Konversion

Von der Militärfläche zum bunten Quartier

Kaserne, Landesgartenschau, Wohnquartier: Das ehemalige Kasernenareal Estienne & Foch im Süden Landaus hat ereignisreiche Jahre hinter sich. Eingebettet in die historischen Bestandsgebäude aus der Zeit der militärischen Nutzung und die Grünflächen der Landesgartenschau 2015 entsteht auf insgesamt 210.500 Quadratmetern ein besonderes Quartier: der Wohnpark Am Ebenberg.

Einst außerhalb der Rheinland-Pfälzischen Stadt errichtet, liegt das ehemalige Kasernenareal Estienne & Foch durch das Wachstum der Stadt heute in prominenter städtischer Lage. Nachdem das französische Militär Ende der 1990er Jahre vollständig abgezogen war, gingen die Liegenschaften nach und nach in das Eigentum der Stadt über. Um das Areal einer angemessenen Nutzung zuzuführen, entwickelte die Verwaltung einen detaillierten Plan: Das gesamte Gelände wird Stück für Stück in kleinen Tranchen verkauft. Bereits 2011 wurde mit der Vermarktung von Teilflächen begonnen, 2015 kam die erste größere Welle auf den Markt. Erst um 2023 soll alles Bauland vergeben worden sein. So wird sichergestellt, dass das Quartier langsam wachsen kann und natürliche Tiefe bekommt.

Ein bunter Mix

Dabei wird durch die planerische Ausgestaltung ein gesunder, bunter Mix unterschiedlichster Bewohner hergestellt: Im Wohnpark Am Ebenberg gibt es geförderten Wohnungsbau, Mietwohnungen, Eigentumswohnungen, Reihenhäuser und Doppelhaushälften. Es besteht ein ausgewogenes Verhältnis von Eigentum und Miete. Im Quartier findet sich sowohl die preisorientierte Kleinwohnung mit 30 als auch das großzügige Penthouse mit 160 Quadratmetern. Der Grundgedanke der Gemeinschaft sowie der kulturellen und sozialen Durchmischung wird überall deutlich.

Startschuss Landesgartenschau

Die Initialzündung für das Großprojekt gab die Landesgartenschau 2015: Sie wurde auf dem Gelände ausgerichtet, bevor es vollständig für den Wohnungsbau zur Verfügung gestellt wurde (kleinere Teile wurden bereits vorher bebaut) und wirkt bis heute nach. Zum einen sorgte sie dafür, dass das Quartier von Anfang an auch über die Grenzen von Landau hinaus einen hohen Wiedererkennungswert hatte. Zum anderen nimmt das Bauprojekt die Infrastruktur und die ausladenden Grünflächen, die für die Landesgartenschau geschaffen wurden, auf und führt sie einer langfristigen und nachhaltigen Nutzung zu. Der Wohnpark Am Eben sieht bereits heute nicht aus wie ein Neubauquartier, sondern wie eine ehrwürdige städtische Parklandschaft.

Die Vorgaben der Stadt

Beste Voraussetzungen also für hochwertigen, modernen Wohnungsbau. Entsprechend streng waren die Anforderungen, die die Stadt bei der Vergabe des Baufelds 10 stellte – eines der attraktivsten Grundstücke, die im Jahr 2015 auf den Markt kamen. Ein behutsamer Umgang mit der historischen und teils denkmalgeschützten Bausubstanz, ein stimmiges architektonisches Konzept und ein Anteil an preisgebundenem Wohnraum von mindestens 50 Prozent waren die entscheidenden Kriterien. Die Wüstenrot Haus- und Städtebau (WHS) erhielt zusammen mit weiteren Bauherren den Zuschlag und errichtet nun einen Neubau, der vollständig in ihr Vermietungsportfolio aufgenommen wird.

