Volldeklarierte Trennwände

Die Sensibilität gegenüber den Umweltleistungen von Bauprodukten verändert das Bauen. Wohnungsunternehmen benötigen deshalb Bauprodukte, deren Sicherheit transparent nachgewiesen werden kann. Gips-Wandbauplatten haben den Schritt zum volldeklarierten Bauprodukt im zertifizierten Bauen vollzogen.

Schon 2010 konstatierte die Roland-Berger-Studie „Nachhaltigkeit im Immobilienmanagement“, dass über 70% der Bauherren und Investoren bereit sind, für die Nutzung nachhaltiger Immobilien höhere Investitionskosten in Kauf zu nehmen. Selbst Mieter würden danach durchschnittlich 4,5% höhere Mietkosten für nachhaltige Immobilien akzeptieren. Seitdem ist das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt und ihren Ressourcen sowie für ein ökologisch und gesundheitlich unbedenkliches eigenes Lebensumfeld eher noch gestiegen. Nachhaltigkeit bei Immobilien ist damit kein kurzfristiger Hype, keine vorübergehende Mode, sondern ein sich verfestigender Trend, der das Planen und Bauen, aber auch das Investieren in Wohnungen weiter verändern wird.

Früher wurden Baustoffe und bauliche Lösungen fast ausschließlich nach ihrer technischen Qualität ausgewählt, was in der Hauptsache Aufgabe des Planers oder Architekten war. Er sichtete die Unterlagen der Hersteller, verglich Parameter und prüfte die Erfüllung von Anforderungen, z.B. an den Schall- oder Brandschutz. Nachhaltige Immobilien erfordern jedoch ein noch komplexeres Herangehen, bei dem Baustoffe und -teile im Kontext von Bauen, Betreiben und Nachnutzen zu bewerten sind. Dafür werden aber deutlich mehr Informationen benötigt, als es im rein technischen Zeitalter der Fall war.

Zu den konventionellen technischen Blättern treten heute vermehrt Dokumente wie Umwelt-Produktdeklarationen oder Nachhaltigkeitsbeschreibungen hinzu, wie sie z.B. in der umweltfreundlichen Auftragsvergabe gefordert werden. Moderne Baustoffe unterliegen damit einem Paradigmenwechsel: Im Vordergrund steht nicht mehr allein ihre Materialität, die – vom Werk erstellt – über Vertrieb und Handel zur Baustelle gebracht wird. Vielmehr entscheidet heute ihre Immaterialität in Form virtueller Daten über ihre Verwendbarkeit. Die Baustoffe an sich sind zwar noch physisch, gewinnen aber in ihrer Funktionalität oder Wirkung zunehmend an informeller Substanz.

Wissen, worauf es ankommt

Ein zentraler Aspekt für die Auswahl von Bauprodukten in der Gebäudezertifizierung ist ihre Eignung auf der Basis von Kriterienkatalogen. Dies ist natürlich auch dann anzunehmen, wenn gar keine Zertifizierung auf der Grundlage eines nationalen Bewertungssystems im engeren Sinne angestrebt wird, z.B. nach DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen), sondern allein das Engagement von Bauherren für die aktive Umsetzung von Umwelt- und  Gesundheitsstandards im Unternehmen vorliegt (Corporate Governance). Anhand dieser Kriterien soll die Unbedenklichkeit der Bauprodukte für Gesundheit und Umwelt umfassend nachgewiesen werden.

Die detaillierte Dokumentation ihrer lnhaltsstoffe im Sinne einer Volldeklaration ist daher ein wichtiges Entscheidungskriterium in der Ausschreibung. Grundsätzlich dürfen dann nur Materialien Verwendung finden, deren Einbau, Verwendung und Nutzung nach dem neuesten Stand der Technik nicht als gesundheits- und/oder umweltgefährdend einzustufen sind. Dies setzt eine hohe kommunikative Transparenz der prüffähigen Bauprodukte in Form von Nachweisunterlagen voraus, wie sie für Gips-Wandbauplatten von MultiGips vorliegen.

Massive Gips-Wandbauplatten werden für nichttragende innere Trennwände bevorzugt im mehrgeschossigen Wohnungsbau eingesetzt. Sie ermöglichen eine von der Statik unabhängige Gestaltung nach dem Prinzip des günstigsten Grundrisses, die baubegleitend geplant und bis in die Nutzungsphase hinein individuell angepasst werden kann. Die Trennwände profitieren von der hohen subjektiven Wertschätzung, die potenzielle Mieter oder Käufer der Massivbauweise generell entgegenbringen – nicht zuletzt wegen ihrer Solidität und Dauerhaftigkeit. Ihre Nutzungsdauer ist bei normaler, dem Verwendungszweck entsprechender Nutzung technisch quasi nicht begrenzt. Sie werden dementsprechend im Rahmen des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen des Bundes (BNB) mit ≥ 50 Jahren Mauerwerks- oder Betonwänden gleichgestellt.

