Darmstädter Bauverein entwickelt Klimaschutzstrategie

Derzeit beherrscht vor allem ein Thema den Alltag vieler Menschen und Unternehmen: die Corona-Krise. Während der Pandemie darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, welche Entwicklungen nach der Krise wichtig sind. Nach der Überwindung der Krise ist eine verstärkte Investition in eine umweltfreundlichere Wirtschaft nötig. Eine Anstrengung, die alle Bereiche der Gesellschaft betrifft. Die Darmstädter bauverein AG hat daher insbesondere die klimaneutrale Ausrichtung im Blick und vier Kernpunkte zur Erreichung der Klimaschutzziele gemeinsam mit dem Aufsichtsrat identifiziert.

Auch wenn Deutschland zwar nur für etwa zwei Prozent der weitweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist, muss nach Auffassung des Aufsichtsratsvorsitzenden Roland Desch das kommunale Unternehmen mit gutem Beispiel vorangehen.

Die gesetzgebenden Akteure haben die Aufgabenstellung „Klimaneutralität“ für die Wohnungsbauunternehmen formuliert. In Darmstadt wurde der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, Darmstadt bis 2035 klimaneutral zu gestalten, verabschiedet. In den kommenden Jahren soll der vorhandene Wohnungsbestand der bauverein AG dahingehend umgebaut werden, dass die Klimaziele des Pariser Abkommens von 2015 erreicht werden können.

Eine Herausforderung für die ganze Branche. „Es gibt bisher keinen Leitfaden und schon gar kein Patentrezept. Wir haben uns daher früh dieser Aufgabe gestellt, denn den größten Anteil unseres Bestands machen Liegenschaften aus, die in der Nachkriegszeit und den 1960er Jahren errichtet wurden. Dabei hat sich uns schnell die Frage gestellt, wie viel wir investieren müssen, um Klimaneutralität über unseren Bestand hinweg zu erreichen“, so Vorstand Armin Niedenthal.

Zur Erreichung die Klimaschutzziele hat der Aufsichtsrat folgende vier Punkte identifiziert:

1. Strategische Kooperation und Allianzen schließen, um das ambitionierte Branchenziel gemeinsam zu erreichen

Die bauverein AG engagiert sich als Gründungsmitglied im Vorstand der „Initiative Wohnen 2050 - klimaneutral in die Zukunft“. Dieser bundesweite Zusammenschluss richtet sich an alle Wohnungsunternehmen in Deutschland und strebt ein umweltpolitisches Bündnis der ganzen Branche an. Neben der strategischen Kooperation und einem fachlich-inhaltlichen Abgleich stehen vor allem wirtschaftliche und finanzielle Belange zur Erreichung der Vorgaben im Blickfeld.

2. Energetische Sanierungsquote erhöhen und klimaneutrale Wärmeversorgung der Bestandsliegenschaften der bauverein AG prüfen

Die bauverein AG verfolgt das Ziel, den CO2-Ausstoß ihrer Liegenschaften, der bisher bei rund 60 Tausend Tonnen pro Jahr liegt, entsprechend des Zwei-Grad-Ziels abzusenken. Die bauverein AG arbeitet daher daran, die Sanierungsquote für den gesamten Gebäudebestand von einem auf zwei Prozent pro Jahr zu erhöhen. Darüber hinaus prüft die bauverein AG die Technologieauswahl für die Wärmeversorgung bei einer energetischen Modernisierung ihrer Liegenschaften künftig vor allem unter dem Gesichtspunkt der Klimaneutralität und hat hierfür im Jahr 2019 gemeinsam mit dem Energieversorger ENTEGA AG das Tochterunternehmen bauTega GmbH gegründet.

