Holzelementbau

Nachhaltigkeit rundum

In St. Gallen wurde durch Vorfertigung binnen kurzer Zeit ein Mehrfamilienhaus errichtet. Der Holzelementbau mit 28 Wohneinheiten bietet seinen Mietern hohen Wohnkomfort mit gesundem Raumklima.

Bereits im Vorfeld der Planung befasste sich der Bauherr, die Sidrona Immobilien AG, intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit und dem Werkstoff Holz. Im Fokus stand, Ressourcen zu schonen sowie ein qualitativ hochwertiges Gebäude mit langer Lebensdauer und niedrigen Betriebs- und Unterhaltskosten zu errichten. Heraus kam ein Holzelementbau, bei dem Planung, Kon­struktion, Materialien und Bauausführung schlüssig ineinandergreifen und für einen hohen Werterhalt sorgen. Als weiterer Baustein im Gesamtkonzept wurde die Immobilie als eines der ersten Gebäude in der Schweiz nach dem neuen Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) realisiert. Dabei wurde nicht nur auf eine maximale Reduktion des Energieverbrauchs geachtet, sondern ebenso berücksichtigt, wie sich das Gebäude in seine Umwelt einfügt und wie viel Mobilität es in seinem Umfeld verursacht.

Für den Geschosswohnungsbau am Naturschutzgebiet Bildweiher wurde ein in die Jahre gekommenes Mehrfamilienhaus abgerissen. Während Unter- und Sockelgeschoss des Neubaus aus Stahlbeton bestehen – aufgrund der leichten Hanglage und der Notwendigkeit einer Tiefgarage – wurden die vier oberen Geschosse in Holzelementbauweise geplant und mit lokalen Baumaterialien errichtet. Der Baustoff Holz überzeugte Bauherrn und Architekten aufgrund seiner zahlreichen positiven Eigenschaften und seiner natürlichen Anmutung. Holz bietet ein gesundes Raumklima, ist CO2-neutral und recyclingfähig. Um die grauen Energien weitestgehend zu reduzieren, wurden Hölzer aus der Schweiz, Österreich und (Süd-)Deutschland verwendet. Für eine hohe Wirtschaftlichkeit und eine kurze Bauzeit sorgte der hohe Vorfertigungsgrad der Holzelemente. So wurden die Ständerwände komplett im Werk des Holzbauunternehmens Blumer Lehmann produziert, d.h. mit Wärmedämmung und beidseitiger Beplankung versehen sowie die nötigen Elektroleerrohre und Elektrodosen eingebaut. Nur an wenigen Stellen, beispielsweise an den Steigzonen, erfolgte die Verkleidung vor Ort auf der Baustelle. Dabei musste das Planungsteam im Vorfeld das Gewicht und die Abmessungen der einzelnen Elemente berücksichtigen, um die Transportfähigkeit zu gewährleisten.

Beim Mehrfamilienhaus am Bildweiher ist es gelungen, einige Außen- und Innenwände in der gesamten Gebäudebreite von rund 12,50 m ohne Elementstoß wirtschaftlich an einem Stück zu produzieren und zu versetzen. Die Decken- und Dachelemente für den Holzbau hat die Lignatur AG in Waldstatt produziert und ebenfalls direkt auf die Baustelle geliefert. Ein großer Vorteil ist, dass die Deckenelemente ab Werk mit einer hochwertigen Oberfläche versehen werden, sodass keine zeit- und kostenrelevanten bauseitigen Arbeitsschritte für den Innenausbau erforderlich sind und der Innenausbau sofort im Rohbau fertig ist. Das gute Zusammenspiel von Forrer Stieger Architekten und den regionalen Fachplanern ermöglichte es, den Holzbau in der Kräzernstraße in einem Zeitraum von weniger als zwei Monaten zu errichten.

Durch die Holzfassade in Fichte, Nut und Kamm, integriert sich das Gebäude auf natürliche Weise in das Naturschutzgebiet am Bildweiher. Die Verkleidung der hinterlüfteten Fassade wurde druckimprägniert und zweifach oberflächenbehandelt. Insgesamt wurden bei dem Projekt 243 t Holz verbaut. Das CO₂-Institut Schweiz hat einen Reduktionseffekt von 402 t CO₂ berechnet, geprüft und durch ein Zertifikat ausgewiesen.

Das Mehrfamilienhaus besteht aus zwei leicht versetzten Baukörpern mit je fünf Geschossen und insgesamt 28 Wohnungen. Ein zentrales gestalterisches Anliegen der Architekten war es, eine ruhige und optisch-homogene Wirkung von Tragwerk, Wand- und Deckenelementen zu erzielen. So bestehen Böden und Decken aus multifunktionalen Lignatur-Flächenelementen silence12 mit einer Bauhöhe von 180 mm. Die lasierten Holzdecken mit hochwertiger Oberflächenqualität erfüllen mit einem Feuerwiderstand von 60 Minuten die hohen Brandschutzanforderungen von mehrgeschossigen Holzbauten, zudem gewährleisten sie einen optimalen Schallschutz im Gebäude. Als weiterer Vorteil der Lignatur-Deckenelemente erwies sich ihre kompakte Bauweise: Aufgrund der eingeschