Sanieren auf die sanfte Art

Neben einer neuen Oberflächengestaltung der Wand mit neuer Farbe liegt der Boden gleich an zweiter Stelle der Modernisierungs-Wunschliste von Bauherren und Mietern.

In den letzten Jahren hat sich im Bereich trockener Fertigteilestrich-Systeme oder auch nass einzubauender Dünnschicht-Systeme technisch sehr viel getan. Eine Komfortverbesserung des Bestands inklusive Fußbodenheizung bietet sich daher heute geradezu an.

Besonders bei den Themen energetische Sanierung und altersgerechter Umbau kann der Boden eine tragende Rolle spielen. Beim Energiethema geht es nicht nur darum ein Haus vom Keller bis zum Dach warm einzupacken, sondern auch über ein energieeffizientes Heizsystem nachzudenken. Solche Niedertemperatursysteme geben die Wärme (oder im Sommer die Kälte) gleichmäßig über Flächen ab – der Boden ist hierfür das ideale Medium. In Kombination mit regenerativen Energiequellen/Wärmepumpen und einer geringeren notwendigen Raumlufttemperatur kann durch ein neues Heizsystem bis zu 12% Energie eingespart werden. Es hat sich in den letzten Jahren technisch viel getan, dass auch energieeffiziente Systeme nachträglich eingebaut werden können.

Durch Nachrüstung einer Fußbodenheizung und gleichzeitigem Angleichen unterschiedlichen Raumniveaus schlägt der Bauherr gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Neben dem Energiethema verdrängen wir gerne, dass in gut 50 Jahren mehr als jeder dritte deutsche Bundesbürger über 65 Jahre alt sein wird. Häuser ohne Stolperfallen, mit größeren Raumaufteilungen und anderen Hilfsmitteln ermöglichen uns dann eine möglichst uneingeschränkte Bewegungsfreiheit in den eigenen vier Wänden. Durch Angleichen von unterschiedlichen Raumniveaus oder auch das Anarbeiten an eine bodengleiche Duschwanne im Bad-Bereich trägt auch der Boden zu dieser Sicherheit bei. Für geringere Höhenunterschiede bis 15 mm werden Spachtelmassen verwendet, bei größeren Höhenunterschieden kommen Leichtausgleichmörtel zum Einsatz.

Das passende System

Je nach Möglichkeiten und Anforderungen der Bodensanierung kommen unterschiedliche Systeme in Frage. Die vorhandene Bausubstanz muss genau unter die Lupe genommen werden und die neue Nutzung erfragt werden:

– Wie wird die Nutzung sein? Belastung durch Regale, Flächen?

– Welche Aufbauhöhe ist vorhanden? Soll/kann der alte Boden erhalten bleiben oder nicht?

– Ist das Gewicht durch neue Bodenkonstruktion beschränkt? Bei Holzbalkendecken oft ein Schwachpunkt?

– Sind größere Unebenheiten vorhanden? Sollen auch neue Leitungen verlegt werden?

– Ist zusätzlicher Komfort gewünscht/gefordert? Trittschallverbesserung, Brandschutzertüchtigung?

– Welche Oberbeläge? Kantenlänge Fliesen, Parkettart usw. erfragen?

Wenn diese Punkte abgeklopft wurden, wird sehr schnell klar, ob ein trockenes Fertigteilestrich-System, ein nasses Dünnschicht-System oder eine Mischung aus beiden eingesetzt werden kann.

Schnelligkeit ist Trumpf – Fertigteilestrich Systeme

Ist eine besonders schnelle Sanierung auf statisch nicht viel mehr belastbare Decken wie Holzbalkendecken gefragt, kommen Fertigteilestriche zum Einsatz. Fertigteilestriche aus Gipsfaser sind um bis zu ein Viertel leichter als konventionelle Estriche und können nach einem Tag mit Oberbelägen verlegt werden. Bei einer energetischen Bodensanierung wird der Fertigteilestrich auf eine Fußbodenheizung der Bauart B aufgelegt. Bei diesem Heizsystem liegen die Heizrohre bündig in der Dämmstoff-Systemplatte, die Wärme wird von den sie umgebenden Wärmeleitblechen gleichmäßig über die Fertigteilestrich-Elemente an die Raumluft abgegeben. Hierfür wird eine Aufbauhöhe ab 43 mm benötigt.

