Alles eine Frage der Farbe

326 neu errichtete Wohnhäuser auf dem Airfield der US-Armee in Wiesbaden-Erbenheim fachgerecht zu dämmen und zu verputzen, kann man durchaus als Mammutaufgabe bezeichnen.

Die Malermeister Klaus Michel GmbH aus Wiesbaden hat diese Herausforderung angenommen. Vom Frühjahr 2011 bis Herbst 2012 sorgte das Team um Geschäftsführer Stephan Michel für Wärmedämmung auf insgesamt 52.000 m² Fassadenfläche. Zum Einsatz kam dabei das Capatect WDVS von Caparol mit 14 cm dicker Dalmatinerplatte. Obenauf wurde ein bereits ab Werk eingefärbter Amphisilan-Silikonharzputz appliziert.

Auf dem weitläufigen Gelände der Lucius D. Clay Kaserne in Wiesbaden-Erbenheim befindet sich seit 2012 das neue Hauptquartier der US-Landstreitkräfte in Europa. Dessen Standortverlegung aus dem Rhein-Neckar-Raum nach Hessen brachte absehbar einen erheblichen Zuzug von US-Soldaten nebst Familien mit sich, für die es im näheren Einzugsgebiet des Wiesbadener Militärflugplatzes qualitativ hochwertigen Wohnraum bereitzustellen beziehungsweise neu zu schaffen galt. Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahl der Angehörigen und Bediensteten der US-Armee bis 2015 auf rund 18.000 steigen wird; hinzu kommen die Familien der Soldaten, die sich eine bedarfsgerechte Infrastruktur mit Kindergärten, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Sport- und Freizeitangeboten natürlich auch in ihrer neuen Heimat wünschen. Für den Standort Wiesbaden-Erbenheim ist das Hessische Baumanagement (hbm) als baufachlicher Dienstleister mit der Abwicklung der Baumaßnahme befasst. Um den Ausbau des Standorts durchführen zu können, waren neue bauliche Einrichtungen im bestehenden Gelände sowie eine Flächenerweiterung im Süden für das neue Wohngebiet erforderlich. Dazu musste ein 41 ha großes, vormals landwirtschaftlich genutztes Areal komplett neu erschlossen werden.

Auf WDVS spezialisiert

Normalerweise ist die Malermeister Klaus Michel GmbH eher auf die Wünsche von Privatpersonen ausgerichtet. Die Mitarbeiter gestalten Innenräume, verlegen Böden, tapezieren Wände und verschönern Decken mit viel Liebe zum Detail. In der Verarbeitung wohngesunder Materialien haben sie außerdem eine Nische entdeckt.

Paradedisziplin des Innungsbetriebs ist jedoch die Applikation von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS). Gerade wegen seines Qualitätsbekenntnisses konnte sich Malermeister Michel den Auftrag des Generalunternehmers Züblin AG zur Ausführung der Dämm- und Verputzarbeiten auf dem „Wiesbaden Army Airfield“ (WAAF) sichern. Denn die Ansprüche des Quartiermanagements der US-Armee sind, was Häuser und Wohnungen für ihre Bediensteten angeht, ausgesprochen hoch.

„Die gemauerten Rohbauten, die allesamt die Firma Züblin errichtet hat, wurden mit einem Capatect-WDVS gedämmt. Zum Einsatz kam dabei eine elastifizierte, 14 dicke Dalmatinerplatte. Die grau-weiß gesprenkelte WLG-035-Dämmplatte aus EPS wurde auf den Außenwänden zunächst mit Capatect 186M verklebt und dann im tragenden Kalksandsteinmauerwerk verdübelt. Obenauf folgte ein Amphisilan Silikonharzputz K20, der bereits ab Werk in verschiedenen Farbtönen eingefärbt war“, berichtet Caparol-Außendienstmitarbeiter Günter auf der Landwehr. Ge­­meinsam mit den Planern und Objektberatern Horst Liedtke – als Schnittstelle zum Generalunternehmen Züblin – und Peter Weidmann – als Ansprechpartner des Architekturbüros Junghans + Formhals – hat er das Großprojekt von den ersten Überlegungen bis zur Bezugsfertigstellung begleitet.

Farbgebung mit Konzept

Da sich die 326 Wohnhäuser zum Verwechseln ähneln, war es dem Architekturbüro Junghans + Formhals GmbH aus Weiterstadt ein wichtiges Anliegen, durch identitätsstiftende Farbgebung für Unterscheidbarkeit zu sorgen. „In unserem Büro wurden die insgesamt 326 neuen Wohneinheiten als Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser entwickelt. Sie setzen sich aus 13 verschiedenen Haustypen zusammen, die den jeweiligen Dienstgraden des militärischen Personals zugeordnet sind. In den insgesamt sechs Ringstraßen auf dem Gelände gibt es jeweils maximal vier unterschiedliche Haustypen, die sich äußerlich gleichen. Die Ähnlichkeit des Erscheinungsbildes war eine Vorgabe der US-Armee. Um trotz gewünschter Uniformität der Baukörper für optische Unterscheidbarkeit zu sorgen, haben wir bereits in einem sehr frühen Stadium der Planung ein Farbgebungskonzept für die Fassadengestaltung angeregt, mit dessen Ausarbeitung der Bauherr – wie von uns empfohlen – das Caparol FarbDesignStudio beauftragt hat“, berichtet Dipl.-Ing. Peter Formhals, Geschäftsführer bei Junghans + Formhals GmbH Architekten BDA in Weiterstadt. Die gemeinsam mit den Architekten erarbeiteten Vorschläge wurden den Verantwortlichen der US-Armee präsentiert und bildeten fortan die Grundlage für die farbliche Fassadengestaltung.

