Umzugswünsche von Senioren werden überschätzt

Einen alten Baum verpflanzt man nicht

Stimmt es tatsächlich, dass fast zwei Drittel aller Senioren umziehen möchten? „Nein“, sagt das Beratungsunternehmen Analyse & Konzepte. Denn wenn die Senioren selbst befragt werden, zeigt sich: Je älter die Menschen werden, desto seltener planen sie einen Umzug. Gerade Senioren wünschen sich, im Alter in ihrer jetzigen Wohnung bleiben zu können. Und wenn sie umziehen, dann tun sie das meist nicht, weil die Wohnung zu groß ist. Das gilt für Eigentümer genauso wie für Mieter. Diese Erkenntnisse stammen aus der repräsentativen Studie „Wohntrends 2030“, die Analyse & Konzepte zusammen mit InWIS im Auftrag des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) erstellt hat.

Mehr als 3.000 Menschen aller Altersgruppen wurden für die „Wohntrends 2030“ zu ihren Umzugsplänen und ihren Wohnwünschen im Alter befragt. Insgesamt planen knapp 20 % von ihnen, in den nächsten zwei Jahren auf jeden Fall oder zumindest wahrscheinlich umzuziehen. Deutlich geringer ist die Umzugsneigung bei Senioren. Von den 60- bis 69-Jährigen möchten nur 7 % umziehen und von den 70- bis 79-Jährigen nur noch 6 %. Die über 80-Jährigen sagen zu 95 %, dass sie nicht innerhalb der nächsten zwei Jahre umziehen wollen. Dabei ist erwartungsgemäß die Umzugsneigung unter Mietern etwas stärker ausgeprägt als unter Eigentümern. Aber auch 90 % der älteren Menschen, die zur Miete wohnen, möchten am liebsten in ihrer jetzigen Wohnung bleiben.

Wenn Senioren umziehen wollen oder müssen, dann bleiben sie häufiger als Jüngere am liebsten in ihrem Quartier oder in ihrer Stadt: Von den unter 60-Jährigen möchten nur 17 % aller Umzugswilligen im selben Quartier bleiben. Bei den über 60-Jährigen sind es gut 30 %.

Zu große Wohnungen sind selten ein Umzugsgrund

Der häufigste Grund, den Senioren für einen Umzug nennen, ist der Wunsch nach einer alters- oder behindertengerechte Wohnung. Fast die Hälfte der Befragten gibt dies als Motivation an. Nur 10 % der Umzugswilligen wollen sich verändern, weil die jetzige Wohnung zu groß ist oder sie einen Umgebungswechsel wünschen. Am liebsten möchten Senioren in ihrer Wohnung, so wie sie ist, alt werden. Das sagen 60,6 % der 60- bis 69-Jährigen, 65 % der 70- bis 79-Jährigen und 84 % der über 80-Jährigen. Diesen Wunsch haben von den unter 60-Jährigen nur 44 %. Wenn der Verbleib so nicht möglich ist, würden Senioren lieber ihre Wohnung auf die Bedürfnisse im Alter anpassen als umzuziehen.

Nur die über 80-Jährigen würden es bevorzugen, in eine speziell altersgerecht ausgestattete Wohnung ziehen, anstatt ihre jetzige umbauen zu lassen. Generell ist der Wunsch, in der jetzigen Wohnung bleiben zu können – umgebaut oder nicht – unter Eigentümern noch stärker ausgeprägt als unter Mietern.

„Einige online-basierte Studien überzeichnen den Umzugswillen von Senioren. Hier besteht die Gefahr von Fehlinterpretationen. Die allermeisten von ihnen wünschen sich im Alter keine zu großen Veränderungen“, erklärt Bettina Harms, Geschäftsführerin von Analyse & Konzepte. „Wenn sie umziehen, dann meistens, weil sie aus Altersgründen einfach nicht mehr in ihrer Wohnung bleiben können. Die Strategie vieler Wohnungsunternehmen den Bestand stärker an den Wünschen von Senioren auszurichten, um dem demographischen Wandel angemessen zu begegnen, kann aus diesem Grund nur begrüßt werden.“

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