Verkehrslärm

Verglaste Balkone als Schallschutz

Am Rathauspark in Berlin-Lichtenberg entstand in zwei Vorhaben ein neues, klimafreundliches Quartier zum Wohnen und Arbeiten. Der zweite Bauabschnitt stellte die Planer jedoch durch die Nähe zur mehrspurigen Hauptstraße vor schallschutztechnische Herausforderungen. Mit verglasten Balkonen konnte der Lärmbelastung schließlich effektiv begegnet werden.

Innerstädtischer Baugrund ist knapp, vor allem in großen Metropolen wie Berlin. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE realisierte auf einem ca. 22.000 m² großen Grundstück im pulsierenden Stadtbezirk Berlin-Lichtenberg das autofreie „Quartier am Rathauspark“. Im Zuge von zwei Bauvorhaben entstanden zwischen 2015 und 2021 insgesamt 387 Wohnungen, eine Kita sowie 15.500 m² Büro- und Gewerbeflächen in sechs Neubauten mit nachhaltigem Energiekonzept.

172 Wohnungen werden als geförderter Wohnraum zu einer niedrigen Einstiegsmiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet, 1.850 m² der Gewerbeflächen stehen dem Einzelhandel und der Gastronomie zur Verfügung. Zwei Tiefgaragen und Fahrradstellplätze, vorgerüstet für E-Mobility, runden das Angebot an die Mieter ab.

Den Architekturwettbewerb für den zweiten Teil des Viertels – das Wohn- und Büroquartier Möllendorffstraße 2, Stefan-Heym-Platz 1, Frankfurter Allee 129-137 und Rathausstraße 14-17 – konnte das Berliner Büro von Baumschlager Eberle Architekten für sich entscheiden, beauftragender Generalunternehmer war das Bauunternehmen PORR.

Das neue Tor zu Lichtenberg

Ab 2019 entstanden auf dem zweiten Baufeld vier Neubauten, die sich um eine großzügige Freifläche gruppieren: Zwei rein gewerblich genutzte Immobilien entlang der Frankfurter Allee bzw. der Möllendorfstraße sowie zwei mehrgeschossige Wohnungsbauten entlang des Rathausparks und parallel zur Rathausstraße. Die gesamte Bebauung zeichnet sich durch eine hohe Aufenthaltsqualität aus: Der geschützte Innenbereich ist bewusst großzügig konzipiert und setzt sich aus Innenhöfen, Vorgärten, Spiel- und Sitzgelegenheiten sowie umweltfreundlich gestalteten Grünflächen mit weitestgehend erhaltenem Baumbestand zusammen.

Wahrzeichen des Areals ist ein weithin sichtbarer Büroturm am neu geschaffenen Stefan-Heym-Platz 1, der sich als neues „Tor zu Lichtenberg“ 18 Stockwerke in den Himmel reckt. Hier befindet sich der Großteil der neugeschaffenen Büroflächen, darunter auch die neue Unternehmenszentrale der HOWOGE.

Dass nicht das ganze Areal mit Wohnungen überbaut wurde, wie noch im Architekturwettbewerb gefordert, ist den hohen Schall-Emissionen der beiden stark befahrenen Straßen geschuldet. Ulrich Schiller, Geschäftsführer der HOWOGE: „Das Errichten von Wohnraum war an dieser Stelle wegen des Verkehrslärms baurechtlich nicht realisierbar“, erläutert er. „Eine gewerbliche Nutzung hingegen war möglich und bot den Vorteil, dass der Gebäuderiegel zugleich als Schallschutz für die dahinter liegende Wohnbebauung dient.“ Trotz des schallreduzierenden Gebäuderiegels entlang der Frankfurter Allee stellte der nächstgelegene, seitliche Wohnraum aufgrund zu hoher Lärmemissionen die Architekten vor bautechnische Herausforderungen.

