Höhere Neubauzahlen, mehr Klimaschutz – die Berliner Immobiliencouch sendet klare Signale zum Berliner Wohnungsmarkt

Auf der Couch (v.l.n.r.): Christof Hardebusch, Bernd Duda, Saidah Bojens, Ulrich Schiller, Kevin Hönicke und Sevgi Metzger.


Foto: RUECKERCONSULT

Auf der Couch (v.l.n.r.): Christof Hardebusch, Bernd Duda, Saidah Bojens, Ulrich Schiller, Kevin Hönicke und Sevgi Metzger.

Foto: RUECKERCONSULT
Berlin leidet unter knappem Wohnraum, steigenden Mieten und Kaufpreisen. Zugleich will die Stadt bis 2030 klimaneutral werden. Ein ohne energetische Sanierung des Wohnungsbestandes nicht erreichbares Ziel. Genug Stoff, um auf der Immobiliencouch leidenschaftliche Debatten zwischen Politik und Immobilienwirtschaft zu führen. Für die Politik nahm Kevin Hönicke Platz, Baustadtrat und stellvertretender Bürgermeister des Bezirks Lichtenberg. Weitere Couch-Gäste waren Saidah Bojens, Niederlassungsleiterin von Instone Real Estate in Berlin, Bernd Duda, Leiter der Berliner Geschäftsstelle der Berlin Hyp, sowie Ulrich Schiller, Geschäftsführer der landeseigenen Wohnungsgesellschaft HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft.

Kevin Hönicke gehört zu den Politikern in Berlin, die offensiv für mehr Wohnungsneubau eintreten. „Es gibt kaum ein Wohnungsbauvorhaben ohne Bürgerinitiative, die sich gegen das Vorhaben ausspricht. Gleichzeitig erhalte ich Hunderte von Mails von Berlinern und Berlinerinnen, die verzweifelt eine Wohnung suchen.“ Sein Fazit: Die Berliner Politik orientiert sich zu stark an den Haushalten, die bereits mit Wohnraum versorgt sind, und zu wenig an den Wohnungssuchenden. „Wohnungsbau ist Sozialpolitik. Mit einer klugen Baulandentwicklung und Mietenpolitik können wir nach Alter und Einkommen durchmischte Kieze schaffen“, so Hönicke.

Saidah Bojens wünscht sich seitens der Politik mehr Verlässlichkeit. „Dazu gehört auch die Ausstattung der Verwaltung mit den erforderlichen Kapazitäten, um schneller Baurecht schaffen zu können. Dass es deutlich zügiger gehen kann als in Berlin, sehen wir in anderen Städten, beispielsweise in Nauen im Berliner Speckgürtel.“ Ein wichtiges Anliegen ist ihr der Klimaschutz, der in den Neubauprojekten ihres Unternehmens eine große Rolle spiele: „Klimaschutz sollte allerdings so umgesetzt werden, dass die zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele erforderlichen höheren Baukosten mit einer Stabilisierung beziehungsweise Reduzierung der Verbrauchskosten für die Nutzer einhergehen.“

Bernd Duda rief dazu auf, Nachhaltigkeit und Klimaschutz trotz gestiegener Baukosten und Zinsen nicht aus den Augen zu verlieren. „Das muss gemeinsam und mit Augenmaß geschehen.“ Sein Institut gehe mit Green Bonds und anderen „grünen“ Finanzierungsprodukten voran. „Dafür verzichten wir auf Teile der Marge“, so Duda. Der Berliner Politik warf er vor, die nun beendete Nullzinsphase nicht energisch für mehr Wohnungsbau genutzt zu haben. Der aktuell zu beobachtende Stillstand der Märkte werde sich legen: „Der aktuelle Zinsanstieg ist der stärkste seit mehr als 40 Jahren. Historisch gesehen sind die Zinsen allerdings nicht sonderlich hoch.“

Ulrich Schiller hebt hervor, dass es beim Klimaschutz im Wohnsektor nicht nur auf die Verbrauchssenkung ankomme. „Wir müssen den Ausbau alternativer Energien noch intensiver vorantreiben als bisher. Deshalb wird die HOWOGE den Einsatz von Solarstrom im Bestand und ihr Engagement für ein klimaneutrales Portfolio konsequent fortsetzen.“ Den steigenden Baukosten und erhöhten Zinsen begegne die HOWOGE mit günstigeren Bauweisen, etwa Modulbau, und dem Verzicht auf zu kleine und deshalb zu den aktuellen Bedingungen nicht mehr wirtschaftlich umsetzbare Projekte.

Die Runde war sich einig, dass kostentreibende Fehlentwicklungen wie lange Genehmigungszeiten, zu viele Vorschriften und teils unsinnig hohe Baustandards endlich korrigiert werden müssen. Dass Berlin 2030 wie von der Stadt angekündigt klimaneutral sein wird, sahen die Teilnehmer skeptisch. Die Runde verwies auf die dazu erforderlichen Sanierungsmaßnahmen im Bestand. Dazu stünden weder die erforderlichen Mittel noch die erforderlichen Baukapazitäten zur Verfügung.

Die Immobiliencouch ist ein Veranstaltungsformat von Sevgi Communications und RUECKERCONSULT an der Schnittstelle von Politik und Wirtschaft. Im Fokus stehen Themen der Stadtentwicklung und Wohnungspolitik. Die Immobiliencouch zum Thema „Impulse für Berlin: Mehr Wohnungen, mehr Klimaschutz trotz hoher Zinsen und Baukosten?“ fand am 7. Februar in Berlin statt.

Thematisch passende Artikel:

Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen: Paradigmenwechsel für den Neubau notwendig

Die rund 140 BBU-Mitgliedsunternehmen in Berlin haben im vergangenen Jahr ihre Neubauinvestitionen und Fertigstellungszahlen enorm gesteigert. Trotzdem ist der Wohnungsleerstand bei ihnen weiter...

mehr
10/2021

Neustart für eine nachhaltige Bau- und Wohnungspolitik

Die Bau- und Immobilienbranche war in der Krise eine der größten Stützen für die deutsche Wirtschaft. Bauunternehmen haben volle Auftragsbücher und der Wohnungsbau bleibt einer der größten...

mehr

Berliner Wohnungsmarkt: Hoher Druck und große Erwartungen an Politik und Wirtschaftskraft

Eine Entspannung am Berliner Wohnungsmarkt ist auch in den kommenden vier bis fünf Jahren nicht zu erwarten. Zwar blieben Bestands- und Neuvertragsmieten auf einem im Vergleich zu anderen deutschen...

mehr

Gutachten des Instituts der Deutschen Wirtschaft stützt Kritik des BFW am Berliner Mietendeckel

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat in einem Gutachten davor gewarnt, in Berlin den Mietendeckel einzuführen und umzusetzen. Der Mietendeckel werde nicht nur negative Auswirkungen auf den...

mehr

Berlins Wohnungsbaugesellschaften: Große Herausforderungen trotz Rekordinvestitionen

Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften degewo, GESOBAU, Gewobag, HOWOGE, STADT UND LAND sowie WBM haben eigenen Angaben zufolge große Erfolge für ein wachsendes und nachhaltiges Berlin erzielt....

mehr