Jetzt die Ärmel hochkrempeln

„Moment mal!“: Die Bundes­arbeits­­gemeinschaft Immo­bilien­wirtschaft Deutschland (BID) bezieht Stellung.

Stabilität, pragmatische Lösungen und Optimismus. Das sind die drei wichtigsten Pfeiler, die die deutsche Immobilienwirtschaft in diesen Tagen und für die kommende Zeit braucht. Stabilität ist das Alpha und das Omega des erfolgreichen Wirtschaftens. Auch die Bau- und Immobilienbranche braucht einen klaren Kurs. Denn nur so können die aktuellen Monate der Krise angesichts steigender Energiepreise und Zinsen, hoher Baukosten, Inflation und des Ukraine-Krieges überstanden werden.

Es ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Signal, dass Bundesbauministerin Klara Geywitz kürzlich forderte: „Einen dritten Förderstopp darf es dieses Jahr nicht geben.“ Die deutsche Immobilienwirtschaft bekräftigt: Dieses Trauma darf sich nicht wiederholen. Denn der Förderstopp Ende Januar hat nicht nur Träume vom Wohneigentum platzen, sondern auch Neubau- und Sanierungsziele in weite Ferne rücken lassen. Um Vertrauen zurückzugewinnen und keine wertvolle Zeit zu verlieren, muss schnell eine neue und vor allem verlässliche Förderkulisse entstehen.

Um erfolgreich zu bauen und damit auch den Mangel an Wohnraum zu beheben, braucht es zudem mehr Pragmatismus. Die Lösungsansätze – unter anderem durch die Verbände der Immobilienwirtschaft vorgetragen – liegen längst auf dem Tisch. Ein Beispiel: Endlich muss der Bestand viel mehr in den Vordergrund rücken. Dort besteht durch Verdichtung und Aufstockung ein Potenzial von 4,3 Millionen neuen Wohnungen bis 2040. Die Umnutzung von Gewerbeflächen kann im innerstädtischen Bereich bis 2035 rund 235.000 zusätzliche Wohnungen entstehen lassen. Gleichzeitig ist der Umbau viel günstiger als der Neubau. Die Aufstockung beispielsweise kostet ein Drittel weniger als ein Neubau, der Umbau von Büroflächen zu Wohnungen sogar zwei Drittel weniger. Auch aus klimaschutzpolitischen Gründen ist Neubau nicht immer der richtige Weg.

Schließlich brauchen alle Akteure aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft den gemeinschaftlichen, optimistischen Blick nach vorn. Ein Unterhaken, um den bestehenden und kommenden Herausforderungen zu begegnen, hat es zuletzt viel zu selten gegeben. Es ist deshalb richtig, dass alle Beteiligten im „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“ gemeinsame Lösungsvorschläge und Positionen erarbeiten, die in einem Maßnahmenkatalog mit Blick auf den Bündnis-Tag am 12. Oktober 2022 auf Einladung von Bundeskanzler Olaf Scholz präsentiert werden sollen.

So wichtig dieser Bündnis-Tag im Oktober auch sein mag – wir wissen genau, dass die kommenden Herausforderungen schon an die Tür klopfen: Wie geht es weiter mit der Digitalisierung und Beschleunigung von Bau- und Genehmigungsverfahren? Wie können wir die dringend notwendigen qualifizierten Fachkräfte für unsere Branche gewinnen und gleichzeitig junge Menschen für einen Beruf rund ums Thema Bauen und Immobilien begeistern? Wie kann mehr Menschen der Traum vom Eigenheim auch in Deutschland ermöglicht werden? Wie können Klimaschutzanforderungen und beschleunigter Wohnungsbau in Einklang gebracht werden?

Der IVD hat für ein Jahr den Vorsitz der BID übernommen. Wir werden in Zusammenarbeit mit den anderen BID-Verbänden BFW, VDIV, GdW, vdp und ZIA für pragmatische und zielorientierte Lösungen einsetzen. Für mich steht fest: Die Immobilienwirtschaft kann und will die Ärmel hochkrempeln. Man muss uns aber auch machen lassen und die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen.

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