Bauen im Bestand

WDVS nachhaltig sanieren

Auch Wärmedämmverbundsysteme kommen in die Jahre und müssen saniert werden. Hier bieten sich vorgehängte hinterlüftete Fassaden an. Sie kombinieren besseren Wärmeschutz mit höherem Schallschutz, Langlebigkeit und zahlreichen Gestaltungsmöglichkeiten.

Maßnahmen zur Dämmung von Fassaden sind ein wesentlicher Baustein der Bundesregierung, um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Häufige Maßnahmen sind dabei Wärmedämmverbundsysteme (WDVS), die aber in der Fachwelt zunehmend kritisch betrachtet werden. So werden diese Systeme häufig kritisiert, weil sie nach einigen Jahren trotz biozider Ausrüstung optische Beeinträchtigungen aufweisen können. Teilweise zeigen sich auf den Fassaden bereits nach einigen Jahren Verschmutzungen und Veralgungen. Es können sich auch Dübelstellen und Dämmplattenfugen abzeichnen. Gelegentlich sind auch Löcher zu verzeichnen; hier hat der Specht ganze Arbeit geleistet. Erkenntnisse des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern gehen davon aus, dass die Fassaden durch die raue Struktur des Verputzes bei den Tieren den Eindruck eines Baumes erwecken und das Trommeln auf Styropor dem Trommeln auf hohlem Holz ähnelt. So ist der Instandhaltungsaufwand für derartige Dämmsysteme über den Lebenszyklus verhältnismäßig hoch.

Bereits seit den 1960er Jahren werden WDVS eingesetzt. Allerdings reichen die damaligen Dämmstoffdicken nicht mehr an die heutigen Ansprüche an gedämmte Fassaden heran und müssen bei einer Sanierung gegebenenfalls an moderne Standards angepasst werden. WDVS sind nicht geregelte Bauarten, für die es weder anerkannte Regeln der Technik noch nationale oder europäische Normen gibt. Als Nachweis der Verwendbarkeit werden diese Konstruktionen durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (AbZ) oder eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE) möglich. Besondere Regelungen für den Brandschutz werden vor allem auch beim Einsatz von EPS als Dämmstoff mit der Integration von nichtbrennbaren Brandriegeln gestellt.

Mit WDVS ausgerüstete Gebäude werden zunehmend saniert. Dabei handelt es sowohl um geplante „Neubau-Einsätze“ der Vergangenheit als auch um nachträgliche Dämmungen in der Fassadensanierung. Um auch hier die aktuellen Anforderungen an den Wärmeschutz zu erfüllen, sind diese alten Dämmfassaden entweder abzunehmen und zu entsorgen oder mit technisch anpassten Systemen zu ertüchtigen.

Ein Weg, der die Nutzungsdauer der ertüchtigten Fassade deutlich erhöht und zudem gestalterische Verbesserungen ermöglicht, ist der Einsatz einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade. Mit diesen Systemlösungen, die unterschiedliche Fassadengestaltungen ermöglichen, werden die Komponenten der Dämmebene sowie der Bekleidung als Witterungsschutz konstruktiv voneinander getrennt. Der große Vorteil der hinterlüfteten Fassade ist die Regelung des Feuchtehaushaltes im Hinterlüftungsraum der neuen Konstruktion. So kann sowohl Bau- wie Nutzungsfeuchte zuverlässig abgeführt werden. Eine vorgehängte hinterlüftete Fassade gilt als schlagregendicht entsprechend der Beanspruchungsgruppe III nach DIN 4108-3. Dabei wirkt der Regenschutz zweistufig. Der Belüftungsspalt fungiert als Druckausgleichsraum, sodass eindringender Schlagregen an der Rückseite der Bekleidung abläuft; die Wärmedämmung wird nicht durchnässt. Der Einsatz von diffusionsoffenen Dämmstoffen wie einer Mineralfaser-Dämmung erleichtert auch das Austrocknungsverhalten bereits durchfeuchteter Dämmschichten. Damit wird die lange Nutzungsdauer der gesamten Kon­struktion sichergestellt und für die Nutzer ein optimales Innenraumklima bei optimiertem Dämmverhalten der Gebäudehülle ermöglicht. Ein weiterer Vorteil ist der sommerliche Wärmeschutz. So können bei konstruktiv richtiger Auslegung des Hinterlüftungsraumes bis zu zwei Drittel der Wärmebelastung vom Rauminneren ferngehalten werden.

Planung und Ausführung

Die Sanierungsplanung sollte mit einer Analyse des Ist-Zustands von Wandaufbau und Altsystem beginnen. Dabei werden das Eigengewicht des Altsystems, vor allem des Putzsystems, die vorhandene Dämmstoffart und -dicke untersucht. Sind sichtbare Schäden, wie z. B. Risse oder Abplatzungen, vorhanden, sollten die Ursachen für das Schadensbild untersucht werden.

Bei der Sanierung sind die Anforderungen der EnEV zu beachten. So ist grundsätzlich vorgesehen, dass beim Anbringen einer Bekleidung auf der Außenseite einer bestehenden Wand eines vor dem 31. Dezember 1983 errichteten Gebäudes in Form von Platten oder plattenartigen Bauteilen oder Verschalungen als bedingte Bauteilanforderungen ein U-Wert von Umax≤ 0,24 W/(m2K) nicht überschritten wird. Auf diesen Mindestwert einschließlich des Hinterlüftungsraumes ist die Unterkonstruktion abzustimmen. Bei Fassaden jüngeren Datums ist die energetische Ertüchtigung wirtschaftlich sinnvoll, da ohnehin die Baustelleneinrichtung erfolgt.

