Heizsysteme für Mehrfamilienhäuser

Neben der Wärmedämmung bietet eine Heizungs-Modernisierung  auch in Mehrfamilienhäusern die beste Möglichkeit, Energie und damit Geld zu sparen. Neben einer modernen Öl- oder Gasanlage können sich dabei ebenfalls umweltfreundliche Heizsysteme rechnen.

Von den knapp 40 Mio. Wohneinheiten in Deutschland sind rund 22 Mio. (56 %) Mietwohnungen. Insgesamt gibt es fast 21 Mio. Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Diese Zahlen machen deutlich, über welch großes Potenzial der Bereich Mehrfamilienhäuser zum Erreichen der energie- und klimapolitischen Ziele verfügt – erst recht, wenn man sich vor Augen hält, dass maximal 20 % der Heizungsanlagen in Deutschland dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Mehr als 80 % aller Mehrfamilienhäuser wurden vor 1978 errichtet und verfügen zumeist über sanierungsbedürftige Anlagentechnik.

Individuellen Sanierungsfahrplan erstellen

Um Gebäude unter Beachtung aller wirtschaftlichen Aspekte energetisch zu sanieren, muss jedes Objekt individuell betrachtet werden. Dabei sind Alter und Zustand ebenso zu berücksichtigen wie die üblichen Sanierungszyklen der einzelnen Komponenten. Der daraus entstehende Sanierungsfahrplan gibt dann eine sinnvolle Reihenfolge der Maßnahmen vor.

Wirtschaftlich am sinnvollsten ist es, die verschiedenen Gebäudekomponenten wie Fassade oder Heiztechnik dann durch effizientere zu ersetzen, wenn sie sich dem Ende ihrer Nutzungsdauer nähern. So sollten Maßnahmen zur Dämmung der Gebäudehülle dann angegangen werden, wenn dort ohnehin Sanierungsarbeiten wie zum Beispiel ein neuer Fassadenanstrich erforderlich sind.

Insbesondere wenn die energetische Qualität eines Gebäudes zu überschaubaren Kosten verbessert werden soll, bietet sich eine Heizungsmodernisierung an. Mit vergleichsweise geringem Aufwand werden dabei in der Regel große Energieeinsparungen erzielt, die sich positiv im Energieausweis niederschlagen.

Da die Sanierungszyklen von Gebäudehülle und Heizungsanlage unterschiedlich lang sind – mit durchschnittlich 40 Jahren ist der Zyklus für eine Fassadensanierung etwa doppelt so lang wie für eine Heizungsanlage – kann die Größe des Wärmeerzeugers bei einer erneuten Modernisierung dem gesunkenen Wärmebedarf des Gebäudes angepasst werden, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen.

Effiziente Wärmeerzeuger für alle Energieträger

Für die Beheizung von Mehrfamilienhäusern ist heute eine breite Auswahl effizienter Wärmeerzeuger vorhanden. Neben Heizkesseln für die fossilen Energieträger Gas und Öl stehen vollautomatisch zu betreibende Holzheizsysteme sowie Wärmepumpen und Blockheizkraftwerke zur Verfügung. Ergänzen lassen sich diese Wärmeerzeuger um Solaranlagen zur Trinkwassererwärmung bzw. Heizungsunterstützung. Aus diesem Angebot lässt sich die für den individuellen Modernisierungsfall passende Lösung zusammenstellen, mit der eine effiziente, wirtschaftliche und zukunftssichere Wärmeversorgung möglich ist.

Brennwerttechnik – effiziente Wärme­erzeugung mit fossilen Brennstoffen

Die Brennwerttechnik ist die effizienteste Art der Wärmeerzeugung. Der Brennstoff – Gas oder Öl – wird beinahe vollständig in Wärme umgewandelt und dem Heizungssystem zugeführt. Für die Modernisierung bietet die Brennwerttechnik noch einen weiteren Vorteil. Der Austausch veralteter Öl- und Gas-Heizkessel lässt sich häufig am einfachsten und kostengünstigsten durch einen Brennwertkessel bewerkstelligen, wobei der ursprünglich genutzte Energieträger beibehalten werden kann. So können die anderen Bestandteile der vorhandenen Heizungsanlage wie Heizwasserverteiler und Pumpen sowie die Heizkörper in den Wohnungen häufig weiterverwendet werden. Damit bleiben die Kosten niedrig und die Investition amortisiert sich schneller.

