungen kann es sein, dass der vorhandene Dachüberstand nicht ausreicht, um die zusätzliche Dämmung zu überdecken. Soll das Risiko eines Algen- und Pilzbefalls weitgehend minimiert werden, muss vor der Anbringung des WDVS der Dachüberstand entsprechend verlängert werden. Zudem sollte die Belastung einer Fassade mit Spritzwasser minimiert werden. Als sensible Stellen erweisen sich z. B. an die Wand an­­schließende gepflasterte Flächen und Vordächer. Bei der Be­­trachtung konstruktiver Details gilt das Motto: Was tro-cken bleibt, bleibt algen- und pilzfrei.

 

Fassadenreinigung und Wartung

Weist bei Sanierungen die ungedämmte Fassade bereits einen Befall auf, müssen zunächst die Ursachen festgestellt und – wenn möglich – beseitigt werden. Dies kann z.B. bedeuten, dichten Bewuchs zurückzuschneiden oder die Wasserführung an Bauteilübergängen zu optimieren. Auf jeden Fall muss vorhandener Be­­wuchs an der ungedämmten Fassade sorgfältig beseitigt werden.

PKW oder Heizungsanlagen benötigen eine regelmäßige Inspektion. Dies gilt im übertragenen Sinne auch für Fassaden. Diese erfüllen nicht nur einen ästhetischen Zweck, sondern sollen die Bausubstanz der Langzeitinvestition Immobilie dauerhaft schützen und erhalten. Leider wird der Wartung von Fassaden meist wenig Beachtung geschenkt. Der FV WDVS empfiehlt Bauherren daher, mit dem Fachhandwerker einen Wartungsvertrag ab­­zuschließen. Dieser beinhaltet die jährliche Inspektion der sanierten Fassade. Kleinere Befallsflächen könnten so unmittelbar beseitigt und eine weitere Ausbreitung verhindert werden. Auf diese Weise wird der optisch und technisch einwandfreie Zustand des WDVS auf Dauer sichergestellt.


Qualität entscheidet

Wärmedämm-Verbundsysteme werden zur energetischen Optimierung von Fassaden an Neu- und Bestandsbauten eingesetzt. Sie sind ein probates Mittel, die Energiesparziele der Bundesregierung im Zusammenhang mit der Energiewende zu erreichen. Sie sind effizient, vergleichsweise einfach und sicher zu verarbeiten und haben sich in mehr als 50 Jahren bestens bewährt. Die insgesamt mit WDVS gedämmte Fassadenfläche hat seither in Deutschland etwa 145 Mrd. l Heizöl und rund 700 Mio. t CO2 eingespart. Nebenbei sorgen WDVS für ein gesundes Wohlfühlklima und ansprechende Fassaden.

Angesichts der hohen Lebensdauer von WDVS-Fassaden sollten Planer und Auftraggeber nicht nur nach dem Preis entscheiden. Vielmehr muss das ausgewählte System auf die objektspezifischen Anforderungen passen. Billig kann sich sonst am Schluss als teuer erweisen. Markenqualität bedeutet dagegen, dass die Systemlieferanten durch gezielte Forschung und Entwicklung sowie durch Langzeitbeobachten von Objekten in Zusammenarbeit mit führenden Instituten ihre Produktqualität ständig verbessern. Die Mit­­gliedsunternehmen im FV WDVS verfügen über entsprechende Erfahrung und stehen dem Architekten und Fachhandwerker in der Planungsphase beratend zur Seite.

Bei der Planung konstruktiver Details spielt der Dachüberstand eine wichtige Rolle.

Überall dort, wo Fassadenflächen einer starken Feuchtebelastung ausgesetzt sind, steigt das Risiko für einen Befall.

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