Trendwende für Trennwände

Die Raumbildung mit nichttragenden inneren Trennwänden aus massiven Gips-Wandbauplatten verbindet die Vorteile des Massiv- mit denen des Trockenbaus. Die Hybridbauweise kann seit jeher die Zielvorgaben im Wohnbau handwerklich schnell, bauphysikalisch sicher und wirtschaftlich besonders attraktiv abbilden.

Im Wohnungsbau ist Deutschland nach wie vor Massivbau-Land. Bei vielen Kauf- und Mietinteressenten verbindet sich das massive Bauen mit Erwartungen an eine hochwertige solide Gebäudeausführung, die speziell beim mehrgeschossigen Wohnbau klare Vorteile bietet, etwa bei der Statik.

Lösungen beim Ausbau lassen sich mit herkömmlichen massiven Bauweisen allerdings nicht immer oder nur mit unvergleichlich größerem Aufwand erreichen. Modernes, kostengünstiges Bauen wird daher heute weitgehend in der Dimension Trockenbau wiedergegeben. Für Wohnbauunternehmen würde es sich also anbieten, wenn sie die Vorzüge beider Welten technisch vereint nutzen und bei der Raumbildung monetarisieren könnten.

Diese Vorzüge bietet die Hybridbauweise des sogenannten massiven Trockenbaus mit Gips-Wandbauplatten nach DIN EN 12859. Dabei handelt es sich um Wandbildner aus massivem Gips für nichttragende innere Trenn- und Schachtwände. Wohnbauunternehmen favorisieren hierbei zumeist Dicken von 80 oder 100 mm – Gips-Wandbauplatten können schon aus diesem Grunde mit Gipsplatten nach EN 520 nicht verwechselt werden.

Die Bauteile werden im Gegensatz zum Trockenbau ohne Unterkonstruktion errichtet. Ihre Systemgrenze zum massiven Mauerwerk definieren Gips-Wandbauplatten durch den Verzicht auf Mörtel und Verputz. Der nahezu trocken ausgeführte Verbund der Wandbildner untereinander erfolgt durch das Verkleben mit Gipskleber, die nahezu trocken ausgeführte Endbehandlung der Oberflächen in der Regel durch dessen Verspachtelung im Fugenbereich. Mit einem Minimum an Feuchtigkeit und darum ohne nennenswerte Wartezeiten bis zum Austrocknen entstehen auf diese Weise Gips-Massiv-Wände ohne Hohlräume für die rationelle Raumbildung nach DIN 4103-2.

Dieses beschleunigte Bauen ist eine der zentralen Vorteilskriterien für die Wohnungswirtschaft, da der Beginn der Raumbildung bereits parallel zum Rohbau erfolgen und der robuste Wandbildner damit jederzeit zum geforderten Bautempo aufschließen kann. Und das auch im Winterbau: Hydrophobierte Platten und/oder spezielle Hydrosockel ermöglichen den Baufortschritt auch unter erschwerten Bedingungen.

Die Position der Wände kann aber auch erst später im Bauablauf festgelegt werden, etwa um Mietern oder Käufern individualisierte Grundrisse anbieten zu können. Denn Bauteile aus Gips-Wandbauplatten gehören zu den leichten Trennwänden, wohnbautypische Höhen vorausgesetzt: Wenn die Decken mit Zuschlag bemessen sind, können die Trennwände ohne zusätzliche Verstärkungen an jeder beliebigen Stelle errichtet werden.

Trotz der vergleichsweise geringen flächenbezogenen Massen implizieren massive Gips-Wandbauplatten gleich bei der ersten haptischen Inanspruchnahme durch den Nutzer einen hohen Gebrauchswert, der sich spätestens beim Anbringen von Einrichtungsgegenständen besonders positiv bemerkbar macht: Befestigungen auch schwererer Konsollasten erfolgen ohne Rastermaße, ohne Spezialdübel, ohne Schlagbohren.

Für Mieter sind die Wände damit außerordentlich „handlich“, und auch dem FM wird kein spezielles Fachwissen abverlangt, schon gar nicht bei Reparatur und Sanierung mit stoffähnlichenn Baugipsen und Flächenspachteln. Zudem können Wandöffnungen jederzeit und überall neu angeordnet, vorhandene Türöffnungen verbreitert werden. Vorteile, die kostengünstige Anpassungen ermöglichen, z.B. im altersgerechten Bauen, zusehends aber auch Raum greifen im kleinteiligen Bauen, etwa bei Micro-Apartments oder in studentischen Wohnkonzepten.

Schallschutz im System

Die Qualität von Wohnimmobilien steht und fällt mit ihrem Lärm- und Ruheschutz. Nutzer sind heute anspruchsvoller, weil die Umwelt als lauter empfunden wird. Der bautechnisch verbesserte Schallschutz der Außenwände und Fenster zur Unterdrückung von Umgebungslärm hat aber zur Folge, dass die Empfindsamkeit gegenüber Geräuschen innerhalb von Gebäuden und Wohnungen neue bauliche Herausforderungen mit sich bringt.

Beim Schallschutz profitieren Gips-Wandbauplatten durch ihren akustisch entkoppelten Anschluss an die angrenzenden Bauteile: Elastische Randanschlussstreifen reduzieren die Schallweiterleitung über die Flanken deutlich. Untersuchungen haben gezeigt, dass durch die Entkopplung der Trennwände sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Richtung deutlich höhere Stoßstellendämm-Maße als für eine starre Bauteilverbindung mit den gleichen flächenbezogenen Massen gemessen werden.

Diese Verbesserung der Stoßstellendämmung ist gleichbedeutend mit einer höheren Flankendämmung der Trennwände. Erreicht werden dadurch Flankendämm-Maße, wie sie mit starrem Anschluss sonst nur mit deutlich schwereren massiven Bauteilen erreicht werden können. Dies konnte nicht nur bei den Messungen im Prüfstand, sondern auch bei zahlreichen Gebäudemessungen nachgewiesen werden. In einschaliger Ausführung bieten etwa 100 mm dicke Wände je nach Rohdichteklasse Schalldämm-Maße von bis zu Rw,P 50 dB, zweischalige Wände bis zu Rw,P 68 dB.

Wie effektiv die bauakustische Entkopplung funktioniert, zeigen u.a. jüngste Untersuchungen zum Einsatz von Gips-Wandbauplatten als Installationswände. Speziell in angrenzenden Wohn- und Schlafräumen können Geräusche von Wasserinstallationen besonders störend wirken, weshalb DIN 4109 Schallschutz im Hochbau (1989) bestimmte zulässige Schalldruckpegel in solchen schutzbedürftigen Räumen festlegt und für die Trennwände eine flächenbezogene Masse von mindestens 220 kg/m² verlangt. Messungen am Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Stuttgart haben jedoch bestätigt, dass diese Anforderungen auch mit leichten, aber entkoppelt eingebauten Gips-Massiv-Wänden erfüllt werden. Damit lassen sich massive Gips-Wandbauplatten vor allem im mehrgeschossigen Bauen durchgängig für alle Räume verwenden.

Beim Schallschutz profitieren Gips-Wandbauplatten durch ihren ­akustisch entkoppelten Anschluss an die angrenzenden Bauteile.

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