Ansprechendes Fassadendesign

Das Caparol FarbDesignStudio in Ober-Ramstadt ging bei der Entwicklung des Farbgebungskonzepts systematisch vor: „Wir hatten den Bebauungsplan vorliegen sowie die Grundrisse der Häuser. Auf dieser Basis haben wir im Team sowie in enger Abstimmung mit den Ar­­chitekten überlegt, wie wir die Farbgebung am besten vornehmen sollten, um die Fassadenlandschaft abwechslungsreich zu gestalten“, erinnert sich Dipl.-Ing. Arch. (FH) Daniela Volk an die Ausgangslage.

Das Ergebnis ihrer Überlegungen, an denen neben den Architekten auch Farbdesignerin Katharina Koch vom FarbDesignStudio be­teiligt war, kann sich sehen lassen: „Elf optimal aufeinander abgestimmte Farbkonzepte sorgen dafür, dass sich keine Farbabfolge wiederholt“, unterstreicht Dipl.-Designerin (FH) Charoula Voutyras-Klünder die Vorzüge der methodischen Herangehensweise. Das Konzept basiert darauf, dass alle Fassadenfarben die gleiche Sättigung und Helligkeit aufweisen, was das Kombinieren innerhalb derselben Farbfamilie möglich und einfach macht.

Kleine Flächen wurden mit kräftigen Farbtönen hervorgehoben, große Fassadenflächen mit dezent wirkenden Farben belegt. Im Zusammenspiel ergibt sich ein unaufdringliches, zeitlos schönes Farbensemble. „Für welchen Farbton man sich auch entscheidet, die Kombination mit einem anderen ergibt im­­mer eine ansprechende Harmonie“, führt Charoula Voutyras-Klünder weiter aus.

Um einen markanten optischen Kontrast zu integrieren, wurde bei allen Gebäuden zwischen den Fenstern im Obergeschoss ein weißes Putzfeld vorgesehen. Für Abwechslung sorgen außerdem die Garagen, Fenster, Hauseingangstüren, Regenrinnen, Fallrohre, Dä­­cher und Dachuntersichten: Sie wurden in dezent abgestuften Weiß- und Grautönen gestaltet, so dass sie sich von den farbigen Putzflächen abheben.

„Wir haben die Baustelle mit durchschnittlich 40 Mann bearbeitet“, sagt Malermeister Stephan Michel. Die Bauzeit betrug 18 Monate. Die Applikation des WDVS dauerte in etwa 15 Monate. „Das heißt pro Monat haben wir 21 Häuser, pro Arbeitstag ein Haus komplett fertig gestellt.“

Die Wohneinheiten setzen sich aus 13 verschiedenen Haustypen zusammen, die den jeweiligen Dienstgraden des militärischen Personals zugeordnet sind.

Das Farbkonzept basiert darauf, dass alle Fassadenfarben die gleiche Sättigung und Helligkeit aufweisen, was das Kombinieren innerhalb ­derselben Farbfamilie möglich und einfach macht.

x

Thematisch passende Artikel:

Caparol Werkstofftag 2015: Nachhaltig innovativ - Bio am Bau

Sie duftet wie Heu, wächst vier Mal schneller als Holz und kann zu Lebensmitteln sowie vielen anderen Dingen des täglichen Bedarfs verarbeitet werden: Die Rede ist von Hanf, einer der ältesten...

mehr
Ausgabe 12/2017 Ökologischer Baustoff

Thermo-Hanf: Dämmen, nicht rauchen!

Bis 2020 sollen im Quartier Lichterfelde Süd nahezu 1000 Wohnungen energetisch und optisch wieder in tadellosen Zustand versetzt oder im Zuge des Bestandsersatzes neu gebaut werden. Das freut die...

mehr

Ausgezeichnete Hanf-Fassadendämmung: Caparol bei „BAKA Preis für Produktinnovation“ nachhaltig erfolgreich

Auf der BAU in München überreichte Bundesbauministerin Barbara Hendricks den BAKA Award 2017. Dabei erhielt die Hanf-Fassadendämmung Capatect Natur+ von Caparol (www.caparol.de) eine Auszeichnung...

mehr

Caparol Werkstofftag 2014: Wenn nicht außen, dann von innen

Eigentlich müsste die energetische Ertüchtigung der Gebäudehülle für jeden Haus- und Wohnungseigentümer eine Selbstverständlichkeit sein. Schließlich stammen rund zwei Drittel der...

mehr
Ausgabe 04/2021 Farbe/Fassade/WDVS

Schwarz vor den Augen

Steht man vor dem nahezu schwarzen Baukörper in der Regensburger Puricellistraße, ahnt man kaum, dass es sich eigentlich um ein Gebäude aus dem Jahre 1973 handelt. Über vier Jahrzehnte war es von...

mehr