Kalksandstein

Von der Asphaltwüste zur grünen Wohnoase

Jahrzehntelang prägten große Firmen wie Quelle den Stadtteil Eberhardshof im Nürnberger Westen. Eine starke Verdichtung, Gewerbe und Wohnen in direkter Nachbarschaft zeichneten den Ort aus. Mit dem Niedergang des Versandhauses verlor auch das Firmengelände, eine riesige, weitestgehend versiegelte Fläche, ihre Daseinsberechtigung. Mit der Fertigstellung eines neuen Quartiers, den Eberhardshöfen, setzte das Zirndorfer Wohnungsbauunternehmen GS Wohnen hier nun ein Zeichen für nachhaltige Veränderung.

Der Nürnberger Stadtteil Eberhardshof wurde bis in die 1990er Jahre überwiegend industriell genutzt und war durch eine dichte Bebauung und rar gesäte Grün- und Freiflächen geprägt. Seit der Insolvenz des Quelle-Konzerns im Jahr 2009 ist das ehemalige Firmengebäude – das zweitgrößte leerstehende Gebäude in Deutschland – ungenutzt. Und auch die angrenzenden Mitarbeiter-Parkplatzflächen von rund einem Hektar Größe wurden zu einer funktionslosen, grauen Asphaltwüste.

Bereits vor einigen Jahren entschied die Stadt Nürnberg, die Brachflächen nachhaltig und für alle Bürger*innen nutzbar zu machen. So entstand auf einem Abschnitt des Quelle-Parkplatzes ein grüner Quartierspark, der die Weststadt aufwertet und eine qualitativ hochwertige Naherholungsfläche bietet. Außerdem tragen die großflächige Entsiegelung der ehemaligen Asphaltflächen und die Bepflanzung des neu gewonnenen Raums zu einer deutlichen Verbesserung des innerstädtischen Klimas bei.

Zusammenspiel von Freizeit und Wohnen

Doch nicht nur der Erholung, auch dem Leben sollten die Flächen des ehemaligen Erfolgsunternehmens Platz bieten: „Nachhaltige Stadtentwicklung erfordert einen Nutzungsmix mit hoher Aufenthaltsqualität“, weiß Wolfgang Grytz, Geschäftsführer von GS Wohnen. „Eine gute Architektur in Kombination mit attraktiven öffentlichen Räumen setzt an dieser Stelle wichtige Impulse.“ Auf dem anderen, rund 17.500 m² großen Bereich der ungenutzten Asphaltflächen trug die GS Wohnen mit den Eberhardshöfen aus diesem Grund einen weiteren Baustein zur zukunftsfähigen Stadtentwicklung bei. Denn Wohnraum ist begehrt und entsprechend teuer in der zweitgrößten Stadt Bayerns, deren Mietspiegel nicht weit hinter Metropolen wie München, Frankfurt oder Düsseldorf liegt.

Und so wurden auf dem Gelände in zwei Bauabschnitten insgesamt 360 hochwertige Wohnungen von 34 bis über 160 m² Größe geplant: 110 geförderte sowie 70 freifinanzierte Mietwohnungen und 180 Zwei- bis Fünf-Zimmer-Eigentumswohnungen bieten ab sofort hochwertigen Wohnraum für Familien, Singles und Paare. Die flexiblen Grundrisse lassen sich an die jeweilige Lebenssituation anpassen: „Wohnungsneubauten müssen zukünftig noch nachhaltiger gestaltet werden, um lebenswerte, lebendige Quartiere zu schaffen. Dabei darf man die unterschiedlichsten Lebensentwürfe der Menschen nicht außer Acht lassen“, erklärt Grytz. „Trotz der Verdichtung wollten wir ein attraktives und gesundes Wohnen ermöglichen.“ Balkone, kleine Gärten und großzügige Dachterrassen bieten private Rückzugsbereiche und Schaffen eine Verbindung zwischen dem Inneren und dem grünen Außenraum.

Hochwertig und grün

Die im 2. Abschnitt errichteten klaren, gradlinigen Neubauten mit drei bis acht Geschossen bilden den Rahmen für das Grundstück und greifen dabei die für Nürnbergs Innenstadt typische Blockrandbebauung auf. Die zeitlose Architektur orientiert sich an der Bautypologie und Höhe der nachbarschaftlichen Gebäude. Höhenversätze sowie Vor- und Rücksprünge erlauben eine klare Ablesbarkeit der Struktur der einzelnen Gebäude, deren Hauptbaukörper im weißen Farbton gehalten sind, während die etwas höheren Gelenkkörper farblich grau abgesetzt wurden. Durch hochwertige Detailausführungen, Öffnungen in den Fassaden, die den Blick in die großen, begrünten Innenhöfe gewähren, und Variationen der Farbgebung, nehmen die Neubauten wie selbstverständlich ihren Platz im Stadtgefüge ein.

