Gebäude aus Holz

Hoch, höher, am höchsten

In der Seestadt Aspern in Wien steht das Ho-Ho Wien. Mit 24 Stockwerken auf 84 m Höhe verteilt ist es aktuell das höchste Holzgebäude der Welt. Ab Erdgeschoss liegt der Holzanteil bei etwa 75 %.

„Das Projekt HoHo Wien legt die Basis seiner Konstruktion zurück in die „Hände der Natur“ und vertraut auf die von Natur aus guten Eigenschaften von Holz. Denn Holz ist gemütlich, atmosphärisch und bringt als Naturbaustoff viele Vorteile mit sich. Holz besitzt eine enorme Tragkraft bei geringem Eigengewicht, ist stabil sowie elastisch gleichzeitig, zudem vielseitig verwendbar und beeinflusst das Raumklima positiv, da es viel Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann, schwärmt Caroline Palfy, Projektleiterin HoHo Wien und Geschäftsführerin der cetus Baudevelopment GmbH.

Das Gebäude ist zudem im Bereich Nachhaltigkeit zertifiziert. Weit über die rechtlichen Vorgaben hinausgehende Maßnahmen bei Wärmeschutz sorgen für eine deutliche Reduktion des Energiebedarfs, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert zusätzlich erneuerbaren Strom. Die Holzhybridbauweise mit der Holzverbunddecke (Holz mit einer dünnen Betonschicht) sowie einem massiven Gebäude-Betonkern ist thermisch und schallschutztechnisch optimiert. Mit 913 ÖGNB-Qualitätspunkten erreicht das Gebäude in der Planungsbewertung „ÖGNB GOLD“. Beim Bau können rund 2.800 t CO2 eingespart werden, weil Holz als nachwachsender Rohstoff verwendet und dadurch deutlich weniger Zement und Stahl benötigt wird.

In Österreich wachsen jährlich 30 Mio. m³ Holz nach, davon werden 26 Mio.m³ genutzt. Die restlichen 4 Mio. m³ verbleiben im Wald und vergrößern stetig den Holzvorrat. Das bedeutet, dass in jeder Sekunde 1 m³ Holz nachwächst und das HoHo Wien in nur einer Stunde und 17 Minuten!

Wohnen und Arbeiten unter einem Dach

Neben Büros, einem Hotel, Restaurant, Health-, Beauty- und Wellnessbereich sowie Business-Geschossen wird man im Hoho auch wohnen können. So basiert der Branchenmix im HoHo Wien auf der chinesischen Fünf-Elemente-Lehre und Elementen der buddhistischen Theorie: Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser, Erde und Leere und soll nach dem Prinzip „Alles unter einem Dach“ – eine Symbiose von Work & Life-Balance bewirken. Auf 19.500 m² Mietfläche trifft eine moderne Arbeitswelt auf die Wärme und Tradition von Holz.

Holz dominiert

Der Holzbauanteil ab Erdgeschoss liegt bei 75 %, sichtbare Holzoberflächen aus naturbelassenem Fichtenholz bei Decken und Wänden machen das Holz erlebbar und stellen ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal bei der Suche nach zukünftigen Mietern dar. Ziel ist es, am Standort mit einer nachhaltigen, innovativen Immobilie zu punkten. Holz als nachwachsender und klimaschonender Baustoff spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Die Büro- sowie Gewerbeflächen im HoHo Wien sind weltweit einzigartig, sagen die Investoren. Durch die sichtbaren Holzoberflächen ströme der typische Holzgeruch in alle Räume und erzeuge ein einzigartiges Raumklima. Dies geschieht schon allein deshalb, weil Holz sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. Studien zeigten, dass die Raumluftqualität in Holzhäusern als sehr gut bewerten werden und sich die Holzatmosphäre nachweislich positiv auf Lebensqualität, persönlicher Empfindung und Gesundheit auswirke. Das Büro der Zukunft im HoHo soll so gleichzeitig hochmodern und nachhaltig sein.

Der Naturbaustoff Holz bringt zudem als viele Vorteile mit sich. Holz besitzt eine enorme Tragkraft bei geringem Eigengewicht, ist stabil sowie gleichzeitig elastisch und ist somit vielseitig verwendbar.

Holz hat in den letzten Jahren mehr und mehr Einzug in das mehrgeschossige Bauen gehalten. Grundlage dafür ist die Entwicklung und Markteinführung von Brettsperrholz. Brettsperrholz erlaubt das Bauen mit Holz in der Fläche und den Einsatz von Holz in tragenden Strukturen. Besonders in Österreich wurde die Entwicklung vorangetrieben und zum industriellen Werkstoff weiter entwickelt. Heute ist Österreich der weltweit größte Brettsperrholzproduzent.

