Vom Gebäude zum Quartier

Im Gebäudebestand liegen erhebliche Potenziale zur Energieeinsparung. Ausschließlich auf das Einzelgebäude bezogene Ansätze reichen aber heute nicht mehr aus, um die ehrgeizigen Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Ziel ist es, den CO2-Ausstoß bis 2050 bezogen auf 1990 um 80 bis 95% senken. Unter dem Leitmotiv „Vom Einzelgebäude zum Quartier“ ist mit dem KfW-Programm „Energetische Stadtsanierung“ bereits seit Ende 2011 das Quartier als zentrale Handlungsebene in den Fokus gerückt.

Mit diesem Förderprogramm können Kommunen Zuschüsse zur Entwicklung integrierter Quartierskonzepte mit aufeinander abgestimmten Einzelmaßnahmen für die Quartierssanierung beantragen. Ebenfalls gefördert wird ein Sanierungsmanagement, das die Umsetzung der Konzepte vor Ort begleitet und vorantreibt. In den Konzepten können Potenziale zur Energieeinsparung, Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien im Quartier gleichermaßen betrachtet und je nach Ausgangssituation passende Lösungen entwickelt werden. Auch Wohnungsunternehmen, kommunale Versorger und Gemeinschaften von Einzeleigentümern können selbst die Initiative ergreifen und über die Kommune Fördermittel beantragen. Eine Begleitforschung – ein interdisziplinäres Team aus Büros mit den Kernkompetenzen Stadtplanung, Beteiligung, Energieeffizienz – flankiert im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) seit 2013 bundesweit 63 Pilotquartiere. Darüber hinaus dient das KfW-Programm „Energetische Quartiersversorgung“ (Nr.201, 202) einer langfristigen und zinsgünstigen Finanzierung von energieeffizienten Investitionen in die quartiersbezogene Wärme- und Kälteversorgung sowie Wasserver- und Abwasserentsorgung.

Das BMUB hat das Programmjubiläum zum Anlass genommen, 2016 zu einer Zwischenbilanzierung in das Café Moskau nach Berlin einzuladen. Mit über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Politik, Verbänden und Praxis sowie Gästen aus dem Ausland stieß der Kongress auf hohes Interesse. Der erste Tag bot eine umfassende politische und fachliche Bilanz zur Programmumsetzung. Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks hob in ihrer Eingangsrede die Bedeutung des Förderprogramms für die Energieeffizienz im Gebäudebestand hervor. Zudem schaffe es die Möglichkeit, den Klimaschutz, den demografischen Wandel und die Belange des bezahlbaren Wohnens gleichermaßen zu berücksichtigen. Die Diskussionen mit Politik und Verbänden zeigten einen hohen Konsens zur Struktur und Zielsetzung des Förderprogramms, für das bis heute bundesweit über 550 Kommunen Fördermittel von der KfW für integrierte energetische Quartierskonzepte erhalten. In rund einem Fünftel der Kommunen ist bereits ein Sanierungsmanagement im Einsatz. Betont wurde von Frau Dr. Hengster, Mitglied des Vorstands der KfW, dass es sich um ein lernendes Programm handele, das laufend an die aktuellen Bedingungen angepasst werde: So kann das Sanierungsmanagement seit Dezember 2015 nicht nur drei, sondern bis zu fünf Jahre mit Zuschüssen gefördert werden.

Am zweiten Kongresstag – Die Energetische Stadtsanierung weiterdenken – konnten zentrale Einzelthemen der Energetischen Stadtsanierung anhand von Praxisbeispielen vertieft werden: Diskutiert wurden Strategien zur Aktivierung von Einzeleigentümern, Konzepte zur Finanzierung energetischer Maßnahmen und Vernetzung der Ebenen Quartier, Stadt und Region. Ein Blick in das europäische Ausland zeigte, dass auch dort der Quartiersansatz auf großes Interesse stößt. Die stellvertretende Umweltministerin der Republik Litauen, Daiva Matoniene betonte im Rahmen eines internationalen Kongresspanels, wie wichtig die Umsetzung eines Quartiersansatzes für die energetische Stadtsanierung in Litauen sowie eine energiepolitische Unabhängigkeit sei. Mit finanzieller Unterstützung des Beratungshilfeprogramms (BHP) des BMUB für den Umweltschutz in Staaten Mittel- und Osteuropas hat die Regierung der Republik Litauen im Juli 2016 Empfehlungen verabschiedet, die das Verfahren zur Umsetzung von Programmen zur Steigerung der Energieeffizienz in Quartieren beschreiben. Vorbild dafür stellte die Programmsystematik des KfW-Programms dar. Für die weitere Zusammenarbeit zur Förderung von innovativen Maßnahmen im Bereich des Umweltschutzes wurde zudem ein Rahmenabkommen zwischen dem BMUB und dem Umweltministerium der Republik Litauen unterzeichnet.

Neben der im Ergebnis hohen Zustimmung zum Förderprogramm wurde aber auch deutlich, dass die Umsetzung der Quartierskonzepte in den Kommunen kein Selbstläufer ist. Dem Sanierungsmanagement kommt hierbei als zentrale Schnittstelle zwischen Kommune und den Akteuren im Quartier eine Schlüsselrolle zu.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Je nach Quartier und Ausgangslage reichen die Aufgaben von Vernetzungsaktivitäten, der Erstansprache von Eigentümern bis zur Information über Fördermöglichkeiten. Eine wichtige Aufgabe in vielen Quartieren ist es, Kleineigentümer für die energetische Sanierung zu gewinnen. Erste gute Erfahrungen wurden hierbei mit Quartierskampagnen gemacht.

Der Informations- und Austauschbedarf zum Förderprogramm ist hoch. Dies zeigte nicht nur der Kongress, sondern auch die vielen gut besuchten Regionalkonferenzen und Workshops der Begleitforschung. Die interdisziplinäre Ausrichtung und die vergleichsweise komplexen Inhalte eines energetischen Konzeptes sind für viele, nicht nur kommunale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, häufig Neuland. Gefragt sind außerdem umgesetzte gute Beispiele, die anderen interessierten Kommunen zur Anregung für Quartierslösungen dienen können.

Damit die Umsetzung des Quartiersansatzes wirklich gelingen kann, sind viele gefragt und es müssen „dicke Bretter“ gebohrt werden. Die bisherige Programmbegleitung hat gezeigt, dass Finanzierungsmöglichkeiten vielfach vorhanden, aber nicht immer allen bekannt sind.

Barbara Crome und Beate Glöckner
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
Referat SW II 2 Wohnen im Alter, Wohnungsgenossenschaften, Energetische Stadtsanierung
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