„Seit den ersten Entwürfen unserer Planung stehen für uns die Bewohner im Fokus, die künftig in diesem neu gestalteten Stadtteil leben werden. Wir haben uns hohe Maßstäbe gesetzt, was Architektur, Grundrissgestaltung und natürlich auch Nachhaltigkeit betrifft“, so Grytz. „Dabei sind Kriterien wie etwa die Lebenszykluskosten und die Wertstabilität eines Gebäudes entscheidend.“ Diesen Werten folgend, wurden die Eberhardshöfe als Effizienzhaus 55 in massiver KS-Bauweise realisiert. 

Das Besondere hierbei ist die zielgenaue und kostensparende Trennung in Bauteilschichten. Dadurch lassen sich die Außenwände aus Kalksandstein problemlos an die jeweiligen Anforderungen anpassen, was Zielkonflikte zwischen Wärmeschutz und anderen Anforderungen wie Statik, Schall- und Brandschutz vermeidet. „Wir haben uns aus verschiedensten Gründen für Kalksandstein von KS-ORIGINAL entschieden“, berichtet Wolfgang Grytz. „Kalksandstein ist ein recyclingfähiges Produkt aus natürlichen Rohstoffen, das regional gefertigt wird. Der massive Stein ermöglicht uns ein wirtschaftlich optimiertes, flächensparendes Bauen, besitzt eine hohe Tragfähigkeit und ist in punkto Schall- und Lärmschutz sowie dem hohen baulichen Brandschutz besonders gut aufgestellt.“

Natürliche Baustoffe für nachhaltige Lebensqualität

Eine der großen Herausforderungen besteht darin, dass Architektur und lebenswerter Wohnraum nicht nur durch ästhetische Qualitäten überzeugen sollten, sondern auch in gleichem Maße dauerhaft umweltverträglich und nachhaltig sein müssen. „Daher ist es ideal, wenn man schon im Entwurfsprozess Faktoren wie geringe Instandhaltungskosten, hohe Werthaltigkeit und aber auch einen möglichen Rückbau bedenkt“, so Grytz. „Unsere Qualitätsstandards müssen nachhaltig sichergestellt werden. Denn schließlich sollen unserer Wohnungen über die nächsten Jahrzehnte hinweg allen Bewohnern hochwertigen und lebenswerten Wohnraum bieten.“

Kalksandstein bietet dafür mit seiner Robustheit, die auf rein natürlichen, schadstofffreien Rohstoffen beruht, beste Voraussetzungen. Denn dieser trägt während einer Lebensdauer von 100 Jahren und mehr auch zu einem gesunden Raumklima bei. Über ihre Speichermasse nehmen die Steine Wärme sowie Luftfeuchtigkeit aus dem Innenraum auf und geben sie zeitversetzt wieder ab. Und im Falle eines Rückbaus lassen sie sich problemlos recyceln und kommen etwa zerkleinert im Straßenbau, sortenrein aber bereits heute auch bei der Produktion neuer Steine zum Einsatz.

Auch sonst setzen die Eberhardshöfe in Sachen Ökologie zukunftsweisende Maßstäbe: Zu der massiven und nachhaltigen KS-Bauweise erhielten die Gebäude eine intensive Dachbegrünung in Kombination mit einem innovativen Entwässerungskonzept. „Das Dach nimmt Regenwasser über die Dachbegrünung effizient auf, leitet es langsam ab und führt es dem Innenhof zu, wo es unterirdisch versickert. Die ökologische Alternative zur herkömmlichen Dachversiegelung reduziert nicht nur die Wartungskosten, sondern filtert Feinstaub und ist gleichzeitig ein natürlicher Hitzeschild im Sommer“, führt Wolfgang Grytz aus. „Gerade im innerstädtischen Bereich müssen wir alle langfristig nachhaltig denken und planen, da diese Konzepte maßgeblich das zukünftige Zusammenleben beeinflussen.“

„Kalksandstein ist ein recyclingfähiges Produkt aus natürlichen Rohstoffen, das regional gefertigt wird. Der massive Stein ermöglicht uns ein wirtschaftlich optimiertes, flächensparendes Bauen.“

Zu der massiven und nachhaltigen KS-Bauweise erhielten die Gebäude eine intensive Dachbegrünung in Kombination mit einem innovativen Entwässerungskonzept.

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