Stadthäuser

Schöner Wohnen in der Bauhausstadt

Mit Stadthäusern will die Wohnungsgenossenschaft Dessau neue Mieterzielgruppen an sich binden. Die Chancen dazu stehen gut, denn mit dem Angebot schließt sie eine Lücke auf dem sich langsam wandelnden Wohnungsmarkt.

Das 100-jährige Jubiläum der prägenden Design- und Architekturschule Bauhaus hat Dessau im vergangenen Jahr viel Aufmerksamkeit beschert: Knapp 13 Prozent mehr Besucher als im Vorjahr kamen in die rund 80.000 Einwohner zählende Mittelstadt an der Mulde, darunter auch zahlreiche internationale Gäste. So viel Beachtung findet Dessau selten. Und wenn, dann meist wegen negativ besetzter Themen wie Leerstand, Überalterung und Abwanderung.

Dass die einstige Residenzstadt der Fürsten von Anhalt und später wichtige Wirtschaftsmetropole im mitteldeutschen Raum im Laufe ihrer Geschichte ein Ort war, an dem Wagemutige Neues ausprobierten, so zum Beispiel der Luftfahrtpionier Hugo Junkers, der in Vergessenheit geratene Automobilkonstrukteur Friedrich Lutzmann sowie natürlich die Bauhaus-Künstler, und heute bestrebt ist, erneut Wissbegierige für sich zu gewinnen, ist kaum bekannt. Eine, die den Wandel der Stadt im Bereich des Wohnungsbaus aktiv vorantreibt, ist die Wohnungsgenossenschaft Dessau. Mit modern ausgestatteten Stadthäusern möchte sie ein anspruchsvolles Mieterklientel adressieren, für das der örtliche Wohnungsmarkt bisher keine adäquaten Angebote hat. 

Moderner Wohnraum ist Mangelware

Dank attraktiver Arbeitgeber im Bereich Pharmazie, dem Umweltbundesamt, dem Städtischen Klinikum und der Hochschule Anhalt ziehen neben Fach- und Führungskräften im Alter zwischen 26 und 59 Jahren auch Studierende und Auszubildende in das Oberzentrum. Dieser Trend verändert den Wohnungsmarkt: Während gut 14 Prozent der überalterten Bestandsbauten leerstehen, ist die Nachfrage nach modernem Wohnraum konstant hoch.

Nach Erhebungen des Bauindustrieverbands Ost lag die Bedarfdeckungsquote in 2019 gerade einmal bei 25,7 Prozent und damit weit unterhalb dessen, was eigentlich in Dessau hätte gebaut werden müssen. Zum Vergleich: In den beiden anderen kreisfreien Städten Sachsen-Anhalts, Halle und die Landeshauptstadt Magdeburg, lag sie bei 34,1 bzw. fast 100 Prozent. Gerade in der Innenstadt fehlen zeitgemäße Angebote. Die will die Wohnungsgenossenschaft Dessau in ihrem neuen Wohnquartier mit Stadthäusern schaffen, ein in westdeutschen Großstädten unter dem Begriff „Townhouses“ im Trend liegender Wohntyp, der auf dem Dessauer Immobilienmarkt bislang unbekannt ist.

Neue Chancen auf alter Fläche

Die Zukunft des neuen Wohnens beginnt strategisch hervorragend gelegen: Nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof und dem berühmten Bauhausgebäude entfernt wird die Wohnungsgenossenschaft Dessau auf dem 8.000 Quadratmer umfassenden Areal des ehemaligen Arzneimittelwerks an der Jahn-, Ecke Liebknecht- und Luxemburgstrasse zwei Eckbebauungen (Haus 1 und Haus 2) sowie fünf durch Laubengänge verbundene Zweieinhalb-Geschosser (Haus 3) realisieren.

Eine Besonderheit stellt die Umnutzung des denkmalgeschützten Verwaltungsgebäudes entlang der Jahnstrasse (Haus 4) in neun Stadthäuser mit Wohnflächen zwischen 90 und 140 Quadratmetern dar, wozu unter anderem die Grundrisse der zur Zeit noch gewerblich genutzten Einheiten behutsam angepasst werden müssen. Insgesamt sollen 75 Mietwohnungen entstehen. Hinzu kommen Spielflächen und 60 Tiefgaragenstellplätze. Der Startschuss für das ambitionierte mit 18 Mio. Euro budgetierte Bauvorhaben wird voraussichtlich 2021 fallen.

