Bauen im Bestand

Wärmebrücken überbrücken

Bei einem Mehrfamilienhaus in Bad Dürkheim wurden die Geschossdecken thermisch nicht getrennt in den Außenraum geführt. Ein modulares Balkonsystem verbessert den Wärmeschutz und schützt die Bausubstanz.

Im Rahmen von energetischen Fassadensanierungen an Mehrfamilienhäusern mit Balkonen stehen Planer und Eigentümer immer wieder vor der Herausforderung, die – meist vorhandenen – Wärmebrücken zwischen Balkonplatte und Außenwand zu reduzieren, besser noch, sie auszuschalten. Eine Möglichkeit ist, die bestehende Balkonplatte rundum zu dämmen. Das erzeugt jedoch erfahrungsgemäß Probleme in Bezug auf die Anschlusshöhen an den Innenraum, denn die Abdichtung gestaltet sich schwierig und eine zwangsläufig höhere Schwelle am Balkonaustritt wirkt dem Wunsch nach schwellenlosen Übergängen entgegen. Einen ganz anderen Lösungsansatz bietet das Balkonsystem in Modulbauweise von Solarlux.

In Bad Dürkheim an der Deutschen Weinstraße in Rheinland-Pfalz wurde ein Mehrfamilienhaus diesem Ansatz folgend saniert. Die Balkonplatten, welche im Bestand als thermisch nicht getrennte Geschossdecken in den Außenraum fortgeführt wurden, bildeten große Wärmebrücken. Der für die Sanierungsmaßnahme verantwortliche Architekt Klaus Eberle aus Bad Dürkheim plante, die Balkone mit wärmegedämmten, verglasten Modulen im Sinne einer vorgehängten Fassade auszustatten. Zusammen mit der Dämmung der Außenwände und der Erneuerung der Fenster mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von Uw=1,3 W/m²K gelang eine Verbesserung der Bausubstanz auf den Standard „KfW-Effizienzhaus 85“ gemäß Energieeinsparverordnung (EnEV 2009).

Das Balkonsystem SL Modular besteht aus einem umlaufenden wärmegedämmten Profilrahmen und einem horizontalen Riegel als obere Brüstungskante. Die Brüstung kann individuell gestaltet werden und gliedert sich bei diesem Objekt in vier Felder aus teils transluzentem und teils klarem Glas gemäß der Technischen Regeln für absturzsichernde Verglasungen (TRAV). Durch das transluzente Glas wird der Einfall des natürlichen Tageslichts gewährleistet und die Bewohner werden zugleich vor ungewollten Einblicken anderer geschützt. Oberhalb der Brüstungskante wurde die wärmegedämmte Glas-Faltwand SL 60e mit vier faltbaren Glaselementen eingesetzt.

Schutz vor Wind und Regen

Mit dieser kompletten Lösung konnten die Wärmebrücken gänzlich unwirksam gemacht werden, denn die Module wurden mit Konsolen oben, unten und seitlich an den Balkonplatten sowie den Seitenwänden befestigt. Eine zusätzliche Wärmedämmung, die außen an den Balkonplatten angebracht und mit Alu-Kantteilen voll verkleidet wurde, schützt die Balkone dauerhaft vor Witterungseinflüssen. Dem Eigentümer entstehen langfristig keinerlei Kosten für etwaige Reparaturen an der Bausubstanz.

Für die Bewohner des Gebäudes konnte mit dem System eine Erweiterung des Wohnraums geschaffen werden, die vor allem in der kühleren Jahreszeit eine ganz besondere Qualität bekommt. Geschützt hinter dem wärmegedämmten Balkonsystem lässt sich ganzjährig der umgebende Freiraum komfortabel genießen, die Transparenz der großformatigen Verglasung gewährt einen ungestörten Ausblick. Die Glas-Faltwand kann über die gesamte Raumbreite geöffnet werden, so dass der Charakter des Balkons gewahrt wird und den Nutzern weiterhin die Möglichkeit zur Stoßlüftung bleibt. Für die Reinigung ist die Glas-Faltwand mit einem Reinigungsbeschlag ausgestattet, so dass die Außenflächen von innen gereinigt werden können.

Ausgestattet wurde die Balkonlösung mit einem schallgedämmten und selbstregelnden Spaltlüftungsgitter, das in den oberen Rahmen der Module eingesetzt wurde. Es reguliert den Luftstrom selbst bei größeren ­Windgeschwindigkeiten konstant und ohne ­Zugluft, so dass eine nutzerunabhängige Wohnungslüftung gewährleistet wird. Neben diesen Zuluft-Öffnungen wurde in den Küchen und Bädern bauseits eine mechanische Abluft vorgesehen. Im Zusammenspiel schafft das System einen hohen Wohnkomfort für die Bewohner und beugt gleichzeitig einer möglichen Schimmelbildung vor.

Das modulare Balkonsystem trägt für die Mieter entscheidend zu einer Reduzierung der Heizkosten bei. Dem Eigentümer bietet es wirtschaftliche Vorteile wie die Nutzung von KfW-Fördermitteln für die Sanierungsmaßnahme und eine deutliche Reduzierung künftiger Instandhaltungskosten durch den Schutz der Bausubstanz. Ebenso positiv wirken sich auch die kurzen Montagezeiten aus, denn die werkseitig vormontierten Module werden als einbaufertige Elemente auf die Baustelle geliefert.

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