Mobilität im Gebäude

Wie verändert die Digitalisierung das Wohnen?

Es gibt viele Ideen, wie sowohl die Wohnungswirtschaft als auch die Bewohner der Mehrfamilienhäuser von den neuen technischen Möglichkeiten profitieren können. Ob die neuen Features von den Nutzern tatsächlich angenommen werden, weiß bisher niemand. Einen Versuch dies zu testen, ist es aber wert. So zum Beispiel auch beim Stadtquartier „Future Living Berlin“: Für die digitale Mobilität auf dem Campus sorgt der Aufzugshersteller Schindler.

Bei dem Gedanken an den Zusammenhang zwischen dem digitalen Fortschritt und der Entwicklung des Wohnverhaltens von gestern, heute und morgen sind die Begriffe „Smart Home“ und „Smart Building“ schnell präsent. Beide Bereiche verdeutlichen den Einfluss auf das Wohnen. Smart Home-Systeme wärmen die Wohnung auf, während die Anwohner unterwegs sind. Sie schalten die Beleuchtung zu festgelegten Uhrzeiten an oder aus und lassen Jalousien rauf und runter fahren, um zu signalisieren, dass jemand zu Hause ist. Auf diese Art und Weise können Bewohner alltägliche Abläufe automatisieren. Der damit verbundene Komfort lässt sich durchaus erweitern.

Smart Buildings bieten neue Optionen für Betreiber

„Auf der einen Seite betreffen die neuen technischen Möglichkeiten den Endverbraucher. Andererseits richten sie sich im Bereich Smart Building vor allem an Bauherren, Investoren und Betreiber“, erläutert Birgid Eberhardt, Bereichsleiterin Smart Home/AAL bei der GSW Sigmaringen mbH, die das Projekt Future Living in Berlin mit betreut. Verdeutlichen lässt sich dies anhand digitaler Schlüssel, die auf individuellen Codes basieren und in einer Chipkarte am Schlüsselbund der Bewohner oder in einer App am Smartphone gespeichert sind. Dieses System lässt sich im Hinblick auf Smart Buildings auch groß denken. Ein Beispiel hierfür ist das Transit Management System PORT von Schindler, das im Berliner Objekt „Future Living“ eingesetzt wird.

Das Wohnen der Zukunft hält Einzug in Adlershof

Das Projekt Future Living Berlin wird von der GSW Sigmaringen GmbH, dem Bauträgerunternehmen des Sozialverbandes VdK Baden-Württemberg, errichtet. Die Projektentwicklung wird von der Unternehmensgruppe Krebs durchgeführt. In Berlin-Adlershof entstehen auf rund 8.000 m2 Nutzfläche 70 Wohneinheiten, 20 Boarding House Studios, 11 Gewerbeeinheiten sowie ein Ausstellungs- und Konferenzzentrum. Im Quartier werden Studenten, Singles, Familien und Senioren ein Zuhause finden. Um allen Anwohnern ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, wurde eine barrierefreie Architektur entworfen. Der dörfliche Charakter des Quartiers wird Raum für ein soziales Miteinander bieten.

Fallstudien als Planungsgrundlage

Vorab überlegten die Planer, welche Anforderungen der Alltag zukünftiger Anwohner an die neuen Wohnungen stellt. Anhand fünf verschiedener Personas – Familie, Studenten, alleinstehende Frauen in Managementpositionen, technikaffine und technikaverse Senioren – wurden verschiedene Tagesabläufe definiert und als Grundlage in die Planung der Mehrfamilienhäuser einbezogen. Eberhardt erklärt: „Die Fallstudien wurden dabei nicht nur auf eine bestimmte Persona ausgerichtet. Stattdessen wurde auch berücksichtigt, inwiefern verschiedene Elemente des Smart Homes auch den anderen Personas nutzen.“ Mithilfe moderner Technologiebausteine sollen die Wohnungen den Bedürfnissen aller Generationen entsprechen. Verschiedene Partnerunternehmen bringen hierbei ihre Innovationen ein.

myPORT öffnet Türen und stellt den Aufzug bereit

Für die vertikale Erschließung der Gebäude sorgen acht Aufzüge vom Typ Schindler 3300, die über das Transit Management System PORT gesteuert werden. Die PORT-Technologie stellt Aufzüge schnell bereit und sorgt für die Sicherheit der zukünftigen Anwohner, indem sie beispielsweise die Zutritte regelt. Alle Haupteingangs- und Appartementtüren sind vollständig in das System integriert. Durch das Erkennen der Anwohner im Hauseingangsbereich entfällt die aktive Steuerung der Aufzüge. So steht der Aufzug bereit, wenn die zukünftigen Anwohner des Quartiers den Eingangsbereich durchquert haben und die Kabine betreten möchten.

