Coronakrise: Architekten blicken mit Sorge in die Zukunft

Eine aktuelle gemeinsame Umfrage von Bundesarchitektenkammer (BAK) und Bundesingenieurkammer zeigt, dass sich Architekturbüros auf wirtschaftlich schwierige Zeiten einstellen. Der Berufsstand wird vor allem von nachgelagerten Effekten betroffen sein.

Über 6.000 Architektinnen und Architekten aller Fachrichtungen sowie Stadtplaner haben sich Anfang April Zeit für drängende Fragen zu den Auswirkungen der Coronakrise genommen. Dreiviertel der Befragten spüren bereits konkret die Folgen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19, ein Drittel sogar deutlich negative.

Die meistgenannten Probleme stellen abgesagte oder zurückgestellte Aufträge dar (52%), Verzögerungen im Genehmigungsprozess durch eine unterbesetzte öffentliche Verwaltung (41%) sowie Störungen auf der Baustelle (34%). Ab dem 2. Halbjahr 2020 rechnen Architekten und Ingenieure insgesamt mit einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und finanziellen Einbußen. Innenarchitekten sind jetzt schon am stärksten betroffen.

„Die Baubranche ist ein wichtiger Motor für unsere Wirtschaft. Bauprojekte setzen große Investitionsvolumina um, sind von langen Laufzeiten geprägt und haben hohe regionale Wirksamkeit,“ sagt BAK-Präsidentin Barbara Ettinger-Brinckmann. „Auf vielen Baustellen kann, wenn auch eingeschränkt, weitergearbeitet werden. Architekten finden kreative Lösungen, um auch unter nicht idealen Bedingungen zu arbeiten und sind in ihrer planerischen Expertise nicht eingeschränkt. Umso wichtiger ist, dass die Planungen für bezahlbaren Wohnungsbau, energetische Sanierung und Schulbau weitergehen und die Programme zur Umsetzung des Europäischen Green Deals für mehr Klimaschutz in Stadt und Land nicht ins Stocken geraten. Diese Aufgaben müssen bei der Konzipierung zukünftiger Konjunktur- und Innovationspakete berücksichtigt werden.“

Die Wertschöpfungskette Bau ist mit 2,5 Mio. Erwerbstätigen ähnlich groß wie die Pflegebranche, größer als die Autoindustrie und somit eine zentrale Branche, um Investitionsprojekte umzusetzen. Bundesarchitektenkammer und Bundesingenieurkammer unterstützen die Bundesregierung, sichere Strategien im Umgang mit der Coronakrise zu erarbeiten. Folgende Maßnahmen müssen für die planenden Berufe im Vordergrund stehen:

• Unterstützung der kommunalen Bauverwaltungen, um deren Funktionsfähigkeit zu sichern, damit vor allem Genehmigungsverfahren weiterbearbeitet werden können.

• Anpassungen der Hilfspakete für die planenden Berufe sowie eine Verlängerung von Förderungen, Zuschussprogrammen und Entlastungen bei den Steuervorauszahlungen über die folgenden Monate hinaus.

• Großzügige Bewilligung von Steuerstundungen und Absenkungen der Vorauszahlungen durch die Finanzbehörden über das 2. Quartal 2020 hinaus. Der Gesetzgeber sollte großzügigere Verlustverrechnungsmöglichkeiten beschließen, so dass Verluste in diesem Krisenjahr mit Gewinnen aus Vorjahren verrechnet werden können.

•Abfederung coronabedingter Finanzierungsprobleme privater Bauherren, damit sich Bauprojekte nicht verzöger n oder verhindert werden.

• Weiterhin eine Ausrichtung der Sicherheits- und Hygienebestimmungen auf die Betriebsfähigkeit von Baustellen.

• Vergabeverfahren müssen hinsichtlich einer europaweiten Umsetzung überprüft werden und ggfls. vorübergehend vereinfacht werden.

• Umsetzung geeigneter digitale Abstimmungsformate für Wettbewerbs- und Partizipationsverfahren.

Detaillierte Ergebnisse der Befragung gibt es unter www.bak.de

Thematisch passende Artikel:

Corona-Befragung zeigt: Planungsbüros stemmen sich weiterhin gegen Auswirkungen der Pandemie

Die Zahl der Planungsbüros, die negative wirtschaftliche Folgen spüren, ist in den vergangenen 12 Monaten kontinuierlich zurückgegangen. Nach wie vor gibt jedoch ein Drittel der Befragten an, unter...

mehr

Digitale Planungsmethode BIM: Öffentliche Auftraggebende und Planende lernen in Zukunft nach einheitlichem Standard

Eine entsprechende Absichtserklärung über abgestimmte Lehrinhalte zur digitalen Planungsmethode haben Baustaatssekretärin Anne Katrin Bohle (BMI), Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der...

mehr

Bundesarchitektenkammer: Wohnungen kostengünstig, aber qualitätvoll und nachhaltig bauen

Die Bundesarchitektenkammer (www.bak.de) hat in ihrer letzten Vorstandssitzung Stellung zur aktuellen Diskussion über Wohnungsbau und fehlenden Wohnraum für Flüchtlinge genommen. Der...

mehr

Ich arbeite jetzt mal weniger: Teilzeit bei Architekten gefragt

Teilzeittätigkeit ist bei Architekten und Architektinnen auf dem Vormarsch. Das ergab eine Befragung der Bundesarchitektenkammer (BAK, www.bak.de) und der 16 Architektenkammern der Länder zur...

mehr

Digitale Planungsmethode BIM: Gemeinsames Vorangehen bei der Fort- und Weiterbildung

Die zunehmende Digitalisierung bietet Planerinnen und Planern sowie den an der Bauausführung Beteiligten die Chance, ihre Leistungen aufeinander abgestimmt und somit noch effektiver zum Wohle der...

mehr