Balkonverglasung als Schallpuffer

Maßnahmen zur Lärmminderung, wie etwa Abstandsregelungen oder die Einrichtung von Lärmschutzzonen, sind in Ballungszentren mit begrenzten Flächenpotenzialen kaum umsetzbar. Um dennoch Wohnqualität zu lärmbelasteten Seiten zu ermöglichen, können beispielsweise Verglasungen als Pufferzone zwischen Außen- und Innenraum schallmindernd wirken.

In entsprechender Ausführung bietet das Verglasen von Loggien und Balkonen in urbanen Wohngebieten weitere Mehrwerte. Sie ermöglichen nicht nur deren ganzjährige Nutzung und schützen die Gebäudehülle dauerhaft vor Witterungseinflüssen.

Über die ertüchtigten Balkone sind zudem Primärenergiebedarf-Einsparungen von bis zu 20 Prozent möglich: Der so realisierte Solarenergieeintrag und der entstehende Klimapuffer bedeuten durch die CO₂-Kompensation einen effektiven Beitrag zur Klimaneutralität. Schmale Fugen zwischen den Scheiben ermöglichen die hygienische Frischluft-Zirkulation – bei gleichbleibend hohem Schallschutz.

Das Wohn- und Büroquartier Möllendorffstraße 2, Stefan-Heym-Platz 1, Frankfurter Allee 129-137 und Rathausstraße 14-17 der HOWOGE zeigt, wie eine Fassadenverglasung ästhetisches Gebäudedesign mit Funktionalität kombiniert. Die schalltechnischen Anforderungen konnten mithilfe raumhoher Schiebe-Dreh-Verglasungen erfüllt werden.

Es kamen Balkonverglasungen von Solarlux (www.solarlux.de) zum Einsatz, welche die Lärmemissionen um bis zu 22 dB reduzieren und so für ausreichend Ruhe sorgen. Professor Gerd Jäger, Mitbegründer Baumschlager Eberle Architekten Berlin: „Dadurch, dass wir die Loggien schlossen, ist nur noch ein indirekter Bezug zur Straße vorhanden.“ Neben der hohen technischen Funktionalität schätzen die Architekten das Design der schallreduzierenden Bauelemente. Professor Gerd Jäger: „Schlanke Profile kombiniert mit einer hohen Transparenz – damit mussten wir nicht so stark in die Fassadengestaltung eingreifen.“

Als Verglasung kam bei der Anwendung in der Frankfurter Allee 135 ein 10 Millimeter dickes, heißgelagertes Einscheibensicherheitsglas zur Anwendung. Die graubeigen Profile sind farblich auf die Stabgeländer abgestimmt. Insgesamt wurden 14 der 1,35 x 2,05 Meter großen Balkone mit den Solarlux-Bauelementen ausgestattet, wobei sich jede Verglasung aus zehn einzelnen Elementen zusammensetzt, die sich nach innen öffnen lassen. Sie sind so konfiguriert, dass an den beiden Balkonschmalseiten jeweils drei Glasscheiben Richtung Gebäude und an den Balkonfrontseiten vier nach rechts geschoben werden können.

Das klimafreundliche Stadtquartier

Mit dem „Quartier am Rathauspark“ realisierte die HOWOGE einen Ort zum Wohnen und Arbeiten, der, obwohl die Grundstücksfläche maximal ausgenutzt wurde, seinen Nutzern im Innen- und Außenraum eine hohe Aufenthaltsqualität bietet.

Ein weiterer Baustein des hohen Gebäudestandards ist ein nachhaltiges Energiekonzept, das auf dem gesamten Areal umgesetzt wurde. Die Bürogebäude entlang der Möllendorffstraße und Frankfurter Allee sowie der Büroturm am Stefan-Heym-Platz 1 erhielten das DGNB-Zertifikat in Platin – die höchste Auszeichnung für nachhaltiges Bauen, die die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zu vergeben hat.

Alle Wohnbauten sind überwiegend nach dem Standard KfW-Effizienzhaus 55 realisiert und entsprechen mit ihrem klimafreundlichen Energiekonzept den Anforderungen an nachhaltiges Wohnen.

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Ausgabe 2010-12

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