3. Ganzheitliche Ansätze verfolgen und Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen

Fast 40 % beträgt der Anteil des Gebäudesektors am Energieverbrauch in Deutschland. In Immobilien entfallen 85 % des Energieverbrauchs auf Wärme und Warmwasser. Dies zeigt die Handlungsnotwendigkeit bei den Maßnahmen rund um Wärmedämmung und vor allem bei der Heizungsmodernisierung. Beides ist notwendig, dennoch reicht dies alleine nicht aus, um das nationale Klimaschutzziel eines weitgehend CO2-neutralen Gebäudebestands zu verwirklichen. Dafür ist ein ganzheitlicher Ansatz notwendig, der nicht nur auf punktuelle Einzelmaßnahmen abzielt, sondern die gesamte Wärmewertschöpfungskette von der Erzeugung bis zum Verbraucher im Blick hat. Die bauverein AG sieht sich hier mit ihrer 2018 erworbenen Tochtergesellschaft System-tec GmbH gut gerüstet, denn die Digitalisierung liefert den Schlüssel, um sowohl die Erzeugung als auch den Verbrauch von Wärme in den Gebäuden grundlegend und nachhaltig energieeffizient zu optimieren.

So bieten bspw. digitale Verbrauchsinformationen den Mietern erhöhte Transparenz, wodurch sie sich noch effizienter verhalten und ihren Energieverbrauch verringern können. Auch in der Ausstattung von Heizungsanlagen mit elektronischer Überwachung und Steuerungsfunktionen in Wohngebäuden sieht die bauverein AG ein energetisches Potenzial und hat aktuell gemeinsam mit bauTega GmbH ein erstes Pilotobjekt in der Elisabethenstraße digital ausgestattet und treibt die Fernablesung und Überwachung sukzessive voran. Für die Tochter System-tec als Abrechnungsdienstleister ergibt sich dadurch die klare Konsequenz, ihr Serviceportfolio kontinuierlich zu erweitern und mit Hochdruck zu digitalisieren.

4. Finanzierung der Klimaschutzstrategie sicherstellen

Sollen die gesamten Investitionen in diesem Bereich nicht nur zu Lasten der Unternehmen und der Mieter gehen, ist aus Sicht der bauverein AG eine maßgebliche Unterstützung durch die Politik notwendig. Als Kosten für das Gesamtprojekt „Klimaneutraler Gebäudebestand“ rechnet die bauverein AG alleine für das eigene Unternehmen mit etwa 1,5 Mrd. Euro, zusätzlich zu den veranschlagten Geldmitteln zur Bestandserhaltung und für Neubauten. Der Aufsichtsrat sieht dafür auch Land und Bund in der Pflicht. Bei der Finanzierung rückt auch der Quartiersansatz in den Vordergrund. Eine quartiersbezogene Vorgehensweise bietet die Chance, Skalen- und Verbundeffekte zu realisieren und so ein Mehr an Klimaschutz zu geringeren Kosten umzusetzen. Die bauverein AG beteiligt sich daher seit längerer Zeit am Forschungsvorhaben „SWIVT“. Das Projekt, das durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird, hat die innovative energetische Vollsanierung der Postsiedlung in Darmstadt zum Ziel.

„Klimaschutz ist für Südhessens größte Wohnungsbaugesellschaft eines der vordringlichsten Themen. Mit unserer erarbeiteten Klimaschutzstrategie wollen wir dazu beitragen, das im Pariser Abkommen fixierte Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Allerdings sind wir, wie alle anderen Unternehmen der Wohnungswirtschaft, auf die Unterstützung von Bund und Land bei der
sozialverträglichen Finanzierung der baulichen Maßnahmen angewiesen“, so Aufsichtsratsvorsitzender Roland Desch.

„Es müssen technische, ökonomische, sachliche und insbesondere finanzielle Mittel effektiv aufeinander abgestimmt werden, wenn dieses festgelegte Ziel des klimaneutralen Gebäudebestands erreicht wollen soll. Mit der vereinbarten Klimaschutzstrategie und deren aktiver Umsetzung wollen wir auch ein wichtiges Vorbild für private Wohnungs- und Hausbesitzer sein, denn in deren Hand befinden sich die meisten Gebäude“, betont Vorstand Sybille Wegerich.

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