Es werde Licht!

Der deutsche Immobiliensektor steht für nachhaltigen Werterhalt. Wertsteigerungen durch technischen Fortschritt sind immer möglich und sichern, gerade im Wohnungsbau, auch künftig Vermietbarkeit und Renditen.Tageslichtlenksysteme können in diesem Zusammenhang eine interessante Rolle spielen.

Immobilien und Grundstücke stellen in diesem Land nach Angaben des BMVBS (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung) ca. 90 % des Anlagevermögens dar, das entspricht einem Wert von ungefähr 10 Billionen €. Die Hälfte davon halten private Haushalte. Wohnungen gelten hierzulande als gefragte Kapitalanlage und begehrte Altersvorsorge, auch und gerade in Zeiten, in denen der Immobilienmarkt anderer Länder global für kritische wirtschaftliche Zustände gesorgt hat. Der Wohnungsmarkt in Deutschland repräsentiert also eine gewaltige ökonomische Potenz.

Das Produkt Wohnung

Gleichzeitig ist er vor dem Hintergrund einer sich demografisch strukturell wandelnden und zunehmend mobiler werdenden Gesellschaft einer beachtlichen Fluktuation unterworfen. Der kontinuierliche Wandel des Bedarfs, die kurzfristigen Veränderungen der statistischen Eckdaten sowie die bei vielen Berufstätigen zu beobachtende abnehmende Bereitschaft, sich während des beruflich aktiven Lebens örtlich allzu sehr festzulegen, hält den Markt in ständiger Bewegung.

Hinzu kommt, dass das zu vermarktende Produkt Wohnung regelmäßig eine Einzelanfertigung ist, ohne jedoch kaum jemals ein Maßanzug sein zu können. Anders gesagt, die Summe der Wünsche und Vorstellungen der Kunden ist stark diversifiziert, höchst individuell und leider mitunter pekuniär schlicht unrealistisch.

Außerdem sind bei baulichen Maßnahmen, die auf Forderungen des Marktes reagieren wollen, die Nutzungs- und Amortisationszeiträume zu beachten; ein einmal verlegter, günstiger aber nicht marktfähiger Bodenbelag, zum Beispiel, kann auf Dauer sehr teuer werden.

Investitionen auf diesem Gebiet sollten sich am Bedarf orientieren, einen Mehrwert schaffen, nachhaltig und ressourcenschonend sein und im besten Fall den Komfort erhöhen.

Wohnen und Leben

Die meiste Zeit des Tages halten wir uns in geschlossenen Räumen bzw. in Gebäuden auf. Verkehrs, Verwaltungs-, Industrie- und Gewerbebauten sind de facto unsere „Umwelt“, die dauerhaft starken Einfluss auf uns ausübt. Gesetze und Verordnungen, etwa zum Arbeitsschutz, stellen dabei sicher, dass die Qualität unserer Umgebung gewisse Mindeststandards erfüllt. Sie sorgen dafür, dass unsere gebaute Umwelt uns nicht schädigt, mehr allerdings nicht. Damit wir uns wohlfühlen braucht es schon etwas mehr. Räume, Farben, Texturen, Materialien und nicht zuletzt die Beleuchtung wirken sich unmittelbar auf unser Wohlbefinden und auf unser Verhalten aus. Materielle Wertigkeiten werden erkannt und durchaus goutiert. Man hat zum Beispiel festgestellt, dass hochwertige Ausstattungen seltener dem Vandalismus anheim fallen als einfachste. Eine Umgebung, die uns Wertschätzung und Vertrauen entgegenbringt, erzielt also durchaus ihre nachhaltige Wirkung.

Der Sozialraum Wohnung

Dem Wohnraum kommt, neben seiner wirtschaftlichen Bedeutung, eine weitere, sehr wichtige Bedeutung zu, nämlich die soziale. Wohnraum ist eben nicht die Summe der vermieteten Quadratmeter sondern die Summe einzelner, individueller und geschützter Lebensräume von Menschen. Die Väter des Grundgesetzes haben diese Bedeutung erkannt und den Wohnraum mit einem besonderen Schutz versehen: „Die Wohnung ist unverletzlich.“ (GG, Art. 13 (1)) In den „eigenen vier Wänden“ soll sich privates Leben möglichst frei entfalten, denn die Wohnung ist im wahren Wortsinn auch Refugium (von lat.: refugere = sich flüchten). Sie erlaubt ihren Bewohnern den Rückzug von Alltäglichem, gibt Raum für Genesung, Erholung und Rekreation. Diese Funktionen haben sowohl wirtschaftlich wie gesellschaftlich betrachtet einen hohen Stellenwert. Schutz, Geborgenheit, Wärme, Licht, sowie die Freiheit, seine Umgebung nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, sind mit Voraussetzung, den täglichen Herausforderungen gewachsen zu sein. Sinnvolle Investitionen in Wohnraum sind deshalb auch immer sinnvolle Investitionen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Ob unbewusst oder zielgerichtet, Menschen streben zum Licht. Daheim die helle Wohnung, am Arbeitsplatz das Büro mit den großen Fensterflächen, im Flugzeug wie im Restaurant der Fensterplatz, im Auto das Schiebedach (oder gleich das Verdeck), im Winter der Wintergarten – von Helligkeit und natürlichem Licht bekommen wir kaum genug.

