DIN-Normen

Neue Regelungen für ­Bauwerksabdichtungen

Voraussichtlich noch dieses Jahr werden neue Normen zur Bauwerksabdichtung verabschiedet. Sie lösen die alte, zehnteilige Norm DIN 18195 für Bauwerksabdichtungen sowie die DIN 18531 für Dachabdichtungen ab.

Die Überarbeitung der DIN 18195 war notwendig, stammte sie doch noch aus dem Jahr 2000 und entsprach inhaltlich schon lange nicht mehr dem Stand der Technik. So lag der Schwerpunkt bisher auf bahnenförmigen Abdichtungsverfahren für alle Abdichtungsaufgaben. Neuentwicklungen im Bereich der Bauwerksabdichtung waren in der Norm nur teilweise berücksichtigt.

Obwohl sich Produkte wie beispielsweise die hochflexible Dichtschlämme weber.tec Superflex D 2 längst in der Praxis bewährten, mussten Hersteller von Verbundabdichtungen die Verwendbarkeit ihrer Produkte bisher durch ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP) nachweisen. Gleichzeitig waren Auftraggeber gezwungen, den Einsatz jedes nicht in der Norm genannten Systems oder Produkts mit den beauftragten Handwerksunternehmen als „Sonderkonstruktion“ vertraglich zu vereinbaren. In die neuen Normen werden nun endlich auch Verbundabdichtungen aus flüssig zu verarbeitenden Materialien sowie bahnen- oder plattenförmige Abdichtungsmaterialien aufgenommen, was die tägliche Arbeit für Planer und Ausführende erheblich erleichtern dürfte.

Was ändert sich konkret?

Mit den neuen Normen werden Planungsgrundlagen, Stoffe, Verarbeitung, Bemessung und Instandhaltung bauteilbezogen behandelt. Der erste Teil jeder neuen Norm enthält stets die Regeln, die für alle normgerechten Abdichtungsstoffe gelten. Die folgenden Teile ergänzen diese stoffspezifisch und müssen daher immer zusammen mit dem Teil 1 verwendet werden.

Ganz allgemein unterscheiden die neuen Normen nach Intensität und Art der Einwirkungen aus Umwelt, Nutzung und angrenzenden Bauteilen sowie nach Nutzungsklassen. In der DIN 18533 beispielsweise werden neue Einwirkungsklassen für Wasser oder Risse definiert. Statt der Entstehungsart rückt dabei die Intensität der Einwirkung in den Vordergrund.

Welche Normen gibt es zukünftig?

Die Normen teilen sich nach den jeweiligen Abdichtungsaufgaben in fünf Einzelnormen:

– DIN 18531 Abdichtungen für nicht genutzte und genutzte Dächer

– DIN 18532 Abdichtungen für befahrbare Verkehrsflächen aus Beton

– DIN 18533 Abdichtungen für erdberührte Bauteile, Abdichtungen in und unter Wänden

– DIN 18534 Abdichtungen für Innenräume

– DIN 18535 Abdichtungen für Behälter und Becken

Für Abdichtungen erdberührter Bauteile im Bestand wurde die Reserve-Normnummer 18536 reserviert. Bis auf weiteres wird diese Bauweise jedoch von der DIN 18533 abgedeckt.

Abdichtungen für nicht genutzte und genutzte Dächer

Die fünfteilige DIN 18531 unterscheidet zwi­­schen genutzten und nicht genutzten Dächern. Dabei wird unter anderem auch eine Regelung für die Bebauung von Dächern mit Solaranlagen und haustechnischen Anlagen getroffen. Die bereits in der alten Norm definierten Qualitätsstufen – Standardausführung K1 und höherwertige Ausführung K2 – behalten ihre Gültigkeit. In den Teilen 2 bis 5 wurden einige neue Abdichtungsstoffe aufgenommen, beispielsweise Flüssigkunststoffe ohne Träger oder Abdichtungen im Verbund mit Fliesen und Platten. Die DIN 18531 wird zukünftig als alleinige Norm für Dachbauten jeder Art gelten und dürfte somit die Planung von Wohngebäuden deutlich vereinfachen.

Abdichtungen für befahrbare Verkehrsflächen aus Beton

Die neue Norm DIN 18532 umfasst sechs Teile und regelt die Abdichtung von befahrbaren Verkehrsflächen wie beispielsweise Durchfahrten oder Hofkellerdecken. Um zu bestimmen, welches der fünf in der Norm vorgestellten Abdichtungsverfahren zum Einsatz kommen sollte, werden vier Nutzungsklassen (gemäß der Einwirkung des Verkehrs auf die Fläche) und zwei Abdichtungsbauweisen (Fahrbahnaufbau mit und ohne Wärmedämmung) definiert. Außerdem werden die abzudichtenden Betonteile in zwei Rissklassen unterteilt.

Abdichtungen für erdberührte Bauteile, Abdichtungen in und unter Wänden

Für die Wohnungswirtschaft besonders re­­levant sind die Normen DIN 18533 und 18534. Die dreiteilige DIN 18533 gilt für die Abdichtung erdberührter Wand- und Bodenflächen, von Wandquerschnitten und Sockelbereichen von Hochbauwerken und von erdüberschütteten unterirdischen Bauwerken in offener Bauweise. Die Norm definiert fünf Kriterien für die Auswahl der richtigen Abdichtungsbauart: Wassereinwirkungsklasse, Rissklasse, Rissüberbückungsklasse, Raumnutzungsklasse und Zuverlässigkeitsanforderungen. Im Bereich der Abdichtungsstoffe sind nun auch kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen sowie rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämmen enthalten.

Abdichtungen für Innenräume

Die DIN 18534 enthält sechs Teile und regelt die Abdichtung von Boden- und Wandflächen in Innenräumen, in denen die maximale Wasseranstauhöhe 10 cm nicht überschreitet. Dazu zählen etwa Badezimmer, Duschanlagen oder Bodenflächen mit Ablauf. Die neue Norm klassifiziert die Intensität der Wassereinwirkung, statt wie bisher in zwei, zukünftig in vier Klassen. Außerdem werden drei Rissklassen und drei Fugentypen definiert, aus der sich die richtige Abdichtungsbauart ableiten lässt. In die DIN 18534 sind viele Regelungen zur Anwendung flüssiger und bahnenförmiger Abdichtungsstoffe eingeflossen, die bisher vor allem in ergänzenden Merkblättern und anderen Quellen enthalten waren.

Abdichtungen für Behälter und Becken

Im Wohnungsbau selten zum Einsatz kommen wird die dreiteilige DIN 18535. Sie regelt die Abdichtung von Behältern und Becken – egal ob innenliegend, frei aufgestellt oder erdeingebaut. In Anhang A werden drei Kriterien für die Auswahl des richtigen Abdichtungsstoffs definiert: Wassereinwirkungsklasse, Rissklasse und Standortklasse.

Wie geht es weiter?

Die neuen Normen sorgen durch eine klare Struktur und Abgrenzung der Zuständigkeiten für eine bessere Verständlichkeit. Zudem wurden einige in der Praxis längst bewährte Abdichtungsstoffe in die Normen aufgenommen, was die Planungsprozesse und den Bauablauf deutlich vereinfacht. Nachdem die Frist für die Prüfung und Stellungnahme zu den Normentwürfen, den sogenannten Gelbdrucken, verstrichen ist, befinden sich diese aktuell in der Überarbeitungsphase. Mit dem Erscheinen der Weißdrucke und somit der Gültigkeit der neuen Normen wird ab Mitte 2017 gerechnet.

Einwirkungsklassen für Wasser oder Risse: Statt der Entstehungsart rückt die Intensität der Einwirkung in den Vordergrund.
Die Normen teilen sich nach den jeweiligen Abdichtungsaufgaben in fünf Einzelnormen.
Für die Wohnungswirtschaft sind die Normen DIN 18533 und 18534 besonders relevant.
x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 7-8/2017 DEKRA Experten-Tipp

Flachdachrichtlinie: Neue Norm sorgt für Diskussionen

Die beiden Normen DIN 18195 und DIN 18531 sowie die  Flachdachrichtlinie re­­gelten bislang die Bauwerks- und Dach­ab­dich­tung­en. Nach der Überarbeitung der DIN-Normen tritt nun ein...

mehr

Deutsche Bauchemie: Dritte Fachtagung zur Bauwerksabdichtung im November 2018

Die Deutsche Bauchemie veranstaltet aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage am 15. November 2018 im Elbcampus Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Hamburg die inzwischen dritte Fachtagung rund um das...

mehr
Ausgabe 10/2010

Alles dicht!

Dem Schutz vor Feuchtigkeit wird aus bauaufsichtlicher Sicht nur eine untergeordnete Bedeutung zugeordnet. Der Grund: Mängel können hier in der Regel rechtzeitig erkannt und behoben werden, noch...

mehr
Bautenschutz

Abdichtung feuchter Böden

Lange Jahre galt die DIN 18195 als das maßgebliche Regelwerk für Bauwerksabdichtungen in Deutschland. Seit Einführung der neuen Normenreihe 18531 bis 18535 in 2017 gibt es eine klare Abgrenzung der...

mehr
Bautenschutz

Balkone, Loggien und Laubengänge abdichten

Anders als Bauteile in Gebäuden sind Außenbauteile wie Balkone, Terrassen und Laubengänge hohen Beanspruchungen ausgesetzt. Sie müssen nicht nur ästhetischen Kriterien genügen: Ihre...

mehr