Dämmstoffe

Wärmeschutz im System

Ein Wärmeschutz an Gebäuden soll das Abwandern von Wärme vermeiden mit dem Ziel den Aufwand an Energie für den Heizwärmebedarf zu senken. Mit dem Verringern von kalten Wandflächen wird zugleich die Raumbehaglichkeit verbessert und das Wohlbefinden in den Innenräumen gesteigert. Erreicht wird die Kombination Wärmeschutz und Raumbehaglichkeit optimalerweise durch ein Wärmedämmverbundsystem.

Mit Wärmedämmverbundsystemen wird bei Neubauten sowie Sanierungsobjekten die energetische Bilanz der Gebäude verbessert. Die Auswahl an Systemen ist enorm in Hinblick auf die Funktionseigenschaften und die gestalterischen Möglichkeiten. Das Kernstück eines jeden Systems ist die Dämmplatte, womit die Wärmeleistung und weitere Eigenschaften, z. B. die Brandklassifizierung, vorgegeben sind.

Der Aufbau eines WDVS ist größtenteils vergleichbar. Die Dämmplatten werden mit einem Klebemörtel auf den Untergrund aufgebracht. Je nach Untergrund und System folgt eine zusätzliche, mechanische Befestigung mit Dämmstoffdübeln. Auf der Dämmplattenoberfläche wird eine Armierungsschicht aufgetragen, die aus dem Armierungsmörtel und einem kaschierten Glasfasergewebe besteht. Die letzte Schicht ist der Wetterschutz und kann aus mineralischen oder pastösen Oberputzen erstellt sein, die mit Fassadenanstrichen überarbeitbar sind. 

Die erste bekannte Fassadendämmung: 1957 in Berlin

Verwendet wurde der auch heute noch geläufigste Dämmstoff aus expandierten Polystyrol-Hartschaumplatten (EPS). Polystyrol-Hartschaum wurde Anfang der 60er Jahre von der Firma BASF unter dem patentierten Namen Styropor entwickelt. Bei der Herstellung wird dabei ein Polystyrolgranulat in das Treibmittel Pentan einpolymerisiert, was unter Einwirkung von Wasserdampf den aufgeblähten Dämmstoff erzeugt. In diesem Prozess wird stehende Luft sozusagen in die Dämmplatte eingeschlossen, was die Wirkung einer Wärmeisolierung erzeugt.  Die weitere Entwicklung von Fassadendämmungen liefen ab 1968.

1985 wechselt die Begrifflichkeit auf die noch heute gültige Bezeichnung Wärmedämmverbundsysteme, mit der auf den Verbund der einzelnen Systembestandteile und die Systemkonformität hingewiesen wird. In den neunziger Jahren wurde die Forderung nach der Systemeinhaltung mit der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) geregelt. Dieser Verwendbarkeitsnachweis beschreibt, was bei dem jeweiligen System in der Verarbeitung zu beachten ist und welche Einzelprodukte verwendet werden können. Heute wird Begriff „allgemeine Bauartgenehmigungen“ verwendet. 

Bei der System-Auswahl werden die verschiedenen Eigenschaften der Dämmplatten gegenübergestellt. Erkennbar ist eine Zunahme mit aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellten Dämmplatten; momentan sehr präsent Dämmplatten aus Holzfasern. Einen großen Marktanteil nehmen weiterhin Dämmplatten mit dem längsten Anwendungszeitraum ein, bspw. EPS- oder Mineralwolledämmplatten. 