EPD, vor allem aber ESD

Kernelement zur Information über die Um­­weltauswirkungen von Gips-Wandbauplatten ist die bereits seit 2010 vorliegende Umwelt-Produktdeklaration (EPD) nach ISO 14025. Diese EPD – eine sogenannte Typ-III-Deklaration – gründet auf generisch ermittelten Ökobilanzen sowie ergänzenden Umweltinformationen und einer unabhängigen Verifizierung der Deklaration. Damit steht die EPD für Gips-Wandbauplatten in erster Linie für einen transparenten Baustoff mit hoher Informationsdichte zu Grundstoffen, Energieaufwand und Umweltwirkung, zu technischen Funktionen und Leistungsfähigkeit innerhalb von Gebäuden sowie nicht zuletzt zu ökologischem Kreislaufverhalten und Emissionsverhalten. Die Typ-lll-Deklaration gilt als Erfüllungsnachweis für Gips-Wandbauplatten.

Die Deklaration wurde darüber hinaus – einzigartig in Deutschland – auch auf komplette Systeme aus einschaligen und zweischaligen Trennwänden aus Gips-Wandbauplatten angewendet. Statt der einzelnen Baustoffe werden dabei die Umweltauswirkungen des gesamten Bauteils betrachtet, sodass der Aufwand für die Bewertung von Einzelangaben zu den verschiedenen Komponenten im Rahmen der Gebäudezertifizierung entfällt.

Nachgewiesene Wohngesundheit

Da die Nachhaltigkeit einer Immobilie ganz wesentlich von ihrer langfristig einwandfreien Nutzung bestimmt wird, fokussieren Bewertungssysteme zuletzt stark soziokulturelle Kriterien wie die Gesundheit. So behandelt beispielsweise die DGNB die Innenraumluftqualität als ein Ausschlusskriterium: Ge­­bäude, die hier die Mindestanforderungen nicht erfüllen, können final nicht zertifiziert werden. Kritisch sind dabei vor allem Emissionen von gesundheitsbelastenden Baustoffen zu hinterfragen. Denn flüchtige organische Verbindungen (VOC) können sich in der Innenraumluft anreichern und Krankheiten verursachen. Selbst bei geringeren Konzentrationen treten unter Umständen Reizungen, Unwohlsein oder allergischen Reaktionen auf. Wegen des gewachsenen Gesundheitsbewusstseins werden baubiologisch mangelhafte Immobilien künftig schlechtere Vermietungschancen haben und zusätzlichen Sanierungsaufwand auslösen. Schlimmstenfalls droht der vorzeitige Abriss, der jede ur­­sprüngliche Nachhaltigkeitsbetrachtung hinfällig macht.

Für Gips-Wandbauplatten wurden 28-tägige Emissionsuntersuchungen nach Teilen von DIN EN ISO 16000 vorgenommen. Die Messergebnisse wurden nach dem AgBB-Schema des Umweltbundesamtes, das der gesundheitlichen Einstufung von Bauprodukten dient, bewertet. Gips-Wandbauplatten erfüllen demnach die strengen Anforderungen für die Verwendung von Bauprodukten in Innenräumen.

Die baubiologische Qualität von Gips-Wandbauplatten ist zudem Grundlage der Partnerschaft mit dem Sentinel Haus Institut, das ausschließlich Bauprodukte empfiehlt, die „nach dem derzeitigen Kenntnisstand der Wissenschaft die Aspekte des wohngesunden Bauens nach dem höchsten Stand der Technik erfüllen“. Womit noch einmal deutlich wird, dass die technische Dimension eines Baustoffs keinesfalls an elementarer Bedeutung verloren hat. Zusehends entscheiden aber kommunikative Akte: alles ist gesagt, alle wissen Bescheid und alle erforderlichen Nachweise sind zur Hand.

Nachhaltigkeit bei Immobilien ist kein kurz­fristiger Hype, keine vorübergehende Mode, sondern ein sich verfestigender Trend.

Wegen des gewachsenen Gesundheitsbewusstseins werden baubiologisch mangelhafte Immobilien künftig schlechtere Vermietungschancen haben.

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