Aufgrund der LEED-Zertifizierung des HoHo muss das verarbeitete Holz aus nachhaltigem Anbau stammen. Die am HoHo Wien beteiligten Unternehmen MM-Holz sowie die Hasslacher-Gruppe können eine solche PEFC-Zertifizierung für nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holzverarbeitung vorweisen. Diese garantiert, dass Holz- und Papierprodukte aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Das Holz der Deckenelemente stammt aus dem Eigenforst eines Joint Ventures von MM-Holz, die Brettsperrholz-Wände und Brettschichtholz-Stützen von der Hasslacher-Gruppe kommen zur Gänze aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern.

Montage und Beschichtung

Ökonomisch und rationell ist die witterungsunabhängige Vorfertigung vieler Teile im Werk. So können auf der Baustelle viele Arbeitsschritte entfallen. Die Montage der Fenster erfolgt zum Beispiel größtenteils in modernen Werkshallen der Firma Hasslacher in Kärnten, wo auch die Brettschichtholz-Stützen sowie die Brettsperrholz-Außenwandelemente produziert werden.

Vorher wurden jedoch sämtliche Bauelemente, die sich auf der Innen- und damit auf Wohnseite befinden, bei Hasslacher auf einer automatischen Beschichtungsanlage durch Roboter mit der Remmers Wohnraumlasur beschichtet. Dies waren in erster Linie die Brettsperrholzwände, die mit der Remmers Wohnraumlasur zweimal gespritzt und mit einem Zwischenschliff versehen wurden. Diese wasserbasierte Lasur wurde speziell ausgewählt, um das gewünschte natürliche Wohnraumklima sicherzustellen. Denn neben den guten Verarbeitungseigenschaften ist die Wohnraumlasur von Remmers selbst ein sehr natürlicher Stoff: So besteht die Basis der Lasur auf den Naturstoffen Leinöl und Naturharz und passt damit ideal zum verwendeten Holz im HoHo in Wien. Sie entspricht außerdem der DIN EN-71-3 „Sicherheit von Kinderspielzeug“ und darf somit für die Beschichtung von Spielzeugen eingesetzt werden.

Darüber hinaus ist Remmers Wohnraumlasur natürlich auch für andere Bereiche einsetzbar. Durch ihre sehr gute Wasserbeständigkeit (Abperleffekt) empfiehlt sie sich für den Einsatz in Feuchträumen, wie Küchen oder Bäder.

Nach der Lasur im neuen Oberflächenveredelungszentrum des Hasslacher Brettsperrholz-Werkes in Stall im Mölltal werden die fremd produzierten Fenster in die beschichteten Wandelemente montiert und anschließend just in time auf die Baustelle in der Seestadt Wien geliefert.

Brandschutz-Vorteil

Das HoHo Wien musste sich gleich mehreren Brandschutztests unterziehen. Grundsätzlich hat Holz zwar eine höhere Brandlast, da die Tragstruktur zu brennen beginnt, Holz ist deswegen jedoch trotzdem sicherer! Durch Bildung einer Oxidationsschicht (Verkohlungsschicht) und der entsprechenden Überdimensionierung des jeweiligen Querschnitts im HoHo Wien-Gebäude wird der Abbrand verzögert und kontrollierbar. Stahl ist nicht brennbar, aber es verliert unter Hitzeeinfluss seine Festigkeit schlagartig, auch in Stahlbetonträgern.

Caroline Palfy ergänzt: „Die plötzliche Aufmerksamkeit der Baubranche für den Rohstoff Holz als natürliche Ressource ist ein positives Zeichen Richtung Zukunft. Investor Günter Kerbler und ich haben uns bei unserem Leuchtturmprojekt bewusst dazu entschieden, das Baukastensystem nicht patentierten zu lassen, um mit dem Ansatz auch andere Bauherren und Architekten zu motivieren, Holz als nachhaltige Alternative zu sehen. Persönlich freut es mich am meisten, dass wir Holz in den urbanen Raum bringen und so ein starkes Statement abgeben können.“

Die Holzwände und -stützen bleiben innen unverkleidet.

Holz besitzt eine enorme Tragkraft bei geringem Eigengewicht, ist stabil sowie gleichzeitig elastisch und ist somit vielseitig verwendbar.

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