Diese Variante lohnt sich auch bei Teilsanierungen. Wenn z.B. zunächst nur in eine Bad-Sanierung investiert werden kann und beim Umbau ein enger Zeitplan eingehalten werden soll. Im Beispielobjekt verschwanden unebener Untergrund und neue Leitungen in der Schicht des Leichtausgleichmörtels „Knauf EPO-Leicht“. Darauf wurde eine Trittschalldämmung aus Holzfaser verlegt. Als Heizestrich kamen „Uponor Siccus“ (25 mm) plus Fertigteilestrich „Knauf Brio 23“ (23 mm) zum Einsatz. Diese neu eingebrachte Bodenkonstruktion ließ auch großformatige Fliesen bis 60 cm Kantenlänge zu.

Ist noch weniger Platz vorhanden und ist trotzdem ein schneller Baufortschritt gewünscht, kommt ein anderes Fertigteilestrich-Heizsystem zum Einsatz. In eingefräste 28 mm oder 32 mm dünne Fertigteilestrich-Elemente werden Heizrohre eingelegt und mit Füllmasse gefüllt. Je nach Oberbelag werden die „GIFAfloor UB Klima“-Elemente mit Gipsspachtelmasse vollflächig verspachtelt und sind nach Trocknung belegreif.

Dünner geht´s nimmer – Spachtelmassen Systeme

Die „Flunder“ unter den Warmwasser-Fußbodenheizsystemen für die Sanierung ist aber ein nasses System. Eingesetzt wird es vor allem, wenn der alte tragfähige Boden erhalten bleiben soll und deshalb nur sehr geringe Aufbauhöhen zur Verfügung stehen. Technisch lösbar ist dies durch spezielle Verbundkonstruktionen. Auf den sorgfältig grundierten Untergrund werden Noppenfolien aufgeklebt, Heizrohre eingelegt und mit spannungsarmer Spachtelmasse vergossen – sogar auf vorhandenen Fliesen kann verlegt werden. Diese schlanken dünnschichtigen Fußbodenheizungen – als System mit „Knauf Alphadur 430“ (gipsbasiert) auf „Uponor Minitec“ – benötigen gerade mal 16 mm Aufbauhöhe. Besonders wichtig ist bei dieser Variante den Altuntergrund vorher auf Unebenheiten zu prüfen und gegebenenfalls durch Spachtelmassen auszugleichen. Die Heizestrichschicht soll die Wärme gleichmäßig an den Raum abgeben können, dickere Estrichschichten beispielsweise am Rand verringern die Effizienz dieser Dünnschicht-Systeme. Im Gegensatz zu Fertigteilestrichen benötigen diese Nassmörtel-Systeme je nach Aufbauhöhe eine Trocknungszeit von 7 Tagen, um die notwendige Belegreife von 0,3 CM-% zu erreichen.

Dünn und leise – Spachtelmassen Systeme auf Dämmung

Wenn Lärmbelästigung über Trittschall verringert werden soll, gibt es im Dünnschicht-Bereich die Möglichkeit, sich vom Altuntergrund zu lösen und mit Trennlage und Trittschall-Dämmung aus Holzfaser unter der dünnschichtigen Fußbodenheizung zu arbeiten. Das System ist dann mit einer Heizestrichschicht „Knauf Nivellierestrich 425“ auf „Uponor Minitec“ von ca. 32 mm auszuführen. Plus Trennlage und 10 mm „Knauf Holzfaserdämmplatte WF“ wird eine System-Höhe von ca. 43 mm erreicht.

Auf Massivdecken kann so eine wesentliche Verbesserung von 18 dB erreicht werden. Für den Bauherren oder Mieter bedeutet diese Lösung ein Komfort-Paket das gleich drei Wünsche erfüllt: Eine energiesparende Fußbodenheizung kann auch bei geringer Aufbauhöhe nachgerüstet werden, bei zusätzlicher Trittschalldämmung werden die Nerven geschont und auf den neuen ebenen Untergrund können viele Oberbeläge verlegt werden. Wichtig ist in allen beschrieben Fällen eine gute Gewerke übergreifende Zusammenarbeit.

Durch Nachrüstung einer Fußbodenheizung und
dem Ausgleichen unterschiedlichen  Raumniveaus schlägt der Bauherr zwei Fliegen mit einer Klappe.

Häuser ohne Stolperfallen, mit größeren Raum­aufteilungen und anderen Hilfsmitteln ermöglichen uns eine möglichst uneingeschränkte Bewegungs­freiheit in den eigenen vier Wänden.

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