„Es lagen keinerlei Erfahrungen vor“

Interview mit dem ehemaligen Ge­­­schäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Arnstadt, Andreas Adolf, der sich für das Wohnprojekt einsetzte. 

Herr Adolf, Sie haben die „Stadtstrategen“ als professionelle Mediatoren hinzugezogen. Hat sich diese Beauftragung als positiv erwiesen?

Adolf: Aber ja. In einer zeitaufwändigen Diskussion mit einer kleinen Gruppe von Interessenten wurden damals die Grundlagen des Projektes festgelegt: es sollten Wohnungen geschaffen werden, die den Haushaltsgrößen entsprachen und darüber hinaus dem Anspruch des Generationsübergreifenden Wohnens gerecht werden.

Es entstanden die ersten Entwürfe, die unter der Moderation der Stadtstrategen diskutiert wurden. Parallel dazu lief die Mieterakquise, die uns zahlreiche Interessierte – nicht nur aus Arnstadt – bescherte. Wir stellten ein Planungsteam aus externen Büros zusammen, mit dem wir frühere Projekte erfolgreich realisiert haben. Parallel zu den Entwurfs- und Kostenplanungen nahmen wir Kontakte zu Fördermittelgebern auf.

Wie stellte sich die Stadt zu dieser Entwicklung?

Adolf: Von Anfang an bestand ein positives städtebauliches Feedback der Stadt Arnstadt. Nachdem klar war, dass wir die Finanzierung darstellen können, die Fremdmittel über eine darlehensgewährende Bank lagen bei ca. 20 %, die Eigenmittel bei ca. 30 % und der Fördermittelanteil aus Mitteln der Wohnungsbauförderung lag bei ca. 50 %.  

Zusätzlich ist es uns gelungen, über das Thüringer Sozialministerium eine Zu­­schussförderung für die Ausstattung der gemeinschaftlich nutzbaren Bereiche zu erhalten. Nachdem die Ausführungsplanung abgeschlossen und für rund  50 % der Wohnungen verbindliche Vorreservierungen zustande gebracht waren, begann 2009 die Realisierung.

Die Wohnungsgrößen wurden verändert?

Adolf: Teilweise. Von den vormals 36 Wohnungen pro Gebäude, die sich aufgangsweise als Dreispänner dargestellt haben, wurden in beiden Gebäuden durch Grundrissveränderung insgesamt 51 Wohneinheiten als 2- und 3-Raum-Wohnungen und je eine 4- und 5-Raum-Wohnungen für Familien im Erdgeschoss des 2. Hauses geschaffen. Bei den 2- und 3-Raum-Wohnungen liegen die Wohnflächen zwischen 50 und 75 m².  Alle Wohnungen sind barrierefrei über Aufzüge und Laubengänge zugänglich. Der anfangs vom Interessentenkreis geäußerte Wunsch nach einem angemessenen Anteil jüngerer Mieter hat sich in diesem Umfang leider nicht erfüllen lassen.

Wie haben Sie sich im Vorfeld der Realisierung über derartige Bauvorhaben informiert?

Adolf: Wir stellten fest, dass über Projekte dieser Größenordnung keinerlei Erfahrungen vorlagen. Wir haben einige Mietergemeinschaften mit wesentlich geringerem Umfang in Deutschland besucht. Noch während der Bauphase veranstalteten wir einen Tag der offenen Tür, bei der wir auf sehr großes Interesse stießen und den ganzen Tag lang Fragen beantworten durften.

Am Abend lagen für alle restlichen Wohnungen verbindliche Interessenbekundungen vor. Dem Moderatorenteam spreche ich ein großes Lob für deren objektive Begleitung aus, denn die Wünsche der zukünftigen Be­­­wohner mussten mit den technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten in Einklang gebracht werden.

Die Mieter sind für die Belegung des Objektes selbst verantwortlich?

Adolf: Nach der Fertigstellung haben wir die Mietergemeinschaft noch eine Zeit lang begleitet, ohne jedoch vorzugeben, wer dort einziehen darf. Diese Entscheidung obliegt der Gemeinschaft, wie wir es in unserer Ko­­operationsvereinbarung ausdrücklich ver­­merkt haben. Wir haben Anfragen von außen jeweils an die Gemeinschaft weitergeleitet. Erst, nachdem man uns von dort das erzielte Einvernehmen signalisiert hat, sind Mietverträge abgeschlossen worden.

Bitte noch eine Auskunft zur Höhe der Miete.

Adolf: Im Zuge der Inanspruchnahme der Wohnungsbauförderung ist die Kaltmiete auf 5 €/m² begrenzt, auch, um mit Blick eine ausgewogene soziale Mieterstruktur.

Was meinen Sie – lässt sich dieses Projekt an anderer Stelle wiederholen?

Adolf: Es gab diesbezügliche Anfragen aus verschiedenen Gemeinden. Grundsätzliche Voraussetzungen dafür sind, dass ein genügend großer Bedarf dafür existiert, die Vorbereitung und Durchführung eines solchen Projektes durch den fachkompetenten Dritten begleiten wird und die unterschiedlichsten Förderungen generiert werden können, ohne die derartige Projekte wirtschaftlich nicht darstellbar sind.

Ihr Resumee heute?

Adolf: Das Unternehmen hat mit diesem Projekt einen wichtigen städtebaulichen Beitrag zur Quartiersentwicklung geleistet und ist zudem dem sozialen Anspruch einer ständig größer werdenden Interessentengruppe gefolgt.

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