Kolumne

Wohneigentumsbildung wird schwieriger

„Moment mal!“: Die Bundes­arbeits­­gemeinschaft Immo­bilien­wirtschaft Deutschland (BID) bezieht Stellung.

Die Branche geht jetzt schon seit einer ganzen Weile davon aus, dass die Preisrallye auf dem Wohnimmobilienmarkt nicht ewig so weitergehen kann – doch der Markt schert sich wenig um solche Prognosen. Die Preise für Eigentumswohnungen steigen weiter kräftig, wie der aktuelle IVD-Wohnpreisspiegel zeigt. Auch Einfamilien- und Reihenhäuser werden immer teurer. Für die Immobilienwirtschaft ist das natürlich positiv; für private Haushalte dagegen, die sich eine Wohnimmobilie zulegen wollen, wird die Lage problematischer.

Ganz deutlich wird das anhand der Preisentwicklung von Einfamilienhäusern, dem Selbstnutzer-Segment schlechthin. Ein Häuschen mit mittlerem Wohnwert kostet in den Metropolen im Schnitt mehr als eine halbe Million Euro, für guten Wohnwert ist gar mehr als eine Dreiviertelmillion fällig. Das können nur sehr wenige Haushalte stemmen, entsprechend konzentriert sich die Nachfrage mehr und mehr auf Reihenhäuser und Eigentumswohnungen, die für viele aber ebenfalls zunehmend unerschwinglich werden. Eine Bestandswohnung mit mittlerem Wohnwert kostet in den Top-7-Städten durchschnittlich mehr als 3.000 Euro je Quadratmeter, für guten Wohnwert liegt der Quadratmeterpreis bei mehr als 4.000 Euro.

Soll die Wohneigentumsquote in Deutschland signifikant steigen, was sich die Politik völlig richtig zum Ziel gesetzt hat, muss das Angebot größer und der Markt entlastet werden. Den Wohnungsbau anzukurbeln heißt auch, die Eigentumsbildung zu unterstützen. Der Wohngipfel war dafür ein wichtiger Impuls, aber die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen muss schneller vorankommen. Es braucht einen strukturierten Fahrplan mit verbindlichen Terminen; es ist einfach keine Zeit übrig, die vertrödelt werden kann. Wer optimistisch ist, geht in diesem Jahr von 300.000 fertiggestellten Wohnungen aus – für die Erreichung des 1,5-Millionen-Ziels müssten jedoch 375.000 pro Jahr fertig werden. Das heißt, dass das jährliche Ziel ab 2019 wohl auf 400.000 ansteigt, aber so viele Wohnungen werden aktuell nicht einmal genehmigt. Die Politik muss in die Gänge kommen und ihren Fokus endlich vom Mietrecht auf den Wohnungsbau verlegen.

Allerdings muss auch klar sein, dass sich die Preisentwicklung durch einen verstärkten Neubau zwar entspannen dürfte, doch mit Preissenkungen in den Metropolen selbst dann kaum zu rechnen ist. Normal verdienende private Haushalte, die Wohneigentum erwerben wollen, werden deshalb auch in Zukunft teilweise auf das Umland beziehungsweise kleinere Städte ausweichen müssen – dafür müssen diese Standorte aber attraktiver werden. Wenn es selbst in unmittelbarer Nähe der Großstädte teilweise keinen Handyempfang geschweige denn schnelles Internet gibt, wird dort kaum jemand hinziehen oder gar in Wohneigentum investieren wollen. Die Große Koalition hat versprochen, ländlichere Regionen zu stärken, aber auch hier muss sie erst noch beweisen, dass sie zu einer Umsetzung wirklich gewillt und in der Lage ist.

Gar nichts mehr hören will die Bundespolitik zudem von einer Reform der Grunderwerbsteuer. Ein Absenken der Steuersätze oder ein Freibetrag für Ersterwerber ist die wohl effizienteste Form der Eigentumsförderung. Dafür nötig wäre allerdings eine 180-Grad-Wende: Statt die Steuereinnahmen mit immer höheren Sätzen stetig zu vergrößern, müsste der Staat auf Geld verzichten. Meint die Politik es ernst mit der Eigentumsförderung, muss sie dazu einfach bereit sein.

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