Wohnungsbau

Update WDVS-Brandschutz

Der Brandschutz von Wärmedämm-Verbundsystemen ist in aller Munde. Bei einem Wohnungsbauvorhaben in Potsdam kommt Brandschutz der neuesten Generation zum Einsatz. Stürze und Laibungen werden mit Brandschutzriegeln gesichert.

Die Speicherstadt in Potsdam, direkt an der Havel gelegen und nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernt, gehört zu den besten Neubauadressen der Stadt. Hier, auf dem Areal einer historischen Speicherstadt, entstehen nach Abriss der verwahrlosten Gebäude seit 2010 rund 250 exklusive Wohneinheiten im Stil der alten Speicher. Die hochwertigen Eigentums- und Mietwohnungen sind mit dem Brandschutz der neuesten Generation für Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) ausgerüstet. Die südlichen Putzbauten besitzen umlaufende Brandriegel. Die hohen Klinker-Wärmedämm-Fassaden sind an allen Öffnungen mit Brandbarrieren an Sturz und Laibungen ausgerüstet. Das hier auf 7500 m² Fassadenfläche eingesetzte, 160 mm dicke WDVS mit Klinkerriemchen (Renowall) besitzt eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) des DIBt Berlin. Der Brandschutz besteht bei dieser Kon­struktion aus purenotherm BSR Brandschutzriegeln. Im grauen EPS zeichnen sich diese Riegel wie umlaufende helle Blenden ab.

Zuständig für die Erteilung von allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen von Baustoffen und Fassadenbekleidungen ist in Deutschland das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin. Es erteilt auch Zulassungen für WDVS. Die brandschutztechnischen Prüfungen der WDVS übernimmt z.B. die beim DIBt akkreditierte MFPA (Gesellschaft für Materialforschung und Prüfungsanstalt für das Bauwesen Leipzig mbH) in Leipzig. Die erste allgemeine bauaufsichtliche Zulassung aus der Mitte der 1990er Jahre galt u.a. für Fenster, die in der Fensteröffnung auf Mauerwerksebene eingebaut sind. Ferner kennt diese Zulassung nur Brandschutzriegel aus Mineralwolle und betrachtet ein WDVS als ein (Gesamt-)Bauteil. Klebstoffe, Dämmstoff, Armierung und Putz müssen somit von einem Hersteller bezogen werden.

Ursprünglich wollte man den Eintritt des Brandes in die Dämmebene mit Hilfe eines Sturzschutzes verhindern. Durch die zunehmend komplexeren Einbauten (Rollläden, Jalousien usw.) ist man in den letzten Jahren dazu übergangen, die Brandausbreitung in der Dämmebene durch Einbau von Brandriegeln in jedem zweiten Geschoss zu verhindern.

Dicker und komplexer

Beginnend etwa um das Jahr 1998 weisen die Statistiken durchschnittliche Dämmdicken von über 100 mm auf. Erste Passivhausprojekte werden mit 300 bis 400 mm dicker Dämmung realisiert. Die mögliche Brandmasse wächst damit weiter. Mit den zunehmenden Dämmdicken wandert das Fenster aus der Fensteröffnung vor die Fensteröffnung. Damit verändert sich die Brandbelastung der Konstruktion, denn jetzt kann ein mögliches Feuer am Fensterrahmen vorbei hinter die Dämmung gelangen (s. Kasten). Die Bedeutung des Brandschutzes steigt dadurch weiter. Noch wichtiger werden die Brandriegel bei Fenstern, die mit Fenstermontagezargen noch weiter vor die Wand, in die Dämmebene hineingebaut sind. Hier werden im Brandfall neben dem Fensterrahmen auch noch die Montagezargen belastet. Die Veränderungen der Konstruktionen haben Auswirkungen auf das Brandverhalten und fließen in die unterschiedlichsten Verarbeitungsrichtlinien ein. Spätestens mit dem Fenster in Vorwandmontage werden Brandsperren an Sturz und beidseitig an der Laibung notwendig. Hier muss sich das Handwerk sorgfältig über Verarbeitungsrichtlinien der Hersteller und Zulassungsvorschriften informieren und unterschiedliche Brandschutz-Details ausführen.

