Erneuerbare Energien

Vom Spatenstich zum Einzug in nur zwölf Monaten

Das Neubauprojekt der Mayers im süddeutschen Ellhofen sollte einen Beitrag zur Ortskernverdichtung leisten und der Familie eine Einkommensquelle für den Ruhestand bescheren. Bürokratiedschungel und Fachkräftemangel zum Trotz gelang die Verwirklichung des Projektes in sage und schreibe einem Jahr. Mieter für die acht Wohnungen mit Effizienzklasse KfW 40 Plus, PV-Anlage und Wärmepumpenkaskade ließen nicht lange auf sich warten.

„Geplant waren die Wohnungen für ältere Personen und Familien“, erinnert sich Bauherrin Sandra Mayer. „Überraschenderweise liegt das durchschnittliche Alter der Mieter nun bei 25 Jahren – und es sind überwiegend Singlehaushalte.“ Dass das Gesamtkonzept der Eheleute Mayer in Ellhofen nahe Heilbronn auf Anklang stieß, verwundert nicht. In ihrer knapp 4.000 Einwohner starken Gemeinde vor der Kulisse der „Schwäbischen Toskana“ errichteten sie ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten. „Ein Projekt mit Herzblut, sonst hätten wir das als Familie nicht leisten können“, stellt Sandra Mayer fest. Während ihr Mann als Angestellter im Außendienst arbeitet, jongliert sie Job, Haushalt, die Versorgung der zwei Kinder und neuerdings auch die Wohnungsverwaltung.

Ein begehrtes Angebot

Die Mietapartments reichen in der Größe von 44 bis 105 m² und lassen kaum Wünsche offen. Jedes verfügt über gehobene Ausstattung einschließlich Fußbodenheizung, Einbauküche mit hochwertigen Elektrogeräten und elektrische Handtuchheizer im Badezimmer. Dank einer Entkalkungsanlage im Keller sprudelt extra weiches Wasser aus den Leitungen. Separate Durchlauferhitzer für alle Mieter erlauben eine dezentrale, energiesparende Brauchwasserregelung. Alle Wohnungen bieten Zugang zu einer Terrasse oder einem Balkon mit moderner Milchglas-Einfassung. Zudem sind sie ausnahmslos barrierefrei gestaltet und bei Bedarf per Aufzug zu erreichen. „Bei der Auswahl der Materialien sind wir vorgegangen, als ob wir für uns bauen würden: Hochwertig und langlebig sollten sie sein“, betont Sandra Mayer.

Die Bauleitung führte sie selbst, gemeinsam mit Architekt Rolf Ingelfinger aus Erlenbach. Für einen Großteil der handwerklichen Arbeiten konnte sie Uwe Mandel aus Wimmental gewinnen. Der gelernte Flaschner und SHK-Meister beschäftigt heute zehn Mitarbeiter und bedient ein umfangreiches Haustechnik-Portfolio. Bauherrin Mayer freut sich über die erfolgreiche Kooperation: „Die Zusammenarbeit mit Uwe Mandel hat sehr gut funktioniert. Wir kennen uns auch schon seit einigen Jahren.“

Mobil ohne Abgase

Nachhaltigkeit und Familienfreundlichkeit spielten auch bei der Gestaltung der Parkflächen eine zentrale Rolle. Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Kinderwagen gehören selbstverständlich zum Anwesen. Für die Autos der acht Parteien steht mit 13 Stellplätzen ungewöhnlich viel Raum zur Verfügung, – so bleiben die Bordsteine den Fußgängern vorbehalten. Dabei ist die Unterstützung von E-Mobilität für Familie Mayer Ehrensache: Während vergleichbare Objekte höchstens mit ein bis zwei E-Ladestellen bedacht werden, haben die Hausherren höchstpersönlich alle 13 Stellplätze mit Wallboxen ausgerüstet.