Für die Anbringung einer neuen Unterkonstruktion gibt es grundsätzlich verschiedene Lösungen. So kann eine Konsole über Aussparungen der Altdämmung direkt im Verankerungsgrund der Wandkonstruktion befestigt werden. Um den Einfluss von punktförmigen Wärmebrücken zu reduzieren, sind thermisch getrennte Konsolen zu bevorzugen. Der optimierte Einsatz von Dämmstoff verbessert auch die Wirkung der tief zurückgesetzten Fensteröffnungen.

Je nach Zustand des bestehenden WDVS kann es bei einer durchfeuchteten Altdämmung erforderlich sein, den Putz bis in die Dämmung einzuschlitzen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Gegebenenfalls müssen auch zur Sicherung der Standfestigkeit des Bestandsystems die alten Dämmplatten neu befestigt werden.

Auch kann es aus brandschutztechnischen Gründen erforderlich sein, sog. Brandschutzriegel aus nicht brennbarem Dämmstoff z.B. über Fenster- und Türöffnungen nachzurüsten. Hierzu wird das alte WDVS bis auf den Traguntergrund aufgebrochen und der Brandriegel fachgerecht verankert. Auch im Bereich der Laibungen sollte die vorhandene Dämmung entfernt und durch eine nichtbrennbare Dämmplatte mit günstigem U-Wert ersetzt werden. So kann ein fachgerechter Anschluss an den Blendrahmen hergestellt werden und die vorhandenen Fenster können je nach Standard verbleiben.

Nach dem Einmessen der Befestigungspunkte werden die Befestigungsbereiche soweit geöffnet, dass durch die Aussparungen die Konsole befestigt werden kann. Die Konsoltiefe wird dabei so gewählt, dass das Tragprofil für die neuen Fassadenprofile problemlos vor dem WDVS und der neuen Dämmsicht verlaufend montiert werden kann. Mit Ausgleichelementen können evtl. Unebenheiten des Befestigungsgrundes ausgeglichen werden. Nach der Fixierung der thermisch getrennten Konsolen kann die Aussparung mit einem Pistolenschaum oder durch Ausstopfen mit Mineralwolle wieder geschlossen werden. Ein möglichst günstiger Wert der Wärmeleitfähigkeit von 0,040 W/mK ist dabei anzustreben.

Anschließend erfolgt die Verlegung der neuen mineralischen Dämmstoffplatten. Diese werden ebenfalls mit Dübeln fachgerecht in den Verankerungsgrund gesichert. Nach Abschluss der Montage der Tragprofile werden die neuen, vorgehängten Fassadenprofile montiert.

Gestaltung mit System

Die Möglichkeiten der Gestaltung der Fassade mit Systemlösungen sind vielfältig. Das Angebot an Rheinzink-Fassadensystemen macht es leicht, eine sowohl schöne als auch wirtschaftliche Lösung zu finden. Ob horizontal, vertikal oder diagonal gegliedert, mit Lochmuster, klein- oder großformatig – die Möglichkeiten sind vielfältig. So erfolgt die Ausführung mit Horizontalpaneelen auf gleitender Unterkonstruktion mit speziellen Halteprofilen. So können temperaturbedingte Längenänderungen der Bekleidung sicher aufgenommen werden; sie zeichnen sich nicht in der Fassade ab.

Stulppaneelsysteme ermöglichen Fassadenbekleidungen mit einem schuppenartigen Charakter ohne Schattenfuge. Die Profile werden maßgenau vorgefertigt und wirtschaftlich auf der Baustelle auf Unterkonstruktion befestigt.

Bei sog. Steckfalzpaneelsystemen können das Achsmaß (200 - 333 mm) sowie die Fugenbreite variabel bestimmt werden. Auch die Verlegerichtung kann flexibel von vertikal bis horizontal festgelegt werden und ermöglicht so Spielräume für die Fassadengestaltung und Anpassung an die Gebäudeform.

Durch den Einsatz von vorgefertigten Systemen wie zum Beispiel den Rheinzink-Fassadensystemen mit metallener Unterkonstruktion und entsprechenden Befestigungsmitteln werden höchste Anforderungen an die Nichtbrennbarkeit (Baustoffklasse A1, DIN 4102-1, DIN EN 13501-1) erfüllt. Auch kann das Schalldämmmaß bei Verwendung von vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden in Abhängigkeit von Dämmschichtdicke, Masse der Bekleidung und dem Anteil offener Fugen um bis zu 14 dB verbessert werden. Die Ertüchtigung bestehender Dämmsysteme verbessert in jedem Falle den Schallschutz.

Fazit

Die Sanierung bestehender WDVS führt zu einer Optimierung des Wärmeschutzes unter Beachtung der bauphysikalischen Gegebenheiten. Zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten verbessern die Optik. Wichtig für den Bauherrn ist aber vor allem, dass die Lebensdauer seiner Fassade mehr als verdoppelt wird und dabei weitestgehend wartungsfrei ist. Auch am Ende seiner Nutzungsdauer steht das System günstig da. Alle Teile können problemlos voneinander getrennt und sortenrein und unproblematisch recycelt werden. So wird nachhaltig saniert.

Mit der Analyse des Ist-Zustands von Wandaufbau und Altsystem ­beginnen.

Die Ertüchtigung bestehender Dämmsysteme verbessert in jedem Falle den Schallschutz.

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