Brandriegel aus Polyurethan-Hartschaum

Seit 2009 steht fest, dass Brandriegel nicht nur aus Mineralwolle, sondern auch aus PU bestehen können. Die unter dem Markennamen purenotherm BSR hergestellten Brandschutzriegel haben entscheidende Vorteile: Das Material der Brandklasse (RtF) E entsprechend EN 13501-1, die die deutsche Baustoffklasse B2 abgelöst hat, glimmt nicht, schmilzt nicht und tropft nicht brennend ab. Es verhält sich ähnlich wie Massivholz, denn es karbonisiert und verrußt nur oberflächlich und blockiert so das weitere Vordringen des Feuers. Darüber hinaus ist es einfach und angenehm zu verarbeiten, besitzt ähnliche bauphysikalische und technische Eigenschaften wie das umgebende EPS und verhindert dadurch die Gefahr sichtbarer Abzeichnungen an der Fassade. Es kann in großen Dicken produziert werden, ist dabei stabil, monolithisch und leicht zu verarbeiten. Durch seinen hervorragenden Lambda-Wert (0,026 W/mK) bringt es eine Aufwertung in der energetischen Rechnung. Ein ganz wichtiger Punkt bei der Montage ist die vollflächige Verklebung mit mineralischem Klebemörtel. Die Brandschutzriegel werden serienmäßig bis 300 mm Dämmstoffdicke hergestellt, größere Dicken sind in Einzelanfertigung möglich. Die Brandversuche belegten, dass ein 250 mm hoher Brandschutzriegel aus purenotherm selbst bei einer Vollbrandbeanspruchung von 90 Minuten seine schottende Wirkung innerhalb des WDVS behält. Der Brandschutzriegel purenotherm BSR besteht übrigens keineswegs aus einer speziellen Materialrezeptur, sondern aus dem üblichen puren-WDVS-Material, womit klar ist, dass WDVS dieses Herstellers generell keine Brand­riegel benötigen.

WDVS mit Klinker: Großbrandversuch

2009 wurde erstmals von der Firma Renowall ein WDVS mit Klinkerriemchen-Bekleidung geprüft. Nach dem bestandenen Großbrandversuch wurden die Klinkerriemchen im Brandbereich entfernt und der Dämmstoff darunter gesichtet. Das System, durch die Klinkerriemchen und Brandschutzriegel geschützt, befand sich in einem bemerkenswert guten Zustand. Der purenotherm-Brandschutzriegel war nur leicht oberflächlich angekohlt. Die Prüfstelle attestierte der Konstruktion „kein brennendes Abtropfen“, „kein Brennen an der Fassadenoberfläche“ und eine „sehr geringe“ Rauchentwicklung. In der Zusammenfassung des Prüfberichtes heißt es u.a.: „Der Sturz- und Laibungsschutz aus Polyurethanhartschaum wies keine die Form bzw. die Funktionalität beeinflussenden Brandschäden auf.“

Zurück in die Praxis: Für das bis zu sechs Vollgeschosse hohe Objekt Speicherstadt in Potsdam sichert das moderne, mit Klinkerriemchen beschichtete Wärmedämmsystem einen sehr hohen Brandschutzstandard, der im Brandfall nur geringe Folgeschäden verspricht. Im Rohbau erkennen die zukünftigen Besitzer von Weitem den Brandschutz aus purenotherm Brandschutzriegeln.

In Potsdam wurden in der neu errichteten Speicherstadt 7500 m² Wärmedämmsystem mit Klinkerriemchen verbaut. Bei diesem System wird jede Mauerwerksöffnung mit purenotherm-Brandschutzriegeln an Sturz und Laibungen gesichert. Der hohe Aufwand folgt einer historischen Entwicklung zu immer dickeren Dämmlagen und nach außen versetzten Fenstern.

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