BBSR-Studie: Wohnen in Neubauquartieren – soziale Vielfalt ist möglich

Die Anwältin lebt neben der Studentin, die Familie neben dem Single, Jung neben Alt oder die syrische neben der deutschen Familie – wie entstehen solche Wohnviertel? Eine vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) veröffentlichte Studie zeigt: Kommunen und Wohnungsunternehmen stellen die Weichen für sozial vielfältige Neubauquartiere.

Das Institut WEEBER+PARTNER untersuchte 16 Fallbeispiele und befragte dafür Verantwortliche in kommunalen, genossenschaftlichen und privaten Wohnungsunternehmen. Die Projekte zeichnen sich durch eine große Bandbreite planerischer und baulicher Ansätze aus. Soziale Vielfalt setzt der Studie zufolge bauliche Vielfalt voraus: In den Neubauquartieren entstanden unterschiedlich große und vielfältig geschnittene Miet-, Sozial- und Eigentumswohnungen. Sie sind – selbst innerhalb von Gebäuden – sozial gemischt, wobei sich die jeweiligen Anteile im Quartier aus lokalen Erfordernissen ableiten.

Die Neubauquartiere bieten auch Platz für gemeinschaftliche Wohnformen, etwa für ältere und pflegebedürftige Menschen. Und sie zeichnen sich durch ein ansprechend gestaltetes und grünes Wohnumfeld aus. Konzeptvergaben fördern die Planung und Umsetzung solcher Vorhaben: Durch sie werden Grundstücke nicht nach Höchstpreis, sondern für das beste Konzept vergeben.

„Wohnen ist kein Luxusgut und darf auch keines werden. Ein gutes Leben in den Städten setzt voraus, dass Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund Tür an Tür wohnen. Das schafft Verständnis füreinander und lebendige Nachbarschaften“, sagt der BBSR-Leiter Markus Eltges. „Die Beispiele zeigen: Soziale Vielfalt und lebendige Nach­barschaften sind auch in den Neubauquartieren wachsender Städte machbar. Sowohl kommunale als freie Wohnungsunternehmen erfüllen hier ihre Verantwortung für sozial vielfältige Quartiere.“

Die Studie wurde vom Innovationsprogramm Zukunft Bau des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) gefördert. Das BBSR setzt das Programm im Auftrag des BMI um. Der Titel der Veröffentlichung lautet „Soziale Mischung und gute Nachbarschaft in Neubauquartieren – Planung, Bau und Bewirtschaftung von inklusiven Wohnanlagen“. Sie ist als Band 23 der vom BBSR herausgegebenen Reihe „Zukunft Bauen – Forschung für die Praxis“ erschienen.

Interessierte können sie kostenfrei beziehen (E-Mail ). Eine digitale Version gibt es unter www.zukunftbau.de  

Thematisch passende Artikel:

BBSR-Studie untersucht börsennotierte Wohnungsunternehmen

Börsennotierte Wohnungsunternehmen sind erst seit wenigen Jahren eine relevante Anbietergruppe in Deutschland. Ihr großer Bedeutungsgewinn ergibt sich aus den Börsengängen großer...

mehr

Neue BBSR-Analyse: Wer lebt in den Gebieten der Sozialen Stadt?

Der Bund unterstützt mit dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ – künftig „Sozialer Zusammenhalt“ – seit mehr als 20 Jahren die Länder und Kommunen dabei, benachteiligte Quartiere zu...

mehr

Wohnraumversorgung für einkommensschwächere Haushalte: Kommunen setzen auf Instrumentenmix

Die Diskussion um soziale Wohnungspolitik und bezahlbares Wohnen hat wieder an Bedeutung gewonnen. Einige größere Kommunen ergänzen die soziale Wohnraumförderung der Länder inzwischen mit eigenen...

mehr

BBSR legt Studie zur energetischen Sanierung großer Wohnsiedlungen vor

Eine neue Publikation dokumentiert gute Beispiele für die energetische Sanierung großer Wohnsiedlungen. In den Großwohnsiedlungen der 1950er bis 1980er Jahre leben bundesweit rund fünf Millionen...

mehr

BBSR-Studie: Mehr Akzeptanz für den Wohnungsneubau

Eine neue Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigt anhand von 13 Fallstudien, wie Investoren und Kommunen Vorhaben des innerstädtischen Wohnungsbaus erfolgreich...

mehr