AMEV-Fachtechnikseminar für Referendare und Anwärter 

„Gemeinsam stark!“

Warum müssen die so viel Technik lernen, das sind doch fertige Ingenieure? Die sollen führen.…

Die sehr fachtechnische Bezogenheit des Referendariats der Maschinen- und Elektrotechnik (M+E) führt in weniger technisch geprägten Disziplinen nicht selten zu Unverständnis.

Maschinenbau und Elektrotechnik begegnen der Steigerung von Geschwindigkeit und Schwierigkeitsgrad in der technischen Entwicklung mit zunehmender Spezialisierung. Die Vielfalt möglicher Studiengänge wächst daher beständig. Maßgebend für Universitäten und Hochschulen sind die Anforderungen der Industrie.

Entgegen dem universitären Ausbildungstrend erfordert die Leitung eines Fachbereichs der Betriebstechnik (Technische Ausrüstung/TA) im Staatlichen Baumanagement Niedersachsen den „Generalisten“ über alle technischen Varianten der Maschinen- und Elektrotechnik mit Führungs- und Verwaltungskompetenz und zusätzlichen juristischen Kenntnissen.     

Um von deutlich älteren und erfahrenen Fachingenieuren als junge Führungskraft akzeptiert zu werden, bedarf es der Fähigkeit, sich unabhängig von der eigenen Studienrichtung schnell und möglichst tief in technische Sachverhalte hinein zu denken. Mit fachlich fundiertem Hintergrund die richtigen Fragen zu stellen und eigene Fähigkeiten zur Unterstützung beizutragen, führt mittelfristig zum Erfolg und zu leistungsstarken Teams. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Zahlenmäßig sind die Referendare der Maschinen- und Elektrotechnik eine der kleinsten Gruppen, welche sich auf spätere Führungsaufgaben in den einzelnen Verwaltungen von Bund und Ländern vorbereiten. Oft auf sich allein gestellt, reicht der zuvor an der Universität und in ersten beruflichen Schritten erworbene technische Kenntnisstand bei weitem nicht für die inhaltliche Bewältigung der „großen Staatsprüfung“ oder gar eine spätere er­­­folgreiche Personalführung erfahrener TA-Ingenieure der verschiedenen Fachrichtungen aus. Ein Versuch der Hilfe in der Not hat sich mittlerweile erfolgreich unter dem Arbeitstitel  „AMEV-Fachtechnikseminare“ etabliert. 

Der Ursprung war die Reaktion aktiver Mitglieder des Arbeitskreis Maschinen- und Elektrotechnik staatlicher und kommunaler Verwaltungen (AMEV) auf einen Hilferuf der Referendare. Der Mangel an Fachtechnikingenieuren in den Bauverwaltungen, der Kompetenzabbau der technischen Fachbereiche infolge fehlender Eigenbearbeitungen und die Reform aller technischen Referendariate „weg von der Fachlichkeit“ führten in der M+E Referendarausbildung zu offensichtlichen Defiziten.

Inzwischen ermöglichen Fachtechnikexperten der Bundesländer, Prüfer des Oberprüfungsamtes Bonn und externe Fachingenieure mit ihren Beiträgen einen gemeinsamen Veranstaltungsblock von sechs einwöchigen AMEV-Fachtechnikseminaren, verteilt über den Zeitraum von zwei Jahren. Die regelmäßig teilnehmenden 10 bis 15 Referendare der Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen profitieren von den fachtechnischen Inhalten und wachsen gemeinsam lernend auch als Gruppe zusammen. Anwärter der Maschinen- und Elektrotechnik mit ihrer deutlich kürzeren Ausbildungszeit leiden unter dem gleichen Problem. Sie sind gerne willkommen und zumeist in kleinerer Anzahl (2 bis 5) vertreten. 

Seit April 2013 finden die Seminare in Hannover in der Oberfinanzdirektion Niedersachsen statt. Vom 28. November bis 2. Dezember 2016 profitierten zum dreizehnten Mal 17 Jungingenieure von diesem Selbsthilfemodell. Die Themenvielfalt reichte von der Raumlufttechnik über Brandmeldeanlagen, Erdungsanlagen, Drucklufttechnik, Kleinst-BHKW, Solarenergienutzung, Wärmepumpenanlagen, Arbeitsschutz, elektrotechnische Niederspannungsnetze und Schutzmaßnahmen bis hin zur Bühnentechnik.

Für 2017 und 2018 stehen die Termine bereits fest. Im Februar 2017 erweitert sich die inhaltliche Bandbreite erneut um Flugfeldbefeuerungsanlagen, den digitalen Be­­hördenfunk BOS und eine Exkursion zur Fa. Nexans, dem Hersteller von Hochspannungs- und Unterwasserkabeln in Hannover.

Bleibt die Resonanz positiv, ist weiteres Wachstum nicht ausgeschlossen.

Dipl.-Ing. Joachim Bohnsack, Oberfinanzdirektion Niedersachsen
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