Stadt- & Quartiersentwicklung

Regenwasser vor Ort bewirtschaften

Die Nutzung des Regenwassers ist ökologisch sinnvoll und trägt dazu bei, die Niederschlagsgebühr einzusparen. Mit einem System, das Wasser speichert und versickert, können befestigte Flächen wirtschaftlich entwässert werden.

Der Paradigmenwechsel, weg vom Kanalanschluss, hin zu einer dezentralen Regenwasserbewirtschaftung, also Regenwassermanagement auf den Grundstücken oder in unmittelbarer Nähe davon, kam für viele überraschend. Wohnungsbaugesellschaften, Industrie- und Gewerbebetriebe sowie Kirchengemeinden und Vereine mit großen Liegenschaften gehören zu den am stärksten Betroffenen. Sie gelten neben den Kommunen mit ihren großen öffentlichen Flächen und Gebäuden als hauptsächliche Verursacher der Regenabflüsse in die Kanalisation, aber zugleich auch als Leidtragende der in den letzten Jahren eingeführten Niederschlagsgebühr.

Die Niederschlagsgebühr?

Diese Abgabe ist keine Zusatzeinnahme für die Kommunen. Wie viel kassiert werden darf, bestimmt das Kommunalabgabengesetz. Tatsächliche Kosten müssen regelmäßig festgestellt, gerecht verteilt und die daraus ermittelte Gebühr in der kommunalen Abwassersatzung mitgeteilt werden. Grundlage dafür sind die novellierten Landeswassergesetze, auf Basis des deutschen Wasserhaushaltsgesetzes (WHG 2009). Das hat Auswirkung auf alle Haus- und Grundbesitzer. Wer gut beraten ist, beginnt möglichst bald, Regenwasser vor Ort zu bewirtschaften.

Ein Ziel – viele Möglichkeiten

Alle Komponenten des Regenwassermanagements, in der Summe auch Regenwasserbewirtschaftung genannt, lassen sich grob strukturiert in die folgenden drei Gruppen einteilen.

– Die Verdunstung: Regenwasser bewegt sich bei Änderung seines Aggregatzustandes nach oben und bildet Luftfeuchtigkeit, Kondensat, Verdunstungskühlung, Wolken, Niederschläge. Beispiel einer solchen Verdunstungsmaßnahme ist das begrünte Dach.
– Die Nutzung bzw. der verzögerte Oberflächenabfluss: Regenwasser bewegt sich in Richtung von Rinnsalen, Bächen und Flüssen. Dies sollte mit zeitlicher Verzögerung erfolgen, um Hochwasser zu vermeiden. Beispiel einer solchen Verzögerungsmaßnahme ist die Regenwassernutzung im Haus. Das Regenwasser nimmt dann den Umweg über Speicher, Abwasserkanalisation und Kläranlage.
– Die Versickerung: Regenwasser wird vom Boden aufgenommen und bewegt sich in Richtung Grundwasser oder speist eine Quelle. Beispiel einer solchen Versickerungsmaßnahme ist die bewachsene Sickermulde mit 20-30 cm Mutterboden. Eine Variante mit weniger Fähigkeit, im Regenwasser mitgeführte Schadstoffe zurückzuhalten, ist die unterirdische Sickerrigole.

Kombi-Regenspeicher

Regenwasser nutzen und den Überlauf versickern – das sind zwei unterschiedliche Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung – jeweils mit einem Bedarf an Platz, der auf kleinen Grundstücken oft nicht ausreichend vorhanden ist. Im System Sico sind Zisterne und Versickerung des Überlaufs so kombiniert, dass die Fläche für eine Sickermulde nicht zur Verfügung gestellt werden muss, da eine unterirdische Sickerrigole eingebaut wird.

