19,6 Millionen Beschäftigte arbeiten in einer anderen Gemeinde

Knapp 60 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiteten im Jahr 2020 nicht an ihrem Wohnort. Das entspricht 19,6 Millionen Menschen. Gegenüber dem Vorjahr blieb sowohl die Zahl als auch der Anteil der Beschäftigten stabil, die auf dem Weg zur Arbeit die Gemeindegrenzen überschreiten. Das ergab eine Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), die sich auf Pendlerstatistiken der Bundesagentur für Arbeit stützt.

Die Pendlerstatistik sagt nichts darüber aus, wie viele Beschäftigte sich im vergangenen Jahr im Homeoffice befanden und entsprechend nicht täglich pendelten. Sie zeigt jedoch, wie sich die Arbeitsmarktzentren regional verteilen und wie weit diese aufs Umland ausstrahlen.

Im Vergleich der Großstädte übt München die größte Anziehungskraft für Arbeitskräfte aus dem Umland aus. So wohnten im Jahr 2020 410.000 der in München arbeitenden Beschäftigten außerhalb der Stadtgrenzen. Es folgen Frankfurt am Main (384.000), Hamburg (355.000) und Berlin (332.000).

Die höchsten Anteile an Beschäftigten mit einem Wohnort außerhalb der Stadtgrenzen wiesen im Jahr 2020 die Großstädte Darmstadt (69 Prozent), Ludwigshafen am Rhein, Erlangen und Offenbach am Main (jeweils 68 Prozent) auf.

„Die Pandemie hat die Arbeitswelt grundlegend verändert“, so BBSR-Leiter Dr. Markus Eltges. „Formen der mobilen Arbeit bieten die große Chance, den Pendlerverkehr in den Großstädten und ihrem Umland zu reduzieren – und damit auch die umwelt- und gesundheitlichen Belastungen zu verringern, die durch das Pendeln entstehen. Kleine und mittelgroße Kommunen können als Wohnorte abseits der Großstädte attraktiver werden, wenn Beschäftigte nur wenige Tage im Monat im Büro sind und größtenteils von zu Hause aus arbeiten“, sagt Eltges. „Die Arbeitgeber müssen diese neue Arbeitswelt auch wollen und sehen, was sie für Vorteile hat. Bei einer Win-win-Situation wird es kein Zurück in die alte Arbeitswelt geben.“

Die Ergebnisse für die Großstädte gibt es www.bbsr.bund.de

Thematisch passende Artikel:

BBSR-Analyse: Großstädte unter Wachstumsdruck

Zwischen 2010 und 2015 sind die 78 Großstädte in Deutschland um mehr als 1,2 Mio. Einwohner beziehungsweise um 4,9 % gewachsen. Allein die sieben größten deutschen Städte gewannen innerhalb von...

mehr

BBSR: Wohnungsbaugenehmigungen in den Großstädten stagnieren

Im Jahr 2015 wurden bundesweit 309.000 Baugenehmigungen erteilt – 99.000 davon, also rund ein Drittel, entfielen auf die kreisfreien Großstädte. Damit blieb die Zahl der Baugenehmigungen in den...

mehr

BMI und BBSR fördern Projekte für die Post-Corona-Stadt

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) haben jetzt den Förderaufruf „Post-Corona-Stadt“ gestartet. Gesucht...

mehr

Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Wohnungsmieten steigen weiter

Die Neuvertragsmieten für Wohnungen sind deutschlandweit im 1. Halbjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,4 % gestiegen – auf 7,90 € pro m² (nettokalt). Den größten Preisanstieg...

mehr

Auch ländliche Kreise wachsen: Interaktive Anwendung des BBSR veranschaulicht demografische Entwicklung

Wie hat sich die Bevölkerung auf dem Land und in den Städten zwischen 1995 und 2017 entwickelt? Mit einer neuen interaktiven Anwendung des BBSR lässt sich diese Frage jetzt bis auf Kreisebene...

mehr