Bauen im Bestand

Feuchtes Mauerwerk dauerhaft trockenlegen

Werden feuchte Keller nicht rechtzeitig bemerkt, können das Mauerwerk nachhaltig geschädigt und die Statik des Gebäudes beeinträchtigt werden. Um die Wertigkeit der Immobilie zu erhalten, ist eine schnelle und fachgerechte Sanierung des Mauerwerks notwendig.

Kurze Wege, vielfältige Freizeit- und Kulturangebote sowie abwechslungsreiche Einkaufsmöglichkeiten – Wohnraum im urbanen Umfeld erlebt aktuell eine wahre Renaissance. Bestandsimmobilien in verkehrsgünstiger Lage sind von daher heiß begehrt. Umso wichtiger ist es, diese in attraktivem Zustand zu halten und Wohnqualität und Wert langfristig zu bewahren. Dies gilt insbesondere, wenn Feuchtigkeit im Keller droht, wertvolle Bausubstanz anzugreifen, denn die Nässe schlägt sich auf unterschiedlichste Weise im Mauerwerk nieder und schädigt dieses erheblich. Doch auch Raumklima und Wohlbefinden der Bewohner leiden unter Feuchtebelastungen.

Probleme bereitet jedoch nicht allein die Feuchtigkeit in der Wand selbst, sondern vor allem darin gelöste Salze, wie z.B. Nitrate. Sie verteilen sich im Gemäuer und bilden Kristalle. Im Feuchtigkeitskreislauf expandieren die Salze und führen dazu, dass sich darüber befindende Putzschichten abgesprengt werden. Eine fachgerechte Mauerwerkinstandsetzung ist folglich die Voraussetzung für dauerhaften Schutz und erhöhte Lebensdauer der Immobilie.

Um die im Einzelfall geeigneten Instandsetzungsmaßnahmen zu ergreifen, sollte zunächst im Rahmen einer fachgerechten Voruntersuchung auf Basis des WTA Merkblatts 4-5-99 Mauerwerkdiagnose die Ursachen für die Feuchtigkeitsbelastung identifiziert werden. Zu den häufigsten Gründen zählt dabei von außen eindringende Feuchtigkeit. Im Zuge der Voruntersuchungen werden der Durchfeuchtungsgrad des Mauerwerks sowie mittels Putzprobenanalyse Menge und Art der bauschädlichen Salze im Mauerwerk ermittelt. Der Gehalt an löslichen Salzen und der Durchfeuchtungsgrad sind entscheidende Kriterien bei der Wahl der Sanierungsweise sowie der eingesetzten Materialien. Mit individuell aufeinander abgestimmten Maßnahmen der nachträglichen Bauwerksabdichtung und einem durchdachten Sanierputzsystem wie dem Saniment-System der PCI Augsburg GmbH lässt sich dann das geschädigte Mauerwerk dauerhaft trockenlegen und sanieren.

Abdichtung der Kellerinnenwand

Erdberührte Bauteile lassen sich sowohl von innen als auch von außen nachträglich abdichten: Während die Außenabdichtung auf der wasserzugewandten Seite aufgebracht wird, damit das Wasser nicht ins Mauerwerk gelangt, wird eine Innenabdichtung nach WTA Merkblatt 4-6-09/D auf der wasserabgewandten Bauwerksseite erstellt (siehe Prinzipskizzen). Nur die Kombination aus Horizontalsperre, Vertikalabdichtung und Sanierputz im Wandbereich ergibt ein funktionsfähiges System, welches nutzbare Räume schafft. Dies ist bei Bestandbauten die gängigere Methode, da hier die Kellerwände in der Regel nicht problemlos von außen zugänglich sind.

Die Sanierung beginnt mit dem Abtrag des geschädigten Altputzes mindestens 80 cm über die Durchfeuchtungs- bzw. Ausblühungszone hinaus und der Reinigung des Mauerwerks. Danach wird im Übergangsbereich Wand – Boden zunächst eine Sperrnut eingeschnitten. Diese wird gereinigt, mit einer Dichtschlämme vorgeschlämmt und mit einem wasserabweisenden Dichtputz verfüllt. Dadurch wird ein sicherer Übergang von der Wandabdichtung auf die Bodenabdichtung hergestellt.

Für eine sichere, dauerhafte Verbindung zwischen Untergrund und Abdichtung wird anschließend volldeckend ein Spritzbewurf aufgebracht. Nach ca. zwölf Stunden Wartezeit erfolgt der Auftrag eines wasserabweisenden Dichtputzes in einer Schichtdicke von 10 bis 15 mm auf den Spritzbewurf. Dadurch entsteht ein ebener, haftfester Untergrund für die nachfolgende Innenabdichtung mit einer mineralischen Spezial-Dichtschlämme. Wände und Böden lassen sich mit professionell wasserundurchlässig beschichten, Poren und kleine Vertiefungen im Untergrund werden geschlossen. Das angemischte Material wird in mindestens zwei Arbeitsgängen auf den gründlich vorgenässten, mattfeuchten Untergrund oberflächendicht aufgeschlämmt.

Bohrlochsperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit

Eine neu eingebaute Horizontalabdichtung verhindert kapillar aufsteigende Feuchtigkeit verlässlich. Dazu wird eine Reihe von Bohrlöchern im Mauerwerk je nach örtlicher Gegebenheit von innen oder außen angebracht. Grundlage für die Bohrungsanordnung ist das WTA Merkblatt 4-4-04. In die mit Druckluft gereinigten Bohrlöcher wird anschließend über Trichter die Bohrlochsperre eingebracht. Im Mauerwerk lassen sich Hohlräume zuvor verschließen, indem eine zementäre Vergussmasse zur Anwendung kommt. Nach etwa einer Woche Zwischentrocknungszeit werden die verfüllten Bohrlöcher erneut aufgebohrt und dann mit der chemischen Horizontalsperre verkieselt. Durch die kapillarverengende und wasserabweisende Wirkung wird eine kapillarbrechende Schicht im Mauerwerk geschaffen, die das Aufsteigen von Feuchtigkeit verhindert – die Horizontalabdichtung ist erstellt. Abschließend werden die Bohrlöcher verschlossen.

Das Mauerwerk nachhaltig schützen – die feuchteregulierende Schicht

Mit dem Aufbringen der Abdichtung und dem Einbau der Horizontalsperre ist die Sanierung feuchtebelasteten Mauerwerks jedoch nicht abgeschlossen, denn mit ihr wird zwar das Eindringen von Wasser effektiv verhindert, Diffusionsfeuchte fällt jedoch weiterhin an. Durchdachte Sanierputzsysteme wie das PCI Saniment System umfassen daher Sanierputze nach WTA-Merkblatt, die die Trocknung möglichst wenig beeinträchtigen und zugleich eine hohe Haltbarkeit auf feuchte- und salzhaltigen Untergründen aufweisen. Sie sind besonders porös und wasserdampfdurchlässig bei gleichzeitig erheblich verminderter kapillarer Leitfähigkeit. Die hohe Wasserdampfdurchlässigkeit gewährleistet zudem, dass im Laufe der Zeit die Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk diffundiert und dieses trocknet. Bevor der Sanierputz aufgebracht wird, muss auf die mit der Dichtschlämme abgedichteten Flächen zur optimalen Putzgrundvorbereitung ein netzförmiger Spritzbewurf mit einem Deckungsgrad von 50 % aufgebracht werden. Ist dieser erhärtet, kann nachfolgend als feuchteregulierende Schicht der Sanierputz folgen.

Die Innenabdichtung mit einem Sanierputz zu überarbeiten, macht immer dann Sinn, wenn die Räumlichkeiten beispielsweise als Party-, Wäsche-, oder Hobbykeller genutzt werden. Aufgrund der entstehenden Kapillarkondensation setzen sich die feinen Poren einer Dichtschlämme zu und führen bei der genannten Nutzung zu einem so genannten Schwitzen der Wände. Um diesem vorzubeugen, erfolgt dann die hier beschriebene Ausführung, die wiederum im WTA Merkblatt Kellerinnenwand Abdichtung verankert ist. Bei Nutzungen als Fahrradkeller o.ä. entfällt der zusätzliche Arbeitsgang.

Im letzten Sanierungsschritt gilt es abschließend, mit einem dünnschichtigen Feinputz eine dauerhaft schöne Wandoberfläche zu erstellen. Der Feinputz auf Kalkbasis bildet einen dekorativen Oberbelag auf dem Sanierputzmörtel und sorgt für eine glatte und feinporige Abschluss-Oberfläche, die nach dem Verputzen individuell gestaltet werden kann.

Fazit

Bei der Instandsetzung von Feuchte- und Salzschäden an innenliegenden Kellerwänden kommt es auf eine fachgerechte Ausführung ebenso an wie auf den Einsatz geeigneter, nach WTA-geprüfter Sanierputzsysteme mit optimal aufeinander abgestimmten Produkten, wie beispielsweise das Saniment-System. In Kombination mit flankierenden Maßnahmen zur Bauwerksabdichtung wird die Bausubstanz so optimal geschützt und die Lebensdauer der Immobilie erhöht. Insgesamt spart fachgerecht trockengelegtes Mauerwerk Energie und steigert den Wohnwert des Gebäudes maßgeblich.

Außenabdichtung wird auf der wasserzugewandten Seite ­aufgebracht, damit das Wasser nicht ins Mauerwerk gelangt.

Innenabdichtung wird nach WTA Merkblatt 4-6-09/D auf der wasserabgewandten Bauwerksseite erstellt.

Eine neu eingebaute, chemische Horizontal­abdichtung verhindert zuverlässig kapillar aufsteigende Feuchtigkeit.

Wichtig bei der Instandsetzung von Feuchte- und Salzschäden an innenliegenden Kellerwänden: fachgerechte Ausführung und der Einsatz WTA-geprüfter Sanierputzsysteme.

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