E-Handwerke: Solarenergie noch attraktiver machen

Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromversorgung steigt – aber nicht in ausreichendem Maße, findet der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH, www.zveh.de )und erinnert zum „Tag der Erneuerbaren Energien“ am 24. April 2021 daran, dass es, insbesondere beim Ausbau der Solarenergie der Unterstützung aus den Elektrohandwerken sowie Nachbesserungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bedarf.

Die Stromversorgung in Deutschland wird Jahr für Jahr „grüner“. Wurden im Jahr 2000 erst sechs Prozent des Stromverbrauchs über Erneuerbare Energien abgedeckt, waren es 2020 bereits 46 Prozent. Die Zielmarke des EEG – bis 2025 bis zu 45 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms über Erneuerbare Energien abzudecken – wurde damit bereits im vergangenen Jahr erreicht.

Ein Grund, die Hände in den Schoß zu legen, ist das nicht: Schon im nächsten Jahr steigt Deutschland endgültig aus der Atomenergie aus. 2038 endet auch die Ära des Braunkohleabbaus. Diese Lücke gilt es zu füllen. Und nicht nur das: Denn aufgrund des raschen Wachstums im Bereich der Elektrofahrzeuge und der zunehmenden Digitalisierung nimmt der Strombedarf in naher Zukunft um bis zu 50 Prozent* gegenüber dem heutigen Niveau zu. Bei der Wärmeversorgung spielen Erneuerbare Energien ebenfalls zunehmend eine wichtige Rolle. Derzeit beträgt der Anteil Erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte 15 Prozent*.

Ohne weiteren Zubau keine Energiewende

„Um den wachsenden Bedarf an Erneuerbaren Energien zu decken, die Energiewende erfolgreich umzusetzen und die ambitionierten Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, braucht es einen deutlichen Zubau von Energie aus Wind- und Sonnenkraft und klar definierte, auf die EU-Klimaziele für 2030 abgestimmte Ausbaupfade“, fordert daher auch ZVEH-Präsident Lothar Hellmann: „Die Elektrohandwerke mit ihrem Know-how in Sachen gebäudenahe Energieerzeugung und -nutzung können und wollen hier unterstützen. Denn Klimaschutz ist längst ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.“ 

Bürger in Energiewende einbinden

Insbesondere Photovoltaik-(PV)-Anlagen stellen eine ideale Möglichkeit dar, Energie verbrauchsnah zu erzeugen. In Kombination mit innovativen Speichertechnologien lässt sich der Energieverbrauch eines Gebäudes so zu einem Großteil aus selbsterzeugten PV-Strom decken. Solaranlagen eröffnen Bürgerinnen und Bürgern somit die Möglichkeit, sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen, indem sie von reinen Verbrauchern zu sogenannten „Prosumern“ werden: zu Verbrauchern (Consumer), die gleichzeitig Erzeuger (Producer) sind. Um diesen Prozess voranzutreiben, braucht es nach Ansicht der elektrohandwerklichen Organisation jedoch einen weiteren Abbau bürokratischer Hürden. 

PV-Ausbau beschleunigen

Energie, die aus Sonne gewonnen wird, macht aktuell mit einer installierten Leistung von über 52 Gigawatt* den zweitgrößten Anteil innerhalb der Erneuerbaren Energien aus. Aktuelle Studien belegen allerdings, dass der Photovoltaik-Ausbau deutlich ehrgeiziger vonstattengehen muss, als es derzeit der Fall ist. So geht eine 2020 veröffentlichten Studie des Thinktanks „Agora Energiewende“ davon aus, dass der jährliche Photovoltaik-Zubau in Deutschland von derzeit knapp fünf auf zehn Gigawatt steigen müsste, soll die bis 2050 angestrebte Klimaneutralität Deutschlands erreicht werden.

ZVEH fordert Nachbesserungen beim EEG

Ein Zubau aber wird nach Ansicht des ZVEH nur erreicht, wenn sich auch einige Regelungen im Bereich der Erneuerbaren Energien ändern. Die elektrohandwerkliche Organisation fordert daher schon seit Langem und zuletzt bei der Novelle des EEG im Dezember 2020:
 
• die Abschaffung der EEG-Umlage für den Verbrauch von selbst erzeugtem PV-Strom, um so weitere Anreize für eine dezentrale Stromerzeugung zu schaffen. Aktuell ist der Energieträger Strom durch Steuern und Abgaben noch immer teurer als fossile Energieträger!

• eine noch viel stärkere Flexibilisierung der PV-Stromnutzung, die Erzeugern und Nutzern z. B. durch unkomplizierte Quartiersansätze und Mieterstrommodelle mehr Freiheiten gibt.

• kein Lastmanagement des Netzbetreibers zulasten des Gebäudeeigentümers bzw. Hoheit des Gebäudeeigentümers bzw. des hauseigenen Energiemanagements, sodass beispielsweise das unterbrechungsfreie nächtliche Laden eines E-Fahrzeugs sichergestellt ist.

• Einbau von intelligenten Messeinrichtungen erst ab einem Schwellenwert von 30 kW, da die Pflicht zum Einbau von Smart-Meter-Geräten bei kleineren PV-Anlagen Kosten verursacht, die in keinem Verhältnis zu den durch die Anlage generierten Einsparungen stehen. 

Elektroanlagen dringend zukunftsfähig machen

Gleichzeitig verweist der ZVEH darauf, dass die Politik bei einem Zubau der Erneuerbaren Energien auch stärker die hauseigenen Elektroanlagen in den Blick nehmen muss. Denn ganz gleich, ob es um Photovoltaik, Speichertechnologien, Elektromobilität, um ein gebäudeeigenes Energiemanagement, das Thema „Sektorkopplung“ oder die Digitalisierung der Stromnetze geht: Dreh- und Angelpunkt ist immer die hauseigene Elektroanlage. 

Hier besteht nach Ansicht des ZVEH dringender Handlungsbedarf, denn der Löwenanteil des Gebäudebestands hierzulande ist in die Jahre gekommen. Dementsprechend sanierungsbedürftig sind auch die elektrischen Anlagen. „Für die Herausforderungen der Energiewende braucht es jedoch zukunftsfähige elektro- und informationstechnischen Anlagen“, mahnt ZVEH-Hauptgeschäftsführer Ingolf Jakobi. 

Neuer Beruf als Antwort auf Anforderungen der Energiewende

Was die Elektrohandwerke angeht, so haben diese längst auf zukünftige Herausforderungen reagiert: Mit der Neuordnung der elektrohandwerklichen Ausbildungsberufe wurde die gesamte Ausbildung an die Anforderungen der Digitalisierung angepasst. Zudem entsteht mit dem „Elektroniker/-in für Gebäudesystemintegration“ – Ausbildungsbeginn im Sommer 2021 – auch ein ganz neuer Beruf.

Der Vernetzungsexperte wird in der Lage sein, gebäudeeigene Systeme gewerkeübergreifend zu vernetzen und soll so die Schnittstelle zu Bauplanern bilden. Zum Einsatz kommen wird der „Gebäudesystemintegrator“ zum Beispiel im Bereich „Smart Home“, wo es darum geht, ganz unterschiedliche Systeme von der Ladestation fürs E-Auto über die hauseigene PV-Anlage und das gebäudeinterne Energiemanagement bis hin zur Sicherheits-, Wärme- und Lüftungstechnik miteinander zu vernetzen. Der/die „Elektroniker/-in für Gebäudesystemintegration“ stellt damit einen wichtigen Baustein für die Energiewende dar.  

* Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)

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