EPS-Platten, die am häufigsten eingesetze Dämmplattenart, sind eine wirtschaftliche Variante zur Erstellung eines WDV-Systems. Langzeiterfahrungen mit EPS-Platten liegen zu Genüge vor. Anfang 2016 wurde eine Systemerweiterung mit dem Einbau von zusätzlichen Brandriegeln angefügt (Brandriegel Sockelbrandszenario). Die Einstufung „schwerentflammbar“ in der Brandklassifizierung ist dadurch mit noch größerer Sicherheit gegeben. Großbrandversuche bestätigen, dass die zusätzlich eingebrachten Brandriegel die Brandweiterleitung auch bei einer von außen einwirkenden Brandlast wirksam begrenzen. Was die Absatzmenge betrifft, folgen Dämmplatten aus Mineralwolle. Bei der WDVS-Anwendung werden dafür vorwiegend Steinwolleplatten verwendet. Systeme mit diesen Platten sind zum größten Teil nichtbrennbar, die Klassifizierung ist abhängig von den verwendeten Putzsystemen. Die Diffusionsoffenheit gegenüber Wasserdampf ist vergleichbar mit einer ruhenden Luftschicht und dadurch sehr hoch. Mineralwolle-Dämmplatten haben vergleichend zu den EPS-Platten annähernd die gleiche Wärmedämmleistung. Mineralwolleplatten gibt es in zwei Variaten, eine Dämmplatte aufgebaut auf eine stehende Faser (Lamellenplatte) und eine Version mit liegender Faser. Die Platte mit stehenden Faser hat eine höhere Eigenfestigkeit, die Platte mit der liegenden Faser zeigt eine höhere Dämmleistung und einen besseren Wert beim reduzierten Schalldämmmaß. Mit der Entwicklung von hochleistungsfähigeren Dämmstoffen wurde es möglich, geforderte Dämmwerte mit geringeren Dämmstoffdicken zu realisieren. Geschäumte Produkte mit besseren Dämmeigenschaften sind Resol- und Polyurethanhartschaumplatten. Beide haben gemein, dass sie einen niedrigen Wärmeleitwert besitzen und dadurch bereits bei geringeren Dämmstoffdicken gute Dämmleistungen vorweisen. Bei einer Brandbelastung findet kein Schmelzprozess im Dämmstoff statt, so dass für diese Systeme keine zusätzlichen Brandriegel für die Klassifizierung „schwerentflammbar“ notwendig sind.

Ein wachsendes Interesse für Dämmstoffe aus nachhaltigen Rohstoffen

Die Produktion erfolgt unter anderem mit der Verwendung von Hanf, Kork oder Holzfasern, wobei die holzgebundenen Dämmplatten den größten Absatz in diesem Segment haben. Studien zeigen, dass im Bereich der Einfamilienhäuser die Anwendung vom WDVS mit Holzfaserdämmung um ca. 30 % gestiegen ist. Holzfaserdämmplatten haben im Vergleich zu EPS- oder Mineralwolle-Dämmplatten ein geringeres Wärmedämmvermögen. Der große Unterschied liegt in der Herstellung. Sie werden aus Holz hergestellt, zum Teil auch aus Resthölzern der Sägewerke. Die Platten sind vor allem für Kunden interessant, die großen Wert auf Ökologie und Nachhaltigkeit legen. Aufgrund der größeren Rohdichte ist ein höheres Wärmespeicherverhalten gegeben, was ein zeitlich verzögertes Abkühlverhalten an der Außenfläche und damit eine größere Verschmutzungsresistenz bewirkt. Holzfaserdämmplatten werden als System auch auf Massivmauerwerk verwendet, so dass mit diesen Platten ebenfalls eine Sanierung von Bestandsgebäuden durchführbar ist.

Mit WDV-Systeme ein guter Beitrag zur Ökologie

Die gedämmte Außenhülle liefert eine Heizenergieersparnis, die eine Verminderung des CO2-Ausstoßes mit sich bringt. Gedämmte Gebäude leisten einen wichtigen Beitrag zur Einsparung von Energie und haben damit einen direkten Einfluss auf den Klima- und Umweltschutz. Aktuelle Studien besagen, dass der Energieeinsatz, der zur Herstellung von Dämmstoffen erforderlich ist, nach zwei Monaten bis maximal zwei Jahren mengenmäßig durch eingesparte Heizenergie ausgeglichen ist. Im Rahmen der Kreislaufwirtschaft bei den heute verwendeten Dämmstoffen, ist auch eine praktizierende Abfallvermeidung sichergestellt. Dämmstoffreste werden über Recyclingsysteme entweder als Rohstoff der artgleichen Produktion zugeführt, anderweitig eingesetzt oder der thermischen Verwertung zugegeben. Das von der Bundesregierung ausgesprochene Ziel, die Treibhausgase zu reduzieren, kann mit einem WDVS sehr effizient unterstützt werden. Für  Hausbesitzer und Bewohner sind nach der Durchführung eines WDVS durch Verbesserung des Wohnraumklimas die Vorteile erkennbar.

Unterschiedliche Putzaufbauten

Unterschiedlichen Ausführungen des Aufbaus oberhalb der Dämmplatten sind zu berücksichtigen: von dünnschichtig, mitteldickschichtig bis zu dicklagigen Putzaufbauten mit Oberflächengestaltung in Putz oder mit keramischen oder Natursteinbelägen.

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