Bauen im Bestand

Maßgeschneiderte ­Bodenrenovierung

Unebenheiten im Untergrund, unterschiedliche Aufbauhöhen, begrenzte Tragfähigkeit, verschiedene Untergründe. Die Liste der Probleme bei Fußbodensanierungen ist lang. Ein dünnschichtiges Verbundsystem eröffnet neue Wege.

Es gibt heute zahlreiche geeignete Werkstoffe, die bei Sanierungen und Renovierungen für den Fußbodenaufbau zum Einsatz kommen. Allerdings stößt man im Wohnungsbau überall dort an Grenzen, wo vorhandene Einbauten, extrem niedrige und unterschiedliche Aufbauhöhen, Unebenheiten und begrenzte Tragfähigkeit spezielle Lösungen verlangen. Konventionelle Zement- oder Calciumsulfat-Estrichböden sind wegen der enormen Lasten, die beispielsweise beim Ausgleich von durchhängenden Decken nötig wären, nicht angebracht. Auch würde die für diese Estriche maßgebende DIN 18560 nur den Einbau von gleichmäßig dicken Estrichen erlauben. Zudem lässt der Zeitdruck auf der Baustelle die langen Trocknungszeiten von teilweise mehreren Wochen gar nicht zu. Neben kurzen Einbauzeiten und geringen Lasten wird bei Umbauten im Bestand häufig auch eine hohe Festigkeit gefordert. Denn der Boden soll tragfähig und sehr stabil und für alle Belagsarten geeignet sein.

Neuartige Kombination von Werkstoffen

Um die verschiedenen Anforderungen an ein Bodensystem zu vereinen, die besonders bei Renovierungen im Bestand eine Rolle spielen, hat die Uzin Utz AG das Turbolight-System entwickelt. Es handelt sich hierbei um ein Verbundsystem, das Höhenunterschiede von 5 mm bis 300 mm flexibel ausgleicht, selbst sehr leicht ist und trotzdem große Lasten aufnimmt und eine hohe Festigkeit besitzt. Das System besteht aus einem tragfähigen Leichtausgleichsmörtel als Unterbau, der die auftretenden Lasten gleichmäßig an den Untergrund überträgt. Ein Armierungsgelege aus hochzugfesten Langglasfasern wird auf diesen Untergrund oder – wenn gewünscht – auf eine darauf fixierte Fußbodenheizung überlappend ausgelegt. Das Gelege ist mit einem wasserlöslichen Kleber ausgestattet, der sich auflöst, sobald der Dünnestrich als dritte Komponente des Systems aufgebracht wird. Die Verlegewerkstoffe bilden zusammen einen hochfesten Faserverbundstoff, der einen schnellen, flexiblen und großflächigen Ausgleich vom Korndurchmesser des Leichtausgleichsmörtels (5 mm) bis zu 30 cm ermöglicht. Dabei lässt sich der Boden extrem dünn ausziehen und ermöglicht so, tragfähige Böden maßgenau herzustellen.

Lösungen für niedrige Aufbauhöhen

Besonders bei niedrigen Aufbauhöhen, die sich beispielsweise durch vorhandene Türen, Treppen oder Versorgungsleitungen, aber auch durch den Einbau einer Fußbodenheizung ergeben, bietet das System ganz neue Lösungen. Bei einem Gebäude aus den 1960er-Jahren sollte beispielsweise eine Fußbodenheizung verlegt werden – und dies bei einer insgesamt zur Verfügung stehenden Aufbauhöhe vom maximal 50 bis 100 mm. Außerdem mussten noch die unterschiedlichen Dicken von Naturstein- und Massivholzbelägen berücksichtigt werden. Die vollflächige Verklebung der großformatigen Massivholzdielen und Steinfliesen verlangte einen Estrich, der das Gewicht des Belags aufnehmen und gleichzeitig als Gegenzug dienen konnte. Für diese Aufgabe kam nur ein gegossener Estrich in Betracht, der mit geringer Aufbauhöhe große Lasten aufnimmt, Unebenheiten ausgleicht und stabil und fest genug ist, um ein Schieben der großformatigen Dielen zu verhindern. Hier kamen die Stärken des Turbolight-Systems voll zum Einsatz: große Flexibilität und Schnelligkeit, mit der ein tragfähiger Boden aufgebaut werden kann. Die Zeit bis zur Belegreife beträgt für jede Aufbauhöhe nur 24 Stunden. Zudem besitzt es eine niedrige Dichte und mit 10 dB eine bemerkenswerte Trittschalldämmung. Außerdem ist es hoch wärmedämmend. Das Schnellsystem kann auch in Bad und WC problemlos eingesetzt werden, denn es ist wasserfest und deshalb auch uneingeschränkt für Feuchträume geeignet. Sogar die Ausbildung eines Gefälles von bis zu 4 %, beispielsweise in bodengleichen Duschbereichen, ist möglich.

