Nachrüstung

Einsteigen, bitte!

Der „Graue Riese“ in Bochum wurde frisch modernisiert. Dank vier nachgerüsteter Aufzüge gefällt der fünfgeschossige Wohnkomplex nicht nur optisch, sondern bietet auch einen hohen Wohnkomfort.

Marode kleine Balkone, rauer, abblätternder grauer Fassadenputz, Gasetagenheizung, lieblos gestaltetes Treppenhaus: Mehr als 50 Jahre machte der „Graue Riese“, wie der fünfgeschossige Wohnkomplex seit seinem Bau 1963 im Volksmund hieß, seinem Namen alle Ehre. Heute ist die 60 Meter lange und 15 Meter hohe Wohnanlage mit ihren 32 Einheiten kaum wiederzuerkennen. Dank geräumiger Balkone, einer modern gestalteten Fassade mit strahlend weißem Anstrich, individuell gestalteter Treppenhäuser mit modernem Etagenleitsystem, Fahrradstellplätzen und Zentralheizung wurden die Bauten der Feldsieper Straße 32–38 im Bochumer Stadtteil Hamme optisch und funktional deutlich aufgewertet.

Eigentümer der Mehrfamilienhäuser ist die Bochumer Wohnstätten Genossenschaft eG. Die Sanierung übernahm der Architekt und technische Leiter der Genossenschaft Thomas Dovern. Der Innenarchitekt Thomas Stark wurde ferner mit der Bauplanung und -betreuung beauftragt. Vier Haushahn-Aufzüge, die von außen an der Nordfassade nachgerüstet wurden, runden die Sanierung ab und schaffen ein barrierearmes Wohnumfeld.

Hoher Komfortgewinn durch Nachrüstung

Einen Aufzug bei einem Neubau einzusetzen ist keine Besonderheit. Damit aber auch bereits bestehende Bauten ihren Bewohnern eine vertikale Mobilität ermöglichen, bieten Hersteller wie Haushahn verschiedene Nachrüstungsmöglichkeiten sowohl für die Anbringung einer Aufzugsanlage innerhalb als auch außerhalb des Gebäudes. Hierzu liefern sie neben der eigentlichen Anlage auch die Schachtkonstruktion. In der Regel lässt sich der Aufzug schnell auf der Baustelle montieren, da die einzelnen Teile dank eines hohen Standardisierungsgrads im Werk bereits vorkonfektioniert werden.

Bei rund 80 % der Bestandsbauten wird der Schacht an der Hoffassade errichtet. Außenseitige Aufzugsnachrüstungen dieser Art sind in der Regel genehmigungspflichtig. Baurechtliche Regelungen wie Abstandsflächen oder die notwendige natürliche Belichtung von Aufenthaltsräumen müssen eingehalten werden. Ähnlich wie Erker oder Balkone können allerdings auch Aufzugsschächte – bei Einhaltung gewisser Höchstmaße und Mindestabstände – als Vorbauten gelten, die über die Außenwand hinausragen dürfen.

Beim „Grauen Riesen“ wurden die Aufzugsschächte vor die Treppenhausfassade an der Frontseite des Gebäudekomplexes gesetzt. Grundrissbedingt fahren die Aufzüge nicht die jeweiligen Etagen, sondern die Zwischenpodeste der Treppen an. Da die Bewohner nur noch jeweils ein halbes Geschoss auf- oder abwärts zu ihren Wohnungen überwinden müssen, stellen die vier nachgerüsteten Aufzüge der Haushahn-Serie lifeLine einen hohen Komfortgewinn mit erheblichen Verbesserungen, vor allem für die Bewohner und Besucher der oberen Etagen, dar. Im Erdgeschoss sind die Aufzüge wiederum ohne Treppenstufen und somit barrierefrei zugänglich.

Vermeintlicher Blindgänger verzögert Bauvorhaben

Der Einbau der Aufzüge verlief reibungslos, wenn auch mit etwas Verzögerung. Denn nachdem Planung, Baugenehmigung und Ausschachtungsarbeiten für die Fundamente bis Juli 2016 zügig vorangekommen waren, schlugen vor dem Hauseingang Nummer 36 die Sonden des Kampfmittelräumdienstes Alarm. Der Verdacht: Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Zum Glück entpuppte sich die vermeintliche Fliegerbombe als harmloses Metallrohr. „Trotzdem hat uns dieser Fund Nerven und viel Zeit gekostet“, verrät Thomas Dovern.

Ausstattung der Aufzüge

Zur Gestaltung der Aufzugskabine bietet der Hersteller verschiedene Optionen. Die Bochumer Wohnstätten Genossenschaft entschied sich für eine Standardausstattung mit Kabinenwänden aus gebürstetem Edelstahl. Dieses Material wird gerne in Mehrfamilienhäusern eingesetzt, da es gleichzeitig modern und zeitlos ist und als unempfindlich gilt. Der schwarz gesprenkelte Gummiboden ist pflegeleicht und fügt sich gemeinsam mit den grauen Edelstahlwänden optisch in das Erscheinungsbild des Treppenhauses ein.

Ein besonderes Merkmal ist die automatische Kabinenlichtsteuerung. Da die Bewohner die Aufzüge am Tag insgesamt höchstens zwei Stunden nutzen, schaltet sich die LED-Beleuchtung in den Edelstahlkabinen automatisch ab, wenn die Aufzüge stehen. Darüber hinaus fährt der Aufzug nach 30 Minuten Stillstand in den Standby-Modus. So verbraucht er für Umrichter, Steuerung und Kabinenlicht bis zu 40 % weniger Energie als im Fahrbetrieb und ist trotzdem sofort betriebsbereit.

Sicherheit geht vor

Neben einer komfortablen Kabine legten die Eigentümer auch hohen Wert auf die Sicherheit der Bewohner und die Qualität des Service. Sie vereinbarten einen Wartungsvertrag inklusive Notrufsystem mit einer Laufzeit von fünf Jahren mit dem Aufzugshersteller. Bei der Haushahn „Wartung komplett“ sind neben der Wartung, Inspektion und Störungsbeseitigung auch sämtliche Reparaturen und Ersatzteile für den Aufzug bereits inklusive.

Alle Ersatzteile werden ohne Aufpreis geliefert und montiert, egal ob es sich lediglich um eine Schraube oder einen kompletten Antrieb handelt. „Damit konnten wir die finanzielle Belastung für die Mieter in sehr moderaten Grenzen halten“, meint Dovern. „Und das Verhältnis zwischen Preis und dem durch die Aufzüge erheblich gestiegenen Wohnkomfort ist nahezu optimal.“

Das Notrufsystem stellt im Falle eines Notfalls eine Sprechverbindung aus der Kabine zu einer ständig besetzten Stelle her, die dann den Aufzugswärter benachrichtigt oder direkt die Personenbefreiung einleitet. Hierzu stellt die Servicezentrale rund um die Uhr an 365 Tagen pro Jahr sicher, dass die Mieter den Notdienst erreichen. Die Mitarbeiter von Haushahn sind psychologisch geschult, um eingeschlossene Personen zu beruhigen.

Dank des engen Servicenetzes sind die Techniker innerhalb der gesetzlich geforderten 30 Minuten vor Ort und können Eingeschlossene
fachgerecht und sicher befreien. Nach einem Servicecheck ist
der Aufzug wieder betriebsbereit. Weitere Anforderungen wie regel­mäßige Funktionstests und eine Notstromversorgung sind im System ebenfalls enthalten.

Grundrissbedingt fahren die Aufzüge nicht die jeweiligen Etagen, sondern die Zwischenpodeste der Treppen an.

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