Der letzte lange Winter – angeblich der dunkelste seit fünfzig Jahren – führte uns die Folgen von chronischem Mangel an Tageslicht deutlich vor Augen: Erschöpfung, Konzentrationsschwäche, allgemeine Unlust, hoher Krankenstand – wir fühlen uns nicht wohl ohne unsere notwendige Dosis Tageslicht. Das natürliche Licht ist für uns ein ‚Lebensmittel‘, denn über die gesamten Jahrtausende der Evolution waren wir diesem ununterbrochen ausgesetzt. Der natürliche Hell-Dunkel-Rhythmus des Tagesablaufs ist in uns abgespeichert, steuert Wach- und Ruhezustände, treibt uns an und beruhigt uns wieder. Physiologische und psychische Vorgänge werden durch Licht initiiert, Unsere Körper produzieren Hormone und Vitamine, Gesundheit und Wohlbefinden nehmen zu. Ob wir im Urlaub in die Berge oder ans Meer fahren, ein schöner Tag ist hell.

Tageslicht – auch in fensterlosen Räumen

Für gewöhnlich wird Tageslicht über Fensterflächen ins Gebäude eingetragen. Diese Flächen sind jedoch auf die Gebäudehülle beschränkt, so dass sie in großflächigen Gebäuden sowie in innen liegenden Räumen nicht wirksam werden können. Bereits vor Jahrhunderten hat man (wenn man sehr viel Geld hatte) versucht, das Licht mit Hilfe von verglasten Innenwänden und Spiegeln weiter ins Innere zu locken. Ohne nennenswerten Erfolg, den die Lichtverluste auf dem Weg ins Gebäude waren (und sind) beträchtlich. Auch der aus dem 16. Jhdt. überlieferte, sympathische Versuch der Schildbürger, Tageslicht mittels Eimern ins (Rat-) Haus zu tragen, war bekanntlich nicht von Erfolg gekrönt. Lichtschächte wirken lediglich direkt, also wie Fenster, nach wenigen Metern verlieren sie ansonsten ihre Funktion.

Lichtröhren mit alltagstauglicher Technik

Einen sinnvollen Ansatz zur natürlichen Belichtung von fensterlosen Räumen stellen so genannte Solatube, „Lichtröhren“, dar. Diese sammeln Tageslicht auf dem Dach oder der Fassade und ‚transportieren‘ es nach innen. Sie bestehen aus Aluminiumröhren, die innen beschichtet sind, so dass sie das Tageslicht durch Reflexion leiten. Je nach Lichteinfall treten dabei auf dem Weg den das Licht nehmen muss unterschiedlich viele Reflexionen auf. Metallisch bedampfte Reflektoren weisen hier Verluste von 2 % bis 5 % auf und sind für weitere Strecken kaum geeignet. Lediglich ein so genannter Multilayer-Film, der aus mehreren hundert Schichten besteht, kommt auf den Wert von 0,3 % und lässt Systemlängen von über 20 m zu.

Um die nutzbare Lichtmenge zu maximieren, verwendet das System eine prismatisch strukturierte Acrylglaskuppel. Diese ist in der Lage, in die Röhren eine Lichtmenge einzuspeisen, für die ein planebener Einlass ein Vielfaches ihrer Grundfläche benötigen würde.

Trotz großer nutzbarer Tageslichtmenge bleibt die Kuppel also relativ klein, ein Vorteil, der übrigens auch im Denkmalschutz gewürdigt wird.

Schließlich tritt das Licht im Raum über einen so genannten Diffusor aus. Dieser streut es und erhellt den Raum, dem Tageslicht ähnlich, gleichmäßig und schlagschattenfrei.

Die Systeme sind weltweit erprobt und haben sich millionenfach bewährt. Ihr Einbau ist für einen zertifizierten Bauhandwerker unproblematisch, zumal der Hersteller diesem im Rahmen seiner Schulungen wertvolle Hinweise und Tipps gibt. Bedenken hinsichtlich der Dichtigkeit der Dachhaut oder Wärmebrücken betreffend, brauchen nicht zu bestehen. Zahlreiche bauphysikalische Untersuchungen und Nachweise bescheinigen den Systemen ihre diesbezügliche Unbedenklichkeit.

Resümee

Dem Wohnungsbau kommt nicht nur eine große wirtschaftliche, sondern auch eine erhebliche soziale Bedeutung zu. Hier getätigte Investitionen wirken sich unmittelbar auf das Wohnumfeld und damit auf die Lebensqualität aus. Gleichzeitig müssen Wohnimmobilien ökonomisch verwaltet und langfristig vermietet werden. Aus diesem Grund sind Eigentümer, Verwalter und Facility Manager ständig auf der Suche nach komfortablen, sicheren und nachhaltigen Techniken, welche die Wohnakzeptanz und Attraktivität der Einheiten erhöhen.

Tageslicht ist ein ‚ganz besonderer Stoff‘, den wir alle zum Leben brauchen, zu dem wir alle streben.

Inzwischen ist es aufgrund ausgereifter Technik möglich und sinnvoll, auch innen liegende, fensterlose Räume mit ausreichendem Tageslicht zu versorgen. Flure, Bäder und Funktionsräume werden energielos und natürlich belichtet und dadurch massiv aufgewertet. Alle Fragen zu Technik und Anwendung beantwortet www.interferenz.de.

Ob unbewusst oder zielgerichtet, Menschen streben zum Licht.
Lichtröhren sammeln Tageslicht auf dem Dach oder der Fassade und transportieren es nach innen.
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