Software / IT

„Ein transparenter Verbrauch sorgt für zufriedene Mieter“

Wenn Wohnungseigentümer und Mieter wissen, wann sie wie viel Energie verbrauchen, können sie ihr Verhalten ändern – und damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Mit Alexander Lehmann, Geschäftsführer von Minol Messtechnik, sprach das BundesBauBlatt über die Zukunft der Heizkostenabrechnung.

Herr Lehmann, was haben Sie als Abrechnungsdienstleister mit der Energiewende zu tun?

Wer Energie und Ressourcen sparen möchte, muss zunächst einmal genau wissen, wie viel er verbraucht. Unsere Hauptaufgabe als Abrechnungsdienstleister ist es deshalb, präzise abzurechnen und den Verbrauch für Wärme und Wasser transparent und nachvollziehbar zu machen. Das ist die Grundlage für mehr Energieeffizienz und darin haben wir sehr viel Erfahrung. Schließlich erstellen wir pro Jahr 1,5 Mio. Heizkostenabrechnungen. Darüber hinaus verstehen wir uns vor allem als Berater und Lotse für Vermieter und Verwalter. Schließlich liegt es in ihren Händen, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen – zum Beispiel was die Technik angeht.

Mit dem „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz“ (NAPE) will die Regierung von 2015 an unter anderem den Wärmeverbrauch von Wohngebäuden erheblich senken. Wie wirksam sind diese Maßnahmen aus Ihrer Sicht?

Der Aktionsplan rückt endlich auch den Wärmebereich stärker in den öffentlichen Fokus. Bislang war die Energiewende in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem eine Stromwende, und das, obwohl etwa 40% des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland auf Heizung und Warmwasser entfallen. In privaten Haushalten sind es sogar bis zu 80%. Der Aktionsplan greift dieses enorme Einsparpotential auf, konzentriert sich dabei aber überwiegend auf technische Verbesserungen. Doch das Verbrauchsverhalten der Bewohner ist mindestens genauso wichtig, wie Dämmung und andere Sanierungsmaßnahmen. Eine Studie der TU Dresden hat zum Beispiel ergeben, dass in wärmegedämmten Gebäuden relativ mehr Energie verschwendet wird, als in ungedämmten! Zwar sinkt der absolute Energieverbrauch, doch der Einfluss der Bewohner und die Tendenz zu einem verschwenderischen Umgang nehmen zu. Damit wird viel Potenzial verschenkt. Nur wenn wir die Einsparungen über die Technik mit der Sparmotivation von Menschen kombinieren, lassen sich die ehrgeizigen Ziele der Politik noch erreichen.

Wie lassen sich Bewohner am besten motivieren, ihr Verhalten zu ändern?

Zum einen geht es um die richtige Aufklärung – etwa zum richtigen Heizen und Lüften. Hier sind Vermieter und Verwalter als Energieberater gefragt. Viele Bewohner wissen gar nicht, dass ihr Verhalten einen großen Effekt hat, und dass sich zum Beispiel schon mit einem Grad weniger Raumtemperatur etwa 6% Heizkosten einsparen lassen. Zum anderen ist eine detaillierte Verbrauchsabrechnung ein gutes Werkzeug.

Was heißt detaillierter? Ist die gesamte Betriebskostenabrechnung nicht schon kompliziert genug?

Das ist genau der Punkt. Es geht darum, die Informationen so aufzubereiten, dass die Bewohner verstehen, welche konkreten Auswirkungen ihr jeweiliges Ver­brauchsverhalten hat. Die derzeitige Form der jährlichen Heizkostenabrechnung lässt kaum Rückschlüsse auf das Verhalten im abgeschlossenen Abrechnungsjahr zu. Dabei gibt es aber verschiedene Stufen, die Transparenz zu erhöhen, die sich teilweise ganz einfach umsetzen lassen. Minol bietet zum Beispiel – zusätzlich zur Heizkostenabrechnung – eine Verbrauchsanalyse an. Bewohner sehen darin auf einen Blick, wie sich ihr Verbrauch in den letzten drei Jahren entwickelt hat, wie viel Energie sie im Vergleich zum Gebäudedurchschnitt verbrauchten und in welchen Räumen der Verbrauch besonders hoch war. Das macht die Abrechnung um einiges aufschlussreicher. Der nächste Schritt hin zu optimaler Transparenz ist es jetzt, solche Analysen auch unterjährig bereitzustellen. Hier setzt das so genannte „Informative Billing“ an: verständlich aufbereitete Informationen zu aktuellen Verbrauchswerten für die eigene Wohnung. Mit monatlichen Verbrauchsinformationen beispielsweise während der Heizperiode könnten Nutzer ein möglicherweise verschwenderisches Verhalten viel schneller identifizieren und ändern. Dieses direkte und zeitnahe Feedback hat den größten Effekt auf das eigene Verhalten.

