Verbrauchsdatenerfassung

Interview: Multi-Metering im Gebäude

Die Klimakrise erhöht den Druck, zeitnah alternative Lösungen in der Energieversorgung und beim Energiesparen umzusetzen. Im Gebäudebereich sind dabei gerade der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien, eine intelligente Vernetzung der Immobilie sowie eine transparente, regelmäßige Verbrauchsdatenerfassung höchst relevant. Im Gespräch mit dem BundesBauBlatt erklärt Juliane Förster, Produktmanagerin Smart Metering und Multi-Metering bei der Hamburger KALORIMETA GmbH (KALO), welche Rolle Multi-Metering dabei spielen kann.

Was steckt hinter dem Begriff „Multi-Metering“?

Juliane Förster: Beim Multi-Metering werden sowohl die Verbrauchsdaten von Wärme, Warm- und Kaltwasser in den Wohnungen, also das Submetering, als auch von Strom, Gas und Wasser auf Gebäudeebene, das Smart Metering, sicher verschlüsselt via Funk an alle berechtigten Empfänger wie zum Beispiel den Stromversorger und den Messdienstleister übermittelt. Ermöglicht wird diese gebündelte Übertragung durch ein zentrales Kommunikationsmodul: das Smart-Meter-Gateway, auch SMGW genannt.

Was kann das Smart-Meter-Gateway und was braucht es, um es einsetzen zu können?

Juliane Förster: Das SMGW ist das digitale Herz für die intelligente Immobilie. Es kann über zahlreiche Schnittstellen verschiedene Daten empfangen und senden.

Voraussetzung für den Einsatz eines SMGWs ist das Vorhandensein oder die Installation eines digitalen Stromzählers im Gebäude.Gemeinsam bilden SMGW und digitaler Zähler ein sogenanntes „intelligentes Messystem“, auch Smart Meter genannt. Es können sowohl der Allgemeinstromzähler einer Liegenschaft mit dem SMGW verbunden werden als etwa auch der Stromunterzähler für den Fahrstuhl oder die Heizungsanlage. Das SMGW wird direkt am digitalen Stromzähler angebracht. Die Daten des Submeterings werden via Funk an einen CLS-Adapter gesendet, der mit dem SMGW verbunden ist. Im Bereich Gas können die Verbrauchsdaten des Hauptzählers per aufgesetztem Funkmodul an das SMGW gesendet werden. Zukünftig werden zudem Hauswasser- und Fernwärmezähler angebunden werden können.

Welche Vorteile bringt die vernetzte Immobilie?

Juliane Förster: Durch die bis 2027 flächendeckend vorgeschriebene Funkübertragung von Submetering-Daten werden Vor-Ort-Ablesungen und damit Terminvereinbarungen sowie Anfahrten obsolet. Die Fernauslesung ermöglicht zudem eine monatliche Bereitstellung von Verbrauchsinformationen gegenüber den Bewohnern von Mehrparteienhäusern. So können diese ihr Verbrauchsverhalten optimieren und Energie sparen.

Das Smart-Meter-Gateway erweitert die Datentransparenz und sorgt für eine regelmäßige Verbrauchsdatenerfassung aller Sparten. Strom- und Gasverbräuche werden sogar einmal am Tag an das Kunden-Verbrauchsportal oder, wenn gewünscht, über eine Schnittstelle direkt in das System des Gebäudeeigentümers bzw. Verwalters übertragen. So lässt sich zeitnah Optimierungspotential beim Energieverbrauch identifizieren. Dies ist ein zentraler Aspekt auf dem Weg zur Klimaneutralität von Gebäuden. Nur wer den Verbrauch kennt, kann ihn auch optimieren. Weiterhin ermöglicht der Einsatz von Smart Metern, variable Stromtarife zu nutzen. So kann der Strom dann verbraucht werden, wenn er besonders günstig ist.

Wie schätzen Sie die Zukunft des SMGWs ein?

Juliane Förster: Wer SMGWs einsetzt, schafft die Voraussetzung für eine klimaintelligente Immobilie. Ist es erst einmal installiert, ist der Grundstein für das Smart Building gelegt. Weitere Geräte und Anwendungen wie Ladepunkte für E-Autos, intelligente Sensoren oder erneuerbare Erzeugungsanlagen lassen sich integrieren und zukünftig sogar steuern. Ich bin der Meinung, der Einsatz eines SMGWs wird in Zukunft unverzichtbar sein.

Multi-Metering wird durch das SMGW erst möglich. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Messstellenbetreiber, der Stromzähler und SMGW betreibt. Jeder Energieverbraucher darf laut Messstellenbetriebsgesetz seinen Betreiber frei wählen. Wie beurteilen Sie das?

Juliane Förster: Die Unabhängigkeit vom grundzuständigen Messstellenbetreiber, z. B. dem lokalen Stadtwerk, erleichtert und beschleunigt den Weg zum Multi-Metering – und bringt noch weitere Vorteile mit. Eigentümer, die Liegenschaften in verschiedenen Regionen verwalten und vermieten, können so einen einheitlichen Messstellenbetreiber für ihren Gebäudebestand wählen. Sie sparen damit Aufwand, Zeit und Geld. Die Verbräuche aus sämtlichen Regionen können zudem über ein zentrales Portal abgerufen werden. Dies erleichtert den Vergleich der Verbrauchsdaten. Außerdem ermöglichen die festgelegten, vom Verbrauch unabhängigen, Entgelte eine finanzielle Planungssicherheit. Das hat es vorher so nicht gegeben

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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