Über Stolpersteine zur Stromversorgung

Dass sich die Mieter auch langfristig nicht um hohe Nebenkosten sorgen müssen, war den Mayers ein besonderes Anliegen. Staatliche Förderung sollte dabei helfen, besonders wirtschaftliche Bau- und Versorgungstechniken zu finanzieren. Doch den angestrebten KfW-Effizienzhaus-Standard 40 Plus zu erreichen, erwies sich als unerwartet kompliziert. Voraussetzungen für das Förderprogramm war neben einem dezentralen Lüftungssystem auch die Nutzung von Mieterstrom. Ein Unterfangen, das selbst die fachkundigen Bauherren an ihre Grenzen brachte: „Die Bürokratie rund um den Mieterstrom ist maximal anstrengend. Mich wundert es nicht, dass dies so wenig umgesetzt wird.“ Am Ende des Weges durch den Verwaltungsdschungel stand schließlich ein gebäudeübergreifendes Mieterstromkonzept in Kooperation mit Stromlux. Eine PV-Anlage von SMA in Ost-West-Ausrichtung liefert bis zu 39 kWp an Leistung. Ergänzt wird das System durch einen 46 kWh fassenden Batteriespeicher von BYD und drei Batterie-Wechselrichter Sunny Island von SMA.

Wärmepumpen-Kaskade mit Eigenstrom

Ein Teil des selbsterzeugten Stroms fließt direkt in die moderne Heizanlage. Zwei Brötje Luft-/Wasser-Wärmepumpen vom Typ BLW NEO 12 decken den Wärmebedarf von 24 kW. „Wir haben uns für dieses Modell entschieden, weil es uns als sehr leise empfohlen wurde“, erläutert Sandra Mayer. Die BLW NEO 12 eignet sich mit einem Schallleistungspegel von ca. 50 dB(A) ideal für die Platzierung in Wohngebieten. Zudem punktet sie mit einem neuartigen Wärmetauscher-Verbundsystem und bedarfsabhängig vollmodulierendem Betrieb. Für die Installation der Geräte zog SHK-Meister Mandel einen bewährten Kontakt zurate: Willy Emmert, Technischer Außendienst für BRÖTJE bei Gienger und Renz Haustechnik. Als unauffälligen Aufstellort für die Außeneinheiten wählte man den hinteren Teil des Tiefgaragendaches hinter dem Hauseingang. In zeitgemäßem Weiß und Anthrazit harmonieren die beiden Gehäuse sogar mit dem Stil der Gebäudefassade.

Die Inneneinheiten der Wärmepumpen sind an einer Wand des Heizungskellers installiert. Sie bieten schnellen Zugriff auf Regelungsoptionen und Betriebswerte. Ein RKM-Kommunikationsmodul gewährleistet den Fernzugriff. Die BLW NEO 12 besitzt einen COP von 4.02, die Jahresarbeitszahl der Anlage wird sich erst nach dem zwölften Betriebsmonat ermitteln lassen. Mit einem außergewöhnlichen SPF (Seasonal Performance Factor) von 7.7 liegt die Wirksamkeit des Systems jedoch bereits um 2.7 über der Leistung vergleichbarer Anlagen.

Ebenfalls im Heizungskeller steht ein 850 l fassender Pufferspeicher von Cosmo. Die hauseigenen Energieerzeuger halten das darin gelagerte Heizungswasser auf einer vordefinierten Temperatur. Von hier aus werden alle acht Wohneinheiten separat beliefert. Jedes Apartment ist mit einer flächendeckenden Cosmo-Fußbodenheizung samt eigener Bedienungseinheit ausgestattet. In Kombination mit der Wärmepumpen-Kaskade lässt sich so eine besonders effiziente Wärmeverteilung erreichen.