Probesanierung in Musterwohnung

Bei der Sanierung eines Mehrfamilienhauses in Regensburg ließen zahlreiche Versorgungsleitungen in den Fluren und kritische Türanschlüsse keine normenkonforme Boden­konstruktion zu. Statt einer Fertigteilestrichkonstruktion auf ungebundener Schüttung schlugen die beauftragten Bodenfachleute eine mineralisch gebundene Fußbodenkonstruktion vor. Um den Bauherrn von der Eignung des Turbolight-Systems zu überzeugen, wurde in einer Musterwohnung jedes Zimmer in Einzelschritten mit dem neuen Verbundsystem ausgestattet. Dies überzeugte den Bauherrn, der die restlichen Wohnungen für die Dünnschichtkonstruktion freigab. Generell wichtig für Planer, Ausführende und Auftraggeber: Da ab Oberkante tragender Untergrund bis zum Belag mit bewährten, aufeinander abgestimmten Systemwerkstoffen gearbeitet wird, bietet das System maximale Sicherheit im Gewährleistungsfall.

Hohe Lastaufnahmefähigkeit

Durch die innige Durchdringung der Einzelkomponenten, auch an den Rändern, entsteht eine hochfeste Lastverteilerschicht, die selbst kritische Punktlasten gut aufnehmen und über den homogenen Verbund sicher in den tragenden Untergrund ableiten kann. Die maximale Flächenlast beträgt bei dem System 4 kN/m2, die Punktlast liegt bei 4 kN. So können auch in sehr dünnen Schichten oder bei Ausbrüchen hohe Lasten aufgenommen werden. Auch die nötige Maßstabilität bei entsprechenden Belägen und Nutzungen ist damit gewährleistet. Besonders deutlich wird das vorteilhafte Lastaufnahmeverhalten bei Druckversuchen mit und ohne die Armierungstechnik. Die unverstärkte Konstruktion zeigt einen steilen Anstieg im Kraft/Weg-Diagramm, bis zum Versagenswert. Dieses System zeichnet sich durch hohe Steifigkeit und schließlich Sprödbruch aus. Das Turbolight-System verzeichnet zwar einen ähnlich steilen Anstieg, aber die um ca. 30 bis 50 % höhere Versagenslast wird erst nach einer deutlich längeren Wegstrecke erreicht. Diese gutmütige Lastaufnahme zeichnet das neue System als sehr robuste Konstruktion aus.

Geprüfte Eigenschaften

Neben der außergewöhnlich hohen Tragfähigkeit sind der Feuerwiderstand sowie die Schalldämmung von unabhängigen Instituten geprüft und bestätigt. Das Turbolight-System besitzt die Feuerwiderstandsdauer F30 und wird aus nicht brennbaren Baustoffen (Klasse A) aufgebaut. Das außergewöhnliche Verhalten des Systems im Brandfall (Feuchtigkeitsfreisetzung und dadurch Kühlung im Brandfall) erlaubt sogar eine Feuerbeständigkeit bis zu 60 Min. (F60), wie neue Prüf- und Messergebnisse der Gesellschaft für Materialforschung und Prüfungsanstalt für das Bauwesen in Leipzig ergaben. Die einzelnen Komponenten erfüllen die bauaufsichtlichen Anforderungen wie CE-Kennzeichnung und die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung. Nach DIN 1055 bzw. DIN EN 1991 werden alle Lastanforderungen der Klassen A für Wohnflächen, der von B1 und B2 für Büroflächen sowie der von C1 und C2 für Versammlungsstätten erfüllt.

Die Zeit bis zur Belegreife beträgt für jede Aufbauhöhe 24 Stunden.

Da mit aufeinander abgestimmten Systemwerkstoffen gearbeitet wird, bietet das System Sicherheit im Gewährleistungsfall.

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