Das militärische Andenken

Bis dorthin war es ein langer Weg: Konversion einer Militärfläche bedeutet Kampfmittelräumung. Diese wurde vor dem Verkauf noch von der Verkäuferin selbst durchgeführt, dabei wurden auf dem Baufeld 10 unter anderem zwei Fliegerbomben gefunden. Die WHS selbst traf dennoch während der Bauarbeiten auf scharfe Munition. Doch die größte Herausforderung, die sich aus der militärischen Nutzung des Geländes ergab, war architektonischer Natur und kam in Form der zwei das Baufeld in zwei Richtungen begrenzenden Bestandsgebäude: Ehemals zur Unterbringung der Soldaten genutzt, schließt das denkmalgeschützte größere Bauwerk das quadratische Grundstück nach Norden hin ab, das kleinere gen Westen. Sie werden von zwei anderen Bauherren in einem aufwändigen Verfahren in Wohnraum umgebaut.

Der Gebäudebestand

Für den Neubau war es Vorgabe der Stadt, diese historische Substanz in die Architektur zu integrieren – dem entsprechenden Konzept wurde bei der Grundstücksvergabe große Bedeutung zugewiesen. Den Entstehungszeitpunkt Anfang der 1900er Jahre und die ursprüngliche Nutzung sieht man dem Bestand deutlich an. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde in Ziegelbauweise mit zahlreichen Schmuckelementen errichtet – unterschiedliche Ziegelfarben, Zierelemente und verschiedene Fenstergewände prägen die Außenansicht. Mit einer Putzfassade ist das kleinere Gebäude einfacher gestaltet, kann aber ebenfalls aufwändige Fenster- und Tür-Gewände vorweisen.

Städtebau

Entworfen wurde das „Garten Eben“ getaufte Ensemble auf dem Baufeld 10 vom Karlsruher Architekturbüro BAU4 Architekten. Eine L-förmige Grundform des Neubaus erzeugt im Zusammenspiel mit den Bestandsgebäuden ein Karree, doch in den Ecken bleiben Durchlässe bestehen. In der Mitte des Grundstücks entsteht so ein großzügiger Innenhof mit Ost-West-Durchwegung, den die WHS – Quartiersgedanke par excellence – gemeinsam mit den anderen Bauherren entwickelt hat und unterhalten wird. Darunter befindet sich die Tiefgarage, die von den Bewohnern aller drei Gebäude genutzt werden kann – der Innenhof bleibt autofrei.

Architektur

In Anlehnung an die Fassadengestaltung der Bestandsgebäude setzt man auf eine feine Gliederung mit unterschiedlichen Grundstrukturen und Farben. Auch die Höhe des vierstöckigen Neubaus orientiert sich an den Militärgebäuden. Um den Gedanken des sozialen Miteinanders auch baulich auszudrücken und eine Verzahnung mit dem Innenhof zu erreichen, entschied man sich für zusätzliche nach innen gerichtete Balkone beziehungsweise Terrassen, auch wenn für die Wohnungen bereits ein Außenwohnbereich an der Straßenseite vorgesehen war.

Bezahlbarer Mietwohnraum

Aufgrund der hervorragenden Standortqualität, der detaillierten Planung vonseiten der Stadt und dem reibungslosen Verlauf war das Projekt für die WHS eine sehr positive Erfahrung. Gleichzeitig bietet es viel Neues: Als eines der ersten Projekte wird der Garten Eben vollständig in das im Aufbau befindliche Vermietungsportfolio der WHS aufgenommen. Die Umsetzung von gefördertem Wohnungsbau – mit mindestens 50 Prozent der Wohneinheiten ein beträchtlicher Teil – war ein weiteres Novum. Doch in Zeiten der Wohnungsnot wurde die bewusste Entscheidung getroffen, die Schaffung von bezahlbarem Mietwohnraum in der Unternehmensstrategie zu verankern. So werden der gesamte Landauer Wohnpark Am Ebenberg und das Ensemble Garten Eben im Speziellen zum Paradebeispiel für erfolgreiche Konversion, nachhaltige Quartiersentwicklung und dafür, dass geförderter Wohnungsbau nichts mehr mit dem in Verruf geratenen Geschosswohnungsbau der 1970er Jahre zu tun hat.

Im Quartier findet sich sowohl die preisorientierte Kleinwohnung mit 30 als auch das großzügige Penthouse mit 160 Quadratmetern.
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