Das System sorgt dafür, dass zufließendes Regenwasser gefiltert und in einer unterirdischen Betonzisterne gesammelt wird. Das gespeicherte Wasser dient als Betriebswasser im Gebäude, z.B. für Waschmaschine, Toilettenspülung oder für die Gartenbewässerung. Der Überlauf wird in die umgebende Kies- bzw. Schotterrigole abgeleitet und versickert von dort im Boden. Besonders hierbei ist, dass der Arbeitsraum beim Versetzen des Regenspeichers nicht vollständig mit Aushub, sondern teilweise mit dem Rigolenmaterial verfüllt wird. So spart man die sonst zusätzlich erforderliche Sickermulde – vorausgesetzt, dass eine unterirdische Versickerung möglich und zulässig ist. Auskunft dazu gibt das örtliche Umwelt- oder Tiefbauamt bzw. die untere Wasserrechtsbehörde.

Planung und Einbau

Ist die Bodenart mit ihrem Durchlässigkeitsbeiwert bekannt, z.B. durch Bodengutachten oder Angaben des Tiefbauamtes, können das erforderliche Rigolenvolumen und damit die Menge des bauseits nötigen Kies- und Schottermaterials bestimmt werden. „Wir helfen als Hersteller bei der Berechnung der Speichergröße für die geplante Nutzung in Haus und Garten“, sagt Martin Lienhard, Leiter der technischen Abteilung, Mall GmbH.

Die Lieferung enthält den Behälter mit Konus, den Sickerring aus Porenbeton sowie den innenliegenden Spaltsiebfilter. Die Einzelteile werden vom Lieferfahrzeug des Herstellers mit eigenem Kran an der Baustelle abgeladen und zu einer funktionstüchtigen Einheit montiert. Dabei sind auch die Rohrdurchführungen für Zulauf und Entnahme enthalten. Der Spaltsiebfilter aus Edelstahl hat eine Feinheit von 0,8 mm. Er ist nach Öffnen der Speicherabdeckung zur gelegentlichen Reinigung leicht herausnehmbar.

Bauseits zu besorgen und einzubauen sind eine 15 cm starke, lastverteilende Kiessand-schicht als Auflage für den Regenspeicher sowie das Rigolenmaterial aus Kies oder Schotter. Zusätzlich benötigt wird ein Geotextil zum Schutz der Rigole von oben, bevor Mutterboden aufgetragen wird. Weiterhin sind die Verbindungsleitungen zum Haus für Zulauf und Entnahme des Regenwassers anzuschließen.

Sico-Regenspeicher zum gleichzeitigen Nutzen und Versickern des Regenwassers werden seit 20 Jahren in verschiedenen Größen hergestellt. Als Ergänzung, je nach Nutzungsart, sind Hauswasserwerke bei Mall im Angebot. Bei dem nun weiterentwickelten System wird der Behälter mit einem hochwertigen Spaltsiebfilter ausgestattet und in Größen zwischen 2,9 und 9,5 m³ Nennvolumen produziert. Das Geotextil ist nicht mehr Teil der Lieferung. So kann die Unterkante der Rigole von Fall zu Fall flexibel festgelegt werden. Wird das gesamte Niederschlagswasser der befestigten Flächen eines Grundstücks ohne Kanalanschluss über den Sico-Regenspeicher entwässert, ist die Voraussetzung zur Befreiung von der Niederschlagsgebühr gegeben.

Literatur[1] König, K. W.: Ratgeber Regenwasser, für Kommunen und Planungsbüros. Rückhalten, Nutzen, Versickern und Behandeln von Regenwasser. Hrsg.: Mall GmbH Donaueschingen, 5. Auflage, 2014
[2] Regenwasserbewirtschaftung und Niederschlagswasserbehandlung, Planerhandbuch. Hrsg.: Mall GmbH Donaueschingen, aktualisierte Auflage, 2015

Dezentrale Regenwasserbewirtschaftung statt Kanalanschluss.

Möglichkeiten der Regenwasserbewirtschaftung: Verdunsten, Nutzen, Versickern.

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