„Die Aufzüge haben zwei entscheidende Vorteile. Einerseits müssen sie nicht aktiv bedient werden. Anderseits können sie an Fähigkeiten der Nutzer angepasst werden: Benötigt ein Fahrgast länger, weil er mit dem Rollator unterwegs ist, berücksichtigt das der Aufzug“, so Birgid Eberhardt. Über ein stationäres PORT-Terminal in der Wohnung oder die myPORT-App auf dem Smartphone können die Bewohner den Aufzug rufen, um Wartezeiten im Treppenhaus zu vermeiden. Zudem können sie via App oder Terminal mit Besuchern am Eingang per Videochat kommunizieren. Mit einem simplen Klick auf die Einladungstaste öffnen sie dem Gast die Tür und stellen zugleich den Aufzug bereit, der automatisch die richtige Etage anfährt. Ist der Bewohner nicht zu Hause, kann er alternativ über die myPORT-App einen temporären Zugangscode an den Besucher versenden, mit dem dieser Zugang zum Gebäude erhält.

Smarte Ausstattung für sicheres Wohnen

Die smarte Ausstattung der Gebäude erhöht nicht nur den Komfort, sondern steigert auch die Sicherheit für die unterschiedlichen Haushaltstypen. Sie unterstützt die Prävention und hilft bei akuten Ereignissen. Präsenzmelder können zum Beispiel Bewegungen über Sensoren wahrnehmen und schalten nachts das Licht automatisch ein oder leiten Notfälle sowie Einbrüche weiter. Auch die Rauchmelder sind in das Smart Home System integriert. Im Falle einer Rauchdetektion sind sie nicht nur untereinander vernetzt, sondern interagieren auch mit anderen smarten Komponenten wie beispielsweise den Lautsprechern und dem Fernseher. Das Licht beginnt zu blinken, laufende Programme auf den Lautsprechern sowie im Fernsehen werden automatisch leise gestellt und die Alarme der Rauchwarnmelder über deren Lautsprecher verstärkt. Die Rollos werden hochgefahren. So wird sichergestellt, dass jeder Anwohner die Rauchmeldung bemerkt.

Fertigstellung für 2020 geplant

Die letzten Bauarbeiten im Quartier Future Living laufen derzeit auf Hochtouren. Die Gebäude sind weitestgehend fertiggestellt, die Aufzüge montiert. Aktuell wird die Innenausstattung verbaut, sodass die ersten Bewohner ihre Wohnungen ab Januar 2020 beziehen können.

Das Konzept von Future Living erhält bereits viel Zuspruch. Die Dekra hat es kürzlich mit dem ersten Preis für persönliche Sicherheit ausgezeichnet. Die Wohnungswirtschaft ist gespannt auf die Erfahrungsberichte der zukünftigen Bewohner.

Mithilfe moderner Technologiebausteine sollen die Wohnungen den Bedürfnissen aller Generationen entsprechen.

Die PORT-Technologie stellt Aufzüge schnell bereit und sorgt für die Sicherheit der zukünftigen Anwohner, indem sie beispielsweise die Zutritte regelt.

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2014-12 Sicherheitsgefühl steigt bei häufiger Nutzung

4 von 5 fahren gerne Fahrstuhl

Je öfter Menschen Aufzüge nutzen, umso sicherer fühlen sie sich: Die Frage „Fühlen Sie sich im Aufzug sicher?“ bejahen 91% der Befragten, die Aufzüge nutzen. Das ergab eine aktuelle...

mehr
Ausgabe 2018-03 Hochhäuser

Mit dem Aufzug hoch hinaus

Geht es darum, viel Wohnraum auf möglichst engem Raum zu schaffen, sind Wohnhochhäuser ein Mittel der Wahl. Längst entstehen sie nicht mehr als sozialer Wohnungsbau, sondern sind Miet- oder...

mehr
Ausgabe 2017-09 Sicherheit

Erweiterungsfähige Alarm­anlage von überall steuern

Mit der Lösung Smart Living der Marke Yale können die Nutzer ihre Haustür und Überwachungskameras über ihr Handy oder Tablet kontrollieren und steuern. Die Yale Smart Home Alarm-App steht für...

mehr
Ausgabe 2018-7-8 „Ahead BlackBoard“

Mehr als ein schwarze Brett

Der Aufzugshersteller Schindler und die Hochschule Wismar arbeiteten an der Umsetzung des „Ahead BlackBoard“, einer digitalen Version des analogen schwarzen Bretts, welches häufig in den...

mehr
Ausgabe 2016-12 Remote Call

Aufzug per Smartphone rufen

Kone RemoteCall ist eine mobile Anwendung, mit der Nutzer einen Aufzug aus jedem Winkel des Gebäudes bequem und schnell per Smartphone rufen können. Das verkürzt Wartezeiten und reduziert den...

mehr