Im Zeichen
ambitionierter Klimaziele

Erfahrungsaustausch unter Kollegen: Arbeitskreis Maschinen- und Elektrotechnik staatlicher und kommunaler Verwaltungen (AMEV) traf sich zur Frühjahrstagung.

Im April 2022 führte das AMEV-Plenum seine obligatorische Frühjahrstagung durch. Erörtert wurden dabei verschiedene Themen – wie die angespannte Situation der Bauwirtschaft, die sich natürlich auch für den öffentlichen Auftraggeber als sehr schwierig erweist. Zu dem seit längerem schon anhaltenden Fachkräftemangel kommen nun gestiegene Materialpreise und Lieferengpässe hinzu.

Begrüßt wurde einhellig die Lösung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), das am 25. März 2022 in einem Erlass für kommende und laufende Bundesbaumaßnahmen für bestimmte Produktgruppen die Vereinbarung einer Stoffpreisgleitklausel eingeführt hat. Damit soll ein nicht kalkuliertes Preisrisiko abgefangen und eine Vertragsanpassung beispielsweise auch hinsichtlich der Ausführungsfristen erleichtert werden.

Das AMEV-Plenum wertete unter anderem auch die Statistik der AMEV-Homepage (www.amev-online.de) der letzten zwölf Monate aus. Die beeindruckende Zahl von über 3 Mio. Zugriffen zeigt, dass der Arbeitskreis für die öffentliche Bauverwaltung eine wichtige Rolle spielt, um das Bauen handhabbarer und effizienter zu gestalten. Unangefochten an der Spitze der aufgerufenen Dateien sind die AMEV-Vertragsmuster, gefolgt von der Empfehlung Eltanlagen 2020.

Derzeit beschäftigt sich der AMEV mit der Evaluierung von mehreren Empfehlungen, wie u.a. der RLT-Anlagenbau, der Empfehlung Ersatzstrom und dem Vertragsmuster TK-Service. Aber auch neue Themen stehen auf der Agenda wie die völlig neu kreierte Empfehlungen zu BACtwin und eine Empfehlung zum Inbetriebnahmemanagement. Hierzu im Einzelnen:

RLT-Anlagenbau: Hier wird das Augenmerk bei der Überarbeitung nicht nur auf die neue Normung gelegt, sondern auch auf die aktuell speziellen Anforderungen an die Lüftung. Ein seit Jahren kontrovers diskutiertes Thema, nicht nur aktuell hinsichtlich der Covid-Viren, sondern auch bezüglich der zur Verfügung gestellten -der Gesundheit zuträglichen - Außenluft und einer hinreichend niedrigen CO₂-Konzentration. Insgesamt gilt es Empfehlungen zu geben, um fachlich fundierte Entscheidungen unter Berücksichtigung des jeweiligen Planungshorizonts treffen zu können.

Ersatzstrom: Nach einer „Halbwertzeit“ von fast 16 Jahren wurde die Ersatzstrom-Empfehlung überarbeitet. Neben den zahlreichen Aktualisierungen hinsichtlich der Normung, sind die Kollegen des zuständigen Ausschusses um Thorsten Schröder mit der Grundeinstellung an die Überarbeitung gegangen, dass die Auslegung von Ersatzstromanlagen auf das wirklich erforderliche Maß beschränkt werden. Erfahrungen der letzten Jahre zeigten, dass man von Seiten der Nutzer auch im Störfall alles zu 100 % versorgt haben möchte und Investitions- und Betriebskosten offenbar keine Rolle spielen.

TK-Service: Ursprünglich war geplant, dieses Vertragsmuster vom Markt zu nehmen. Der Fernmeldeausschuss des AMEV hat nun nach intensiven Beratungen entschieden, das Vertragsmuster noch weiter anzubieten, da es in der Praxis noch einige Anwendungsfälle gibt.

BACtwin: Der Begriff orientiert sich am Digitalen Zwilling im Kontext von Industrie 4.0 und BIM im Bauwesen. Die neue Empfehlung BACtwin enthält das neue Konzept des BACnet-Zwillings, das vereinfachte und automatisierte Überprüfungen von GA-Projekten ermöglicht. Denn um die stetig wachsenden Mengen an Massendaten zuverlässig zu beherrschen und auch mögliche Fehler darin zu erkennen, sind konsequente Standardisierungen der GA-Prozesse notwendig.

Das Konzept definiert ein Datenmodell für GA-Projekte und standardisiert die Anwendungen der BACnet-Properties in öffentlichen Gebäuden. Es enthält Referenzvorlagen für BACtwin-fähige Planungs-, Engineering- und Prüf-Tools und unterstützt verlustfreien Datenaustausch in GA-Projekten sowie die IT-gestützte Prüfung der Nutzervorgaben. Das Konzept ermöglicht ein durchgängiges digitales Projektmanagement nach DIN EN ISO 16484-1:2011-03. Das Herzstück der Empfehlung wird die GA-Bibliothek bilden, deren maschinenlesbare Tabellen das Datenmodell für BACnet-Implementierungen definieren.

Inbetriebnahmenmanagement: Zielstellung für die Erarbeitung der neuen Empfehlung ist es, die Schnittstellen und Verfahrensschritte in der kritischen Bauprojektendphase, im Übergang von Baufertigstellung bis zur Übernahme, sachgerechter und konkreter festzulegen. Die Empfehlung wird umfangreiche Anlagen wie einen Mustervertrag, mit spezifischen Leistungspflichten, sowie Checklisten enthalten.

Aufzug 2022: Bereits im Vorfeld der AMEV Tagung wurde im März die überarbeitete Aufzugs- Empfehlung durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen per Erlass eingeführt.

Neu aufgenommen wurden Empfehlungen zu Sonderanlagen nach Maschinenrichtlinie für die barrierefreie Erschließung. Des Weiteren erfolgte insbesondere eine Neustrukturierung der Gefährdungsbeurteilung nach der Technischen Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1111 und eine Überarbeitung des Musters zur Durchführung von Gefährdungsanalysen sowie des Protokolls der regelmäßigen Sichtprüfungen.

Fazit

Der AMEV setzt sich in seiner Arbeit auch mit den sehr ambitionierten Klimazielen auseinander. Hier ist es wichtig, den Blick auf sinnhafte Lösungen zu richten, um ein ausgewogenes Verhältnis der Effizienz der Gebäudehülle zur Effizienz der Gebäudetechnik anzustreben. Denn nicht jede Technologie kann im Kontext der Gebäudeplanung sinnvoll umgesetzt werden. Hier sei nur die Problematik mit dem Stichwort „Wärmepumpen“ angedeutet.

Autor: Andreas Schork, Leiter der
AMEV-Geschäftsstelle im Bundesministerium für
Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB)
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