Planung von Spielplätzen für größere Kinder


Viele Planer finden es schwierig, geeignete Au­­ßen­aktivitäten für 10-15 Jährige anzubieten. Die Erkenntnisse des Kompan Spiel Instituts können der Wohnungswirtschaft helfen, ihre Objekte attrak­tiver zu gestalten.

Wie fühlte es sich an, als man 15 Jahre alt war? Was war einem wichtig und was mochte man nicht? Solche Fragen sind die größte Herausforderung für Planer, wenn sie ansprechende öffentliche Bereiche für Jugendliche planen. Die sozialen und physischen Bedingungen für Jugendliche haben sich jedoch innerhalb der letzten 30 Jahre stark verändert. Die Planer können sich deshalb nicht komplett auf ihre eigenen Erinnerungen als Inspiration stützen. An erster Stelle müssen sie den Jugendlichen zuhören, damit sie gute Plätze planen können.

Unterschiedliche Studien haben bewiesen, dass europäische Jugendliche seit den 1970er Jahren an Schnelligkeit, Ausdauer und Kraft verloren haben. Sie sind weniger aktiv als die Jugendlichen vor 30 Jahren. Die Regierungen versuchen, diesen Ergebnissen entgegen zu wirken, indem sie in Sporteinrichtungen in-vestieren und die Anzahl der Sportstunden im Schulsport erhöhen. Dies sind gut gemeinte Initiativen, aber sie entstehen aus der Perspektive der Erwachsenen und nicht aus der der Jugendlichen. Kurz gesagt, der Sport, den die Generation der Erwachsenen genossen hat, ist für viele Jugendliche von heute zu anstrengend und demotiviert sie. Forscher der Sportmedizin schlussfolgern, dass die Lösung darin besteht, die Möglichkeiten für junge Menschen zu erhöhen. So nehmen sie an selbst gewählten Aktivitäten teil, welche ihnen die Option gibt, körperlich aktiv zu sein – wie auf Spielplätzen. Kompan investiert in die ideale physische Außenumgebung für Jugendliche – betrachtet aus ihrer eigenen Perspektive. Intensive Studien des Unternehmens erfolgten in Dänemark, Großbritannien und den Niederlanden mit insgesamt 1 040 Jugendlichen im Alter von 13 bis 16 Jahren. Dabei wurde festgestellt, dass es in diesen Ländern kaum Unterschiede gibt.

 

Die verschiedenen Interessen

Die drei größten Übereinstimmungen waren, dass die Jugendlichen gerne draußen sind, Plätze in der Nähe ihres Zuhauses bevorzugen und spielerische Umgebungen mögen. Die Untersuchung zeigte ebenfalls interessante Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Mädchen bevorzugen Spielaktivitäten wie Schaukeln, Klettern und Drehen, während Jungen sich eher für Ballspiele und Klettern sowie Fitness interessieren. Die bei Planern beliebten Skateboard-Rampen finden bei Jungen weniger Anklang als erwartet und stoßen bei Mädchen auf fast kein Interesse. Beide Geschlechter jedes Alters sind sich darüber einig, dass die Aktivitätsflächen von Zuhause aus mit dem Fahrrad gut zu erreichen sein sollten und eine Auswahl an Spielmöglichkeiten bieten sollten. Die Mehrzahl behauptete, dass zum Zeitpunkt der Befragung zu wenige Plätze für sie bestehen. Basierend auf der Studie und den Erfahrungen von erfolgreichen Initiativen in Europa, hat wurden sechs Leitlinien für einen erfolgreichen Spielplatz-Standort aufgestellt – einer Außenfläche für Jugendliche, um sich zu treffen und aktiv zu sein. Mit der Kampagne „Nowhere to go“ hofft das Kompan Spiel Institut, die Planer zu inspirieren und zunehmend vielseitige Plätze für junge Menschen zu schaffen, damit diese einen Platz haben, wohin sie in Zukunft gehen können.

Sechs Grundsätze für einen erfolgreichen

Spielplatz-Standort

– Beziehen Sie die Jugendlichen und die Gemeinde mit ein

Jugendliche mit einzubeziehen erzeugt ein Gefühl der Mitverantwortung, des Besitzes sowie des konstruktiven Zwischenspiels und dämmt die Gefahr von Vandalismus ein. Fragen Sie: Was möchtest du in dem neuen Bereich machen? (Nicht: Welches Gerät möchtet ihr bekommen?). Beziehen Sie die Nachbarschaft, die Gemeinde aber auch soziale Dienste, Schulen und die Polizei in Problembezirken mit ein.

– Wählen Sie die richtige Lage

Bekommen Sie heraus, welches die richtige Lage ist, damit das Projekt erfolgreich wird. Finden Sie einen Platz, der es Jugendlichen erlaubt, zu beobachten und selbst gesehen zu werden, ohne jemanden zu stören oder selbst gestört zu werden. Orte, an denen die Jugendlichen unter sich sind, aber dennoch zentral, sind geeignet. Involvieren Sie die Jugendlichen in die Wahl der richtigen Lage. Reduzieren Sie die Entfernungen: Jugendliche bevorzugen Orte, die sie von Zuhause aus bequem mit dem Fahrrad erreichen können.↓

– Machen Sie Platz für soziale Aktivitäten

Gleichaltrige zu treffen ist das größte Verlangen dieser Altersgruppe. Zu einem er­­­folg­­reichen Spielplatz-Standort gehören da­­her unterschiedliche Treffpunkte. Schaffen Sie Sitzgelegenheiten und gemütliche Ecken. Denken Sie an die Mädchen: Sie möchten häufig zu zweit oder in kleinen Gruppen zusammen sitzen und dabei die Möglichkeit haben, die anderen bei ihren Aktivitäten zu beobachten. Kom­binieren Sie diese Sitz­­gelegenheiten so, dass die Jugendlichen dennoch aktiv sein können – z.B. hin- und herschwingen. Überdachte Bereiche sorgen dabei für Schatten und Regenschutz.

– Bieten Sie körperliche Aktivitätsmöglichkeiten

Bieten Sie den Ju­­gendlichen eine Auswahl. Vergessen Sie dabei nicht die Mädchen, denn Ballspiele, Skateboard fahren und Aktivitäten, bei denen man ins Schwitzen kommt, finden eher die Jungen interessant.

– Bieten Sie eine sichere Umgebung

Achten Sie darauf, dass der Platz sauber und gut gewartet bleibt, denn dies gibt den Ju­­gendlichen ein Gefühl der Sicherheit. Berücksichtigen Sie auch die Beleuchtung des Platzes, denn auch Licht gibt Sicherheit. Da die Angst und die Gefahr vor gewalttätigen Ju

gendlichen bei den Eltern und den Jugendlichen besteht, erwägen Sie auch einen Aufseher für den Platz.

– Schaffen Sie eine jugendliche Atmosphäre

Benutzen Sie Elemente, welche die Jugend symbolisieren, denn die Atmosphäre ist ausschlaggebend für den Erfolg einer Umgebung. Gestalten Sie einen attraktiven Platz. Häufig haben Jugendliche Ideen, wie sie sich eine attraktive Umgebung vorstellen. Die angebotenen Aktivitäten sind zudem ebenfalls ausschlaggebend für die Atmosphäre des Platzes.


Einen Platz für sich

Diese sechs Grundsätze sind die Mindestanforderungen, wenn es darum geht, einen geeigneten Platz für Kinder im Alter von 10-15 Jahren zu erstellen. In der Praxis müssen die Schwerpunkte nach den verschiedenen Bedürfnissen der Jugendlichen sicher unterschiedlich gewichtet werden.

Mädchen bevorzugen Spielaktivitäten wie Schaukeln, Klettern und Drehen, während Jungen sich eher für Ballspiele und Klettern sowie Fitness interessieren.

Die bei Planern beliebten Skateboard-Rampen finden bei Jungen weniger Anklang als erwartet.

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