Die Entscheidung für eine Heizungsmodernisierung mit einem Brennwertkessel schließt darüber hinaus die Nutzung regenerativer Energien keinesfalls aus. Bereits heute werden auf dem Markt Heizöle angeboten, denen aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnenes Bioöl beigemischt ist. Ebenso wird zunehmend in Biogasanlagen erzeugtes Gas aufbereitet, um der Qualität von herkömmlichem Erdgas zu entsprechen, und in die Gasnetze eingespeist.

Neben diesen Brennstoffen mit regenerativen Anteilen lassen sich Brennwertkessel problemlos mit anderen Systemen zur Nutzung erneuerbarer Energien kombinieren. Thermische Solaranlagen entsprechender Größe können in Mehrfamilienhäusern zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung eingesetzt werden. Weitere Kombinationsmöglichkeiten stellen moderne, vollautomatische Holzfeuerungen für Pellets oder Hackschnitzel sowie Wärmepumpen dar. In solchen bivalenten Anlagen übernimmt üblicherweise das regenerative Energiesystem die Grundversorgung mit Wärme, der Brennwertkessel schaltet sich lediglich zur Deckung von Bedarfsspitzen ein.

Darüber hinaus werden Brennwertkessel in Mehrfamilienhäusern immer häufiger auch zusammen mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW) betrieben. Für den wirtschaftlichen Einsatz eines BHKW sind möglichst lange Laufzeiten erforderlich, in denen Strom produziert wird, der entweder im Gebäude genutzt oder gegen eine Vergütung in das öffentliche Netz eingespeist wird. Die dabei erzeugte Wärme wird zur Deckung des Grundbedarfs genutzt. Der Brennwertkessel dient vor allem zur Deckung von Wärmebedarfsspitzen.

Holz – alternativer Brennstoff zu Öl und Gas

Der älteste Energieträger der Menschheit wird immer öfter auch zur Wärmeversorgung von Mehrfamilienhäusern, Hotels und Wohnheimen eingesetzt. Holz ist in vielen Ländern als heimischer Brennstoff vorhanden. Seine Nutzung macht deshalb unabhängig von ausländischen Energielieferungen. Es ist im Gegensatz zu anderen regenerativen Energien wie Wind und Sonne stetig verfügbar, lässt sich einfach bevorraten und setzt bei seiner Verbrennung nur so viel CO2 frei, wie es bei seinem Wachstum aus der Atmosphäre aufgenommen hat. Heizen mit Holz ist deshalb auch ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz.

Während der Betreiber eines Scheitholzkessels im Einfamilienhaus in vielen Fällen noch dazu bereit ist, während der Heizperiode mehrmals am Tag Brennstoff von Hand nachzulegen, so ist bei Holzfeuerungen größerer Leistung der automatische Anlagenbetrieb notwendig. Angesichts des höheren Brennstoffbedarfs dieser Anlagen wäre eine manuelle Beschickung weder praktikabel noch wirtschaftlich. Der automatische Betrieb einer Feuerungsanlage setzt deshalb voraus, dass der Brennstoff maschinell in der aktuell benötigten Dosierung vom Ort seiner Lagerung zur Feuerstätte transportiert werden kann. Bei den Holzbrennstoffen haben sich dazu vor allem Pellets und Hackschnitzel bewährt.

Für die Wärmeerzeugung mit Pellets und Hackschnitzel bietet der Markt heute moderne Holzfeuerungen an, die mit hoher Zuverlässigkeit und Effizienz den Brennstoff in nutzbare Wärme umwandeln. Feuerungen nach dem neuesten Stand der Technik und elektronische Verbrennungsregelungen sorgen für besonders niedrige Emissionen.

Für den automatischen, zuverlässigen und wartungsarmen Betrieb einer Holzfeuerungsanlage sind, neben dem Wärmeerzeuger, weitere Einrichtungen erforderlich. Dazu gehören u.a. Lager- und Zufuhrsysteme für den Brennstoff, pneumatische Reinigungsvorrichtungen sowie Einrichtungen zur automatischen Entfernung der Asche. Komplettanbieter haben die entsprechenden Komponenten im Programm und liefern alles aus einer Hand. So ist gewährleistet, dass die verschiedenen Bauteile genau zueinander passen und reibungslos miteinander funktionieren.

Wärmepumpen: heizen mit regenerativer Energie aus Erdreich oder Luft

Wärmepumpen machen die im Erdreich, im Grundwasser und in der Außenluft vorhandene Wärme für die Gebäudebeheizung und Warmwasserbereitung nutzbar. Auf dem Markt werden standardisierte Seriengeräte mit Leistungen bis zu knapp 300 kW angeboten. Sind größere Leistungen erforderlich, lassen sich mehrere Wärmepumpen in einer Kaskade betreiben. So kann eine Wärmepumpen-Anlage exakt an den individuellen Wärmebedarf angepasst werden. Ein weiterer Vorteil dieser Kaskaden ist die einfachere Einbringung der einzelnen Geräte gegenüber einer einzigen großen Wärmepumpe mit vergleichbarer Gesamtleistung – besonders dann, wenn die Einbringung über enge Treppenhäuser und durch schmale Flure erfolgen muss.

Darüber hinaus sind Großwärmepumpen mit Heizleistungen im Megawattbereich verfügbar. Dabei handelt es sich in der Regel um Wärmeerzeuger, die eigens für die jeweilige Anwendung konzipiert und hergestellt werden. So werden genau auf den individuellen Modernisierungsfall zugeschnittene Lösungen verwirklicht.

Komplettanbieter wie Viessmann unterstützen ihre Kunden bei diesen objektbezogenen Wärmepumpen umfassend bei der Anlagenplanung, Installation und Inbetriebnahme und liefern dazu auf Wunsch auch die gesamte Systemtechnik wie Speicher, Regelungstechnik und Anlagenhydraulik. Dazu gehört auch der Eisspeicher, eine Neuheit, die Wärme aus der Umgebungsluft, dem Erdreich und der Sonnenstrahlung gleichzeitig nutzbar macht. Dazu wird ein Speicherbehälter mit normalem Leitungswasser gefüllt und in unmittelbarer Nähe zum Gebäude im Erdreich vergraben. Behördliche Genehmigungen sind nicht erforderlich. Die Wärmepumpe entzieht dem Eisspeicher die Wärme. Gefriert der Speicherinhalt, so ist dieser Effekt gewollt, denn der Phasenwechsel von Wasser zu Eis bringt einen weiteren Energiegewinn, die so genannte Kristallisationsenergie. Mit steigenden Außentemperaturen und zunehmender Sonneneinstrahlung erfolgt die Regeneration des Eisspeichers. Damit steht der Wasserinhalt nahezu unbegrenzt als Wärmequelle zur Verfügung.

Solarenergie – kostenlos, umweltschonend, sicher

Die Sonne liefert ihre Energie frei Haus. Ihre Nutzung zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung ist besonders umweltschonend und spart wertvollen Brennstoff. Deshalb sollte eine Solaranlage heute obligatorischer Bestandteil jeder Heizungsanlage sein.

Thermische Solaranlagen sind seit einigen Jahren über das Einsatzfeld der Ein- und Zweifamilienhäuser hinausgewachsen und werden zunehmend auch in größeren Gebäuden eingesetzt. Diese großen Solaranlagen mit zum Teil mehr als 30 m2 Kollektorfläche sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht interessant, da sie einerseits hohe Energieeinsparungen ermöglichen und andererseits mit steigender Anlagengröße die spezifischen Systemkosten pro m2 Kollektorfläche sinken. Da hier allerdings kaum standardisierte Lösungen vorhanden sind, ist die Planung solcher Anlagen anspruchsvoller als bei Ein- und Zweifamilienhäusern.

Um den Aufwand für Planung und Realisierung großer Solaranlagen so gering wie möglich zu halten, werden komplett konfektionierte Sets angeboten. Um alle Leistungsbereiche und Installationsbedingungen abdecken zu können, sind solche Sets in verschiedenen Größen erhältlich. Aus diesem Angebot können zeitsparend die jeweils passenden Komponenten zusammengestellt werden.

Fazit

Die Installation energieeffizienter Heizungstechnik ist eine lohnende Investition, die sowohl den Wert einer Immobilie als auch ihre Attraktivität für potenzielle Mieter steigert und zudem der Umwelt zugute kommt. Doch bei der Wahl für ein neues Heizsystem gibt es in der Regel viele Möglichkeiten aus verschiedenen Technologien und Energieträgern, die im konkreten Einzelfall in Frage kommen. Komplettanbieter helfen Investoren und Planern, die für das jeweilige Objekt passende Lösung zu finden, denn sie können kompetent beraten, ohne dabei einen Energieträger oder eine bestimmte Technologie zu bevorzugen.

Mehr als 80 % aller Mehrfamilienhäuser wurden vor 1978 errichtet und verfügen zumeist über sanierungsbedürftige Anlagentechnik.

Die Brennwerttechnik ist die effizienteste Art der Wärmeerzeugung.

Für die Wärmeerzeugung mit ­Pellets und Hackschnitzel bietet der Markt heute moderne Holz­feuerungen an

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