Essenziell: die richtigen Partner

Fördermittel fließen nur mit qualifizierter Energieberatung – und ökologisches Heizen funktioniert nur hinter gut gedämmten Außenwänden. Die Mayers wollten jedoch auch hier mehr als den Standard. Sie wünschten sich ein umweltfreundliches Baumaterial, das ohne zusätzliche Dämmstoffschichten die Wärme im Haus hält. Ihre Suche nach einem Energieberater, der sich mit Gebäuden ohne Wärmeverbundsysteme auskannte, blieb in Baden-Württemberg erfolglos. Erst über das HOH-PKE Planungs- und Sachverständigenbüro im unterfränkischen Karbach gelangten sie an eine entsprechende Empfehlung. Poroton-Planziegel aus natürlichem Ton brachten alle gewünschten Materialeigenschaften mit und brauchten nur noch mit Aufputz versehen zu werden. Durch den Verzicht auf eine Dämmschicht ergab sich zusätzlicher Wohnraum, die Bauphase verkürzte sich spürbar.

Ein weiterer Punkt, der zum schnellen Projektfortschritt beitrug, war die enge Zusammenarbeit unter den Beteiligten. „Ich war etwa dreimal am Tag auf der Baustelle, um zu schauen, ob alles läuft. Hier sind schnelle Entscheidungen notwendig, damit es keine Verzögerungen gibt. Sonst hätten wir das Bauvorhaben nicht in einem Jahr realisieren können“, resümiert Sandra Mayer. „Alle Firmen und Handwerker kommen aus der Region. Wir kennen sie als zuverlässig und stets erreichbar, wenn es schnelle Entscheidungen zu treffen gilt. Wichtig: Das Geld bleibt ebenfalls in der Region.“ Auch Uwe Mandel schätzt den Wert langlebiger Partnerschaften: „Wir arbeiten seit 2004 mit Gienger und Renz, dem Großhandel für Brötje-Produkte. Beratung, Service und Zusammenarbeit funktionieren einwandfrei.“

Konsequent hohe Qualitätsansprüche, kompetente Kontakte und viel Engagement haben sich für die Mayers ausgezahlt. Zwei Jahre nach Planungsbeginn im Frühjahr 2020 stand ihr KfW-geförderter Neubau bereit zum Bezug. „Es war ein spannendes Projekt mit viel Zeitaufwand. Während der Bauphase haben wir uns jede freie Minute um den Fortgang und die Details gekümmert. Im Nachhinein sind wir stolz, dass alles so gut geklappt hat.“

Bautafel

Objekt:
Neubau MFH
Förderstufe KfW 40 Plus

Baufamilie
Familie Mayer
74248 Ellhofen

Planung und Bauleitung
Rolf Ingelfinger
74235 Erlenbach und
Sandra Mayer (Bauherrin)

Energieberatung
HOH-PKE
97842 Karbach
E-Mail: info@hoh-pke.de
www.hoh-pke.de

Ausführung SHK
Uwe Mandel
74189 Weinsberg
E-Mail: info@uwe-mandel.de
www.uwe-mandel.de

Heizlast nach DIN EN 1281
24 kW

Material
PV-Anlage:
2x STPX 15-50 von SMA in Ost-West-Ausrichtung mit 39 kWp
46 kWh Batteriespeicher von BYD
3x Sunny Island 8.0 von SMA

Heizanlage:
1 Heizkreislauf mit 8 Wärmezügen

Flächendeckende Fußbodenheizung von Cosmo mit je 1 Regelungseinheit pro Wohnung

2x Luft-/Wasser-Wärmepumpe BLW NEO 12 von Brötje als Kaskade inklusive Regelung und RKM Kommunikationsmodul

Pufferspeicher Cosmo 850 l

Dezentrales Brauchwasser mit 8 Durchlauferhitzern und Entkalkungsanlage

Dezentrale Be- und Entlüftung von Maico

Mauerwerk Poroton-Planziegel-MZ80-42,5 vom Ziegelwerk Bellenberg

Hersteller Heizungsanlage:
August Brötje GmbH
26180 Rastede
www.broetje.de

Kontakt bei Brötje
Willy Emmert
Technischer Verkauf Brötje
Gienger & Renz Haustechnik
74613 Öhringen
E-Mail:
www.gienger-renz.de

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