Stadtteilplanung

München wird um 8000 Wohnungen reicher

Im neuen Münchner Stadtteil Freiham entsteht ein Quartier für über 25.000 Menschen. Neben Wohnungen, einem Bildungscampus und Zentrum mit Verkaufsflächen und Gastronomieangeboten wird das neue Viertel ausreichend Raum für Erholung sowie Kultur- und Sportaktivitäten bieten.

München ist die Stadt mit der höchsten Lebensqualität in Deutschland – so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Mercer. Gleichzeitig zählt die bayerische Hauptstadt seit Jahren zu den deutschen Metropolen mit dem größten Wohnraumbedarf. Die Hauptgründe liegen in der Zuwanderung, der steigenden Attraktivität der Stadt für jüngere Menschen und Studenten sowie der Zunahme der Single-Haushalte. All das verstärkt die ohnehin angespannte Situation am Wohnungsmarkt und erfordert aktives Engagement von der Stadt, Politik und Wirtschaft. Mit der Entwicklung eines neuen Stadtteils in Freiham schafft München für die Einwohner der Region einen urbanen und nachhaltigen Lebensraum. Das Ziel der Stadt ist es, ein Quartier zu bauen, das hohe ökonomische, ökologische und soziale Anforderungen erfüllt.

Von Süd nach Nord

Freiham liegt am westlichen Stadtrand von München und ist eine der letzten großen zusammenhängenden Flächen innerhalb der Stadtgrenzen. Das Areal entspricht etwa 250 Fußballfeldern und ist in zwei Bereiche unterteilt. Im südlichen Teil des Gebiets wird seit 2005 ein Gewerbestandort mit etwa 7500 Arbeitsplätzen realisiert. Viele Fachmärkte sowie Gewerbe- und Handwerksbetriebe haben sich dort bereits angesiedelt. Nun soll auch die 190 ha große Fläche im Norden als Wohnstandort erschlossen und entwickelt werden.

Aufgrund seiner Größe und Komplexität wird das Vorhaben Freiham-Nord in zwei großen Schritten geplant und umgesetzt. Im ersten Abschnitt mit circa 85 ha entstehen etwa 4000 Wohneinheiten für rund 10.000 Menschen. Die Mischung reicht dabei vom Geschosswohnungsbau bis hin zu gemischten Wohnformen bei Gebäudehöhen von zwei bis neun Geschossen. Darüber hinaus werden ein Bildungscampus mit drei Schulen für rund 3500 Schüler, zwei zusätzliche Grundschulen, über 20 Kindertageseinrichtungen, ein großer Sportpark für den Schul- und Freizeitsport sowie ein Quartierszentrum mit Verkaufsflächen und Gastronomieangeboten errichtet.

Das städtebauliche Konzept umfasst außerdem ein Bürgerzentrum sowie Flächen für Hotel- und Büronutzung. Platz für Grünanlagen ist ebenfalls vorgesehen. Die Planung für diesen Realisierungsabschnitt wurde 2016 abgeschlossen. Die ersten Baumaßnahmen laufen bereits auf Hochtouren. Für Gebäudeentwürfe zeichnen unterschiedliche re­­­nommierte Architekturbüros verantwortlich wie unter anderem Felix Schürmann und Ellen Dettinger Architekten sowie 03 Architekten GmbH aus München, Ortner & Ortner Baukunst aus Berlin und das Wiener Büro „AllesWirdGut“..

Der zweite Realisierungsabschnitt umfasst ein etwa 55 ha großes Areal. Dort sollen weitere 4000 Wohneinheiten sowie Schulen und Kindergärten entstehen. Noch dieses Jahr startet der städtebauliche Wettbewerb, der als Grundlage für die Rahmenplanung dient. Nach seiner Umsetzung sollen hier über 10.000 Menschen aller Altersgruppen leben und arbeiten.

Umweltfreundlich und sicher ans Ziel

Sehr großen Wert legt die Landeshauptstadt München bei ihrem Vorhaben auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. So soll der künftige Wärmebedarf von Freiham durch kohlendioxidarme Erdwärme gedeckt werden. Dafür wird ein etwa 2300 m unter der Erde liegendes Heißwasservorkommen angezapft. Durch Nutzung dieser natürlichen Wärme will die Stadt rund 22.500 t Kohlendioxid pro Jahr einsparen. Zahlreiche Solaranlagen sollen zur effizienten Energienutzung zusätzlich beitragen.

Um dieses komplexe Planungsvorhaben zu meistern, setzt die Stadt München auf Steuerungsunterstützung von Drees & Sommer. Die Experten für Entwicklungs- und Infrastrukturberatung begleiten das Projekt seit 2016 und stehen der verwaltungsinternen Gesamtprojektleitung bei Projektsteuerung und -management zur Seite. Analyse der Projektstruktur, laufender Soll-Ist-Vergleich sowie Termin- und Kostensteuerung gehören unter anderem zu ihren Aufgaben. Neben der Größe und dem langfristigen Realisierungszeitraum des Projekts stellen die Vielzahl der Beteiligten sowie ökonomische und ökologische Aspekte eine besondere Herausforderung dar.

Stadt der kurzen Wege

Seine ersten neuen Bewohner kann der Stadtteil Freiham bereits im Herbst 2019 begrüßen. Durch das Quartierszentrum in der Mitte der Siedlung und auf das gesamte Gebiet verteilte soziale Einrichtungen wie Schulen und Kitas entwickelt sich Freiham-Nord zur Stadt der kurzen Wege. Das durchdachte Verkehrskonzept sieht eine breite Auswahl an Mobilitätsangeboten vor und fördert die Nutzung von öffentlichen und umweltfreundlichen Verkehrsmitteln. Dank der bereits eingerichteten S-Bahn-Haltestelle ist Freiham an übergeordnete öffentliche Verkehrsmittel angebunden. Ein Autobahnanschluss soll das neue Stadtquartier auch für Pendler und Berufsreisende attraktiv machen.

Trotz seiner Lage am Stadtrand wird der künftige Stadtteil nicht abgeschieden sein. Das Entwicklungsgebiet Freiham schließt an den Stadtteil Aubing an. Westlich des Wohngebiets entsteht zudem ein etwa 55 ha großer Landschaftspark mit vielfältigen Erholungsangeboten sowie Fuß- und Radwegen.

Mit Freiham-Nord entwickelt die Stadt München ein grünes und lebendiges Viertel mit bezahlbarem Wohnraum. Die Stadt München zielt mit ihren wohnungspolitischen Programmen „Wohnen in München V und VI“ darauf ab, die Anzahl der Wohnungsfertigstellungen deutlich zu erhöhen, neue Förderkonzepte zu entwickeln und ein breites Wohnungsangebot für verschiedene Einkommensgruppen zu ermöglichen. Dabei werden unter anderem städtische Grundstücke in Zukunft hauptsächlich an die eigenen Wohnungsgesellschaften gehen, private Investoren werden über mehrere Jahrzehnte zu günstigen Mieten verpflichtet. In den nächsten Jahren nimmt Freiham immer mehr an Gestalt an und soll bis 2035 vollständig fertiggestellt werden.

Für den Wärmebedarf wird ein etwa 2300 m unter der Erde ­liegendes Heißwasservorkommen angezapft.

Seine ersten neuen Bewohner kann der Stadtteil Freiham bereits im Herbst 2019 begrüßen.

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