Langfristig Arbeitsplätze sichern und Klimaziele erreichen: Verbände fordern konjunkturpolitische Maßnahmen im Gebäudebereich

Der Bausektor ist mit ca. 2 Mio. Beschäftigten und einem jährlichen Bauvolumen von 400 Mrd. Euro einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Deutschlands. Ihm kommt damit eine zentrale Rolle für nachhaltige Investitionen in die regionale Wertschöpfung zu, die gleichzeitig zur Erreichung der Klimaziele beitragen. Um das große ökologische und ökonomische Potenzial des Gebäudesektors voll auszuschöpfen, fordern Verbände aus Baustoffindustrie und Handwerk die Politik auf, bei Maßnahmen eines neuen „Konjunkturpakets III“ auch die deutschen und europäischen Klimaschutzziele im Blick zu haben.

Vor dem Hintergrund drastisch einbrechender Gewerbe- und Einkommenssteuereinnahmen sowie ungewisser wirtschaftlicher Aussichten als Folge der Covid-19-Ausbreitung stellen zahlreiche Kommunen und private Bauherren ihre Investitionen zurück. Damit es mittelfristig zu keinen Investitionsengpässen im Baubereich bei privaten und öffentlichen Gebäuden kommt, bedarf es zusätzlicher Anreize, um die energetische Modernisierung des Gebäudebestandes voranzutreiben. Das gilt gleichermaßen für die Initialisierung von Maßnahmen im Neu- und Ersatzbau wie auch für Aufstockungen und Dachausbauten, mit denen zusätzlicher moderner und energieeffizienter Wohnraum geschaffen wird.

Um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern und wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad einzuschwenken, fordert ein Bündnis aus Vertretern von Baustoffindustrie und Handwerk Bund und Länder auf, bei einem neuen Konjunkturpaket verschiedene Maßnahmen im Gebäudebereich anzugehen. Dazu gehören u.a. Erleichterungen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, die Beseitigung steuerlicher Hemmnisse für Eigentümer von Wohn- und Nichtwohngebäuden, um diese stärker für energetische Modernisierungen zu motivieren, und die Verbesserung bereits bestehender Förderprogramme sowohl von selbstgenutztem als auch nicht selbstgenutztem Wohneigentum.

Die energetische Modernisierung des Gebäudebestandes – dazu zählen neben den baulichen Maßnahmen an der Gebäudehülle auch Aufstockungen, Dachausbauten und der Ersatzneubau – bietet durch dauerhafte Energie- und CO2-Einsparungen sowie die Sicherung und den Aufbau von Beschäftigung doppelten Nutzen: Gelingt es, die für einen klimaneutralen Gebäudebestand notwendige Verdopplung der jährlichen Modernisierungsrate umzusetzen, können allein im Bereich der Gebäudehülle 280.000 neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse entstehen. 

Thematisch passende Artikel:

41 Verbände appellieren gemeinsam an die Politik: Steuerförderung für Gebäudesanierung duldet keinen weiteren Aufschub

Die jährliche Quote bei der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden liegt derzeit unter einem Prozent. Hier besteht laut Expertenmeinung dringender Handlungsbedarf, um die Klimaziele im Bereich...

mehr
2019-09

CO2-Preis löst nicht das soziale Dilemma des Klimaschutzes

In der aufgeheizten Debatte um die richtigen Maßnahmen für mehr Klimaschutz ist er seit Wochen in aller Munde: ein Preis für den Ausstoß des klimaschädlichen CO2. Schlichtweg übersehen wird...

mehr

BDH und ZVSHK legen der Politik gemeinsames Positionspapier vor

Der Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) und der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) haben in einem gemeinsamen Positionspapier der Bundesregierung...

mehr

Studie: Energetische Sanierung kann 215.000 neue Arbeitsplätze schaffen

Rund 215.000 zusätzliche Arbeitsplätze können im Bauhandwerk entstehen, wenn zur Erreichung der Klimaziele der Gebäudebestand bis 2050 energetisch modernisiert wird. Das hat erstmals das Münchner...

mehr

BBSR: Energetische Sanierungen bei Wohngebäuden rückläufig

Über 170 Mrd. € sind 2014 in die Modernisierung und Instandsetzung von Gebäuden in Deutschland geflossen. Mehr als zwei Drittel aller im Baubereich investierten Mittel wurden damit für...

mehr