Nachgefragt

Kleinod mit Aussicht

Ein echtes Schmuckstück wurde an und in den Hang gebaut. Wir sprachen mit Benedikt Pedde von Loweg Architekten.

Wie ist der Entwurf für das Stadthaus Stuttgart entstanden? Was hat Sie dabei inspiriert?

Benedikt Pedde: Die Lage am Rande der Gänsheide in direkter Nähe zum Zentrum mit Blick zum Fernsehturm, zum Mercedes-Benz-Museum und zum Neckarstadion ist etwas ganz Besonderes. Das Potenzial der Brachfläche in dem charmanten Umfeld hat sich gleich gezeigt.

Durch den Zuschnitt, das Übergangsrecht für das nur hierüber zugängliche Hinterhaus, weitere Baulasten und die einschlägigen Gesetze und Vorschriften waren der länglich-schmale Grundriss und die kubische Grundform vorgegeben. Um auf der Fläche großzügigen Platz zum Arbeiten und zum Wohnen unterzubringen, haben wir die Bauvorschriften maximal ausgereizt.

Das Hanggefälle von neun Metern über 42 Meter Grundstückstiefe stellte uns vor die Aufgabe, die Büroflächen im Erdgeschoss dennoch geschickt mit Tageslicht zu versorgen. Das haben wir durch die fast vollständig verglaste Vorder- und Rückseite, die Dachterrasse und die Innenhöfe geschafft.

Natürlich wollten wir auch das unmittelbare Umfeld aufgreifen, ohne uns darin klein zu machen. Dafür haben wir neben Glas auf die charakterstarken dunkelbraunen Wasserstrichziegel mit Anthrazit-Schattierungen gesetzt.

Welche Herausforderungen gab es in der Planungs- und Bauphase zu meistern?

Benedikt Pedde: Kein anderes Haus in der Umgebung ist so schmal, die lichte Raumbreite liegt bei nur vier Metern. Innerhalb des markanten Profils galt es, den Raum maximal auszureizen. Wände, Boden und Decke sind im Material reduziert und einfach eingesetzt, um die Raumfolgen ungestört fließen zu lassen. Alle Räume mit Ausnahme der Bäder und Schlafzimmer sind offen, die Materialien und Farben im Innern haben wir konsequent auf weiße Oberflächen, Industrieestrich und Holz beschränkt.

Um den klaren, aufgeräumten und offenen Eindruck auch im Alltag erhalten zu können, haben wir viel unsichtbaren Stauraum integriert. Die Bauvorschriften gestatteten einen Außenerker entlang des Treppenlaufs, in dem wir einen wandbündigen Einbauschrank über alle Wohngeschosse untergebracht haben.

Der Eco-Brick hat uns dabei geholfen, die zur Verfügung stehende Fläche auszureizen. Sieben statt 11,5 cm Tiefe klingen nicht viel, aber über die Gebäudehöhe gewinnen wir allein dadurch rund vier Quadratmeter Fläche.

Für den ausführenden Klinkerer war zu beachten, dass die Verarbeitung des Eco-Bricks aufgrund der geringeren Lagerfläche im Fugenglattstrich erfolgt, das heißt der Mauermörtel ist zugleich der Fugenmörtel, Aufmauerung und Verfugung erfolgen in einem Arbeitsgang. Für die normgerechte Lastabtragung der Verblendschale wurden – am Bau später unsichtbare – Edelstahlabfangungen eingesetzt. In Zusammenarbeit mit Wienerberger und Klinkerer AM-Bau wurden für den auskragenden Erker auf der Giebelseite zudem Verblendfertigteile für uns hergestellt.

Warum fiel die Wahl auf Tonbaustoffe?

Benedikt Pedde: Auf der Gänsheide mit ihren alten Ziegelvillen steht das Stadthaus in historischem Kontext. Für die Gebäudehülle lag eine Ziegelverblendung damit näher als eine eloxierte Blechfassade, die wir ebenfalls erwogen haben. Außerdem wirkt der Ziegel wertiger und der Gesamtaufbau ist schmaler als der einer hinterlüfteten Fassade mit gezacktem Blech.

Wienerberger hat uns den Moana-Wasserstrichziegel in unserem alten Büro vorgestellt. Von der wunderschönen Oberfläche aus dunkelbraunem, fast schwarzem Ton und der tollen Haptik waren wir gleich begeistert. Dass uns der Ziegel speziell für unser Bauvorhaben auch als Objektsortierung im extraschmalen Eco-Brick-Format angeboten werden konnte, war für unser Projekt wegen des begrenzten Raumes optimal.

Was ist Ihnen darüber hinaus noch wichtig an dem Projekt?

Benedikt Pedde: Neben der einmaligen Möglichkeit, in Innenstandlage mit grandiosem Weitblick auf einige der Wahrzeichen Stuttgarts ein eigenes Gebäude zu errichten, war es ebenfalls eine spannende Herausforderung für uns als Büro für Architektur und Stadtplanung, das Thema Nachverdichtung selbst anzugehen und hier einen Beitrag zu leisten. Ebenso war es wichtig, auch im kleinen Maßstab kein Feuerwerk an effekthascherischen Details zu zünden, sondern aus standardisierten Baustoffen wenige gute schlichte Details herauszuarbeiten.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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