Gebäudetechnik

Dezentrale Lüftung

Zwölf Wohneinheiten beherbergt der Neubau, den die Wohnungsgenossenschaft Märkische Scholle im Südwesten Berlins hat errichten lassen. Mit einer dezentral organisierten Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung und Abluftventilatoren gelingt es, den Energiebedarf gering zu halten.

Im Raum Berlin ist die Märkische Scholle als eine Genossenschaft bekannt, die ihre Ziele auf familien- und altengerechtes Wohnen und Zusammenleben bei energie- und ressourcensparendem Bauen und Sanieren ausgerichtet hat. Diesen Kriterien hatte sich auch der Neubau für ein Mehrfamilienhaus in der Düsseldorfer Straße 24 unterzuordnen. Mit der Planung wurde die IBT.PAN Ingenieur- und Sachverständigenges. mbH, Berlin beauftragt, die zu den führenden Planungsunternehmen in der Region Berlin-Brandenburg im Bereich Sanierung und Neubau gehört.

IBT.PAN entwickelte einen 7-geschossigen Neubau, der nach einer 14-monatigen Ge­­samtbauzeit einschließlich einer aufwen­digen Bohrpfahlgründung im April 2013 fertig­gestellt wurde. Als soziale Komponente be­findet sich im Erdgeschoss eine Mieterbegegnungsstätte mit einer Grundfläche von rund 160 m². Hier gibt es diverse Angebote für die Mieter der Genossenschaft, die von ehrenamtlichen Helfern durchgeführt werden. Auf den weiteren sechs Etagen befinden sich insgesamt zwölf Wohnungen.

Optimierte Restwärmeausnutzung der Fernwärme

Das Gebäude ist zur Effizienzsteigerung mit einer Solarthermieanlage und einer Lüftung mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Be­­­­heizt wird es über eine vorhandene Fernwärmeeinspeisung im Nachbargebäude Düs­­­­seldorfer Str. 23/24 (Altbau). Durch eine zusätzliche Rücklaufauskühlung des Fernheizwassers erfolgt eine optimierte Restwärmeausnutzung des Fernwärmeanschlusses. Das bestehende Heizsystem im Altbau ist durch einen Plattenwärmetauscher hydraulisch vom Neubau getrennt.

Das Gebäude hat eine zentrale Trinkwarmwasserversorgung erhalten. Die Beheizung erfolgt über Solarthermie im Vorrang und über das Fernwärmenetz. Das Trinkwasser wird über einen Solar-Schichtenspeicher im Durchflusssystem erwärmt. Die Solarkollektoren sind auf dem Dach installiert. Ihre Kollektorfläche beträgt 28 m².

Für eine energieeffiziente Frischluftversorgung wurde das Bauvorhaben Düsseldorfer Straße mit einem hybriden Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Ein besonderer Clou: Die Lüftungsgitter sind auf der Fassade nahezu unsichtbar. Das nach DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) zugelassene Fassadenelement LUNOtherm besitzt nur einen 2 cm breiten Lüftungsschlitz und findet somit leicht Platz in der Laibung eines Fensters. Dieses dezentrale System lüftet effizient und kostengünstig. Während die Wohnräume mit den Wärmerückgewinnungsgeräten e² be- und entlüftet werden, kam in den Bädern und WCs ein kostengünstiges Abluftgerät zum Einsatz, das nur bei Bedarf betrieben wird.

Der e² ist ein sehr kleiner, dezentraler Lüfter zur Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung und funktioniert nach dem Prinzip des regenerativen Wärmetausches. Ein Speicherelement lädt sich ähnlich einem Akku mit Wärmenergie in einem reversierenden Be­­trieb auf und gibt die Wärme an die zugeführte Außenluft wieder ab. Dadurch wird der Installationsaufwand gering gehalten, da das e² Lüftungssystem kein Kanalnetz benötigt.

Die eingesetzten Lüftungsgeräte haben eine Leistungsaufnahme von 1,4 W im Grundlastbetrieb von 15 m³/h (0,09 W/m3/h) bei einem Schalldruckpegel von nicht wahrnehmbaren 17 db(A). Dabei liegt der Wärmebereitstellungsgrad bei über 90 %.

Die Ablufträume werden nur bei Bedarf durch Unterputzlüfter der Serie Silvento mit Zeitnachlauf entlüftet. Diese Serie zeichnet sich durch einen sehr geringen Stromverbrauch bei gleichzeitig hoher Druck-Volumenstromkennlinie aus. Ein weiterer wichtiger Punkt für den komfortorientierten Be­­wohner ist die geringe Betriebslautstärke der Lüfter. Da diese Abluftgeräte nur bei Bedarf genutzt werden, wird der Wärmerückgewinnungsgrad durch diese geringen Laufzeiten nur wenig abgesenkt. Auf der anderen Seite wirken sich die geringeren Investitionskosten des Abluftsystems auf die Gesamtkosten aus.

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