Welche technischen Voraussetzungen sind dafür notwendig?

Geeignet sind funkfähige Geräte, die heute in vielen Liegenschaften schon Standard sind. Sie speichern aktuelle Verbrauchsdaten automatisch und übertragen diese an Datensammler, die auch aus der Ferne ausgelesen werden können. Damit sind diese Funksysteme eine wirtschaftliche und zeitgemäße Lösung. Dieses Verfahren ist als Grundlage für unterjährige Verbrauchsinformationen ideal, weil der Ableseturnus frei wählbar ist und die Werte unmittelbar für das Verbrauchsmonitoring verfügbar sind. Das Datensammler-Netzwerk liefert in festgelegten Intervallen alle Verbrauchswerte an ein Internetportal. Dort können Vermieter, Verwalter und Mieter die Werte und deren Entwicklung jederzeit einsehen – natürlich passwortgeschützt und nur die Werte der eigenen Wohnung. Die technischen Voraussetzungen sind also vorhanden und ausgereift. Um unterjährige Verbrauchsinformationen flächendeckend einzusetzen, ist allerdings ein politischer Rahmen notwendig.

Die Europäische Energieeffizienzlinie (EED) gibt Richtlinien für regelmäßige Verbrauchsinformationen vor. Warum hinkt die Umsetzung auf nationaler Ebene hinterher?

Auf EU-Ebene wird Informative Billing tatsächlich viel stärker propagiert. Die EED sieht ausführliche und regelmäßige Verbrauchsinformationen mindestens zweimal jährlich vor. Mit diesen und anderen Maßnahmen sollen die Mitgliedstaaten zwischen 2014 und 2020 jährlich durchschnittlich rund 1,5% Energie einsparen. Außerdem hat die EU das Projekt EMPOWERING gestartet. Dazu werden aktuell rund 300.000 Haushalte in Europa mit regelmäßigen, umfassenden Verbrauchsinformationen versorgt. Doch trotz dieser Vorstöße fehlt in Deutschland noch der politische Wille für unterjährige Verbrauchsfeedbacks. Dabei sind Mehraufwand und Kosten dafür geringer als für Gebäudesanierungsmaßnahmen wie eine nachträgliche Dämmung, neue Fenster oder ein Heizungsaustausch. Trotzdem wird momentan ausschließlich die Modernisierung etwa von veralteten Heizungsanlagen oder die Nutzung erneuerbarer Energien mit nationalen Anreizprogrammen und vielen Millionen Euro gefördert. Dabei lässt sich das Einsparpotenzial durch geändertes Verbrauchsverhalten mit verhältnismäßig geringem Aufwand heben. Studien haben ergeben, dass Mieter mit einer monatlichen Verbrauchsrückmeldung – zusätzlich zum schon gegebenen Einspareffekt der jährlichen Abrechnung – bis zu weiteren 10% Energie sparen können.

Welche Anreize gibt es für Vermieter?

Die Funktechnik bei der Verbrauchserfassung ermöglicht nicht nur die monatliche Verbrauchsinformation. Sie reduziert auch den Verwaltungsaufwand für Vermieter und Verwalter. Die Organisation von Terminen für Jahres- oder Zwischenablesungen entfällt und Nutzerwechsel werden erleichtert. Zudem lassen sich die Daten in Online-Portalen bündeln und jederzeit einsehen – damit haben Verwalter immer einen Überblick und eine lückenlose und detaillierte Dokumentation. Auf diese Weise sind etwa Nachfragen der Mieter rund um die Abrechnung einfacher zu klären. Ein transparenter Verbrauch sorgt übrigens auch für zufriedene Mieter, weil es ihnen die Sicherheit gibt, ihre Kosten besser kontrollieren zu können. Und ein niedrigerer Energieverbrauch erhöht wiederum die Attraktivität der Immobilie auf dem Wohnungsmarkt. Vermieter und Bewohner ziehen so gemeinsam an einem Strang.

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