Den Mittelstand im Blick 

Für Nicky Meißner, den Vorstandsvorsitzenden der Wohnungsgenossenschaft, die seit über 100 Jahren in Dessau verwurzelt ist, bietet das Projekt die Möglichkeit, die Wohnwünsche unterschiedlichster Mietergruppen erfüllen zu können. „Das Angebot wird so ausgerichtet sein, dass es den Bedürfnissen sowohl von Studenten und jungen Familien als auch von Älteren entspricht.“ Das Ziel sei, ein lebendiges Wohnquartier in zentraler Lage zu schaffen, in dem sich alle Generationen wohlfühlen. Als zukünftige Bewohner der Stadthäuser hat er Führungskräfte aus dem mittleren Management im Blick, die bisher zur Arbeit nach Dessau pendeln, Vertreter der Generation 60plus, die im Alter statt in der Region lieber in der Stadt leben möchten, und Paare mit einem oder zwei Kind(ern).  

Potenziale sind vorhanden 

Die Strategie, Wohnraum für Anspruchsvolle in bester Citylage anzubieten, könnte aufgehen, denn das Potenzial dafür ist in der Bauhausstadt durchaus vorhanden, trotz des demografischen Wandels (mit 49,3 Jahren haben die Einwohner das zweithöchste Durchschnittsalter der gesamten Republik) und des prognostizierten Bevölkerungsrückgangs (bis 2025 um etwa 13.500 Menschen): Mit IDT Biologika ist hier laut Business-Ranking 2018 des Magazins „Focus“ einer der besten Arbeitgeber Sachsen-Anhalts ansässig. Außerdem bietet das Spezialcluster Biopharmapark viele Tausend gut bezahlte Jobs. Zudem gibt es einen dynamischen Mittelstand und eine ausbaufähige Gründerszene. Darüber hinaus ist das Lohnniveau mit einem Plus von 3,6 Prozent in keiner anderen Stadt des Bundeslandes stärker gestiegen. Aktuell liegt das durchschnittliche Jahreseinkommen bei 35.500 Euro. Alles attraktive Standortvorteile, mit denen sich einige der täglich in die Stadt strömenden 13.000 Pendler als Neubürger - und zahlungsbereite Mieter - gewinnen lassen sollten.   

Spitzenmieten im Neubau   

Die Mietpreisentwicklung spricht ebenfalls dafür, dass die Dessau im Aufwind ist und zeitgemäße Wohnqualität etwas kosten darf: Lagen die Angebotsmieten in 2004 im Schnitt bei knapp 4 Euro pro Quadratmeter, beginnen sie heute im Spitzensegment bei 7 Euro. Für hochwertige Neubauwohnungen lassen sich auch 10 Euro erzielen. Ein Beispiel für den positiven Trend ist das 2017 fertiggestellte Projekt „Bauhausblick“ der Wohnungsgenossenschaft Dessau, das fast via-a-vis der weltbekannten UNESCO-Welterbestätte liegt: Alle 39 Einheiten sind vermietet, auch die sieben mit Wohnflächen von 90 Quadratmetern aufwärts, zu Preisen zwischen 8 und 9 Euro. Dass sich hier modern ausgestattete, großzügig geschnittene Miet-Eigenheime mit Garten in Top-Lage zu erschwinglichen Preisen realisieren lassen, dürfte nicht lange ein Geheimtipp bleiben  – weder bei potenziellen Mietern noch bei anlagefreudigen Investoren.

Ziel ist es, ein lebendiges Wohnquartier in zentraler Lage zu schaffen, in dem sich alle Generationen wohlfühlen.

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2017-09 Aushang

Wie nutzen die Mieter Digitale Bretter im Treppenhaus?

Die mieterinfo.tv Kommunikationssysteme GmbH hat bei der Hannoveraner Wohnungsgenossenschaft Kleefeld-Buchholz eG untersucht, wie häufig Digitale Bretter genutzt werden und welche Inhalte die...

mehr

Richtfest: Krone weht über 16 Stadthäusern in Wildau

Die Berliner BAUWERT Aktiengesellschaft (www.bauwert.de) feierte jetzt das Richtfest für 16 Stadthäuser in der brandenburgischen Stadt Wildau. Mit der Zeremonie nähert sich der dritte und letzte...

mehr

Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Wohnungsmieten steigen langsamer

Die Mieten inserierter Wohnungen sind deutschlandweit im ersten Halbjahr 2019 gemessen am Vorjahreszeitraum um 4,4 % gestiegen – auf 8,70 Euro pro Quadratmeter nettokalt. Im ersten Halbjahr 2018...

mehr

Wohnungsgenossenschaft Kleefeld-Buchholz: Mieterkommunikation – der digitale Busfahrplan im Treppenhaus

Viele Wohnungsunternehmen setzen heute auf interaktive Bildschirme im Treppenhaus, um die herkömmlichen Papieraushänge zu ersetzen. Darauf werden zum Beispiel Informationen rund um das Haus oder...

mehr

mieterinfo.tv: Wie nutzen die Mieter Digitale Bretter im Treppenhaus?

In vielen Wohnungsgesellschaften ersetzen heute Digitale Bretter den Papier-Aushang im Treppenhaus. Die mieterinfo.tv Kommunikationssysteme GmbH & Co. KG (www.dasdigitalebrett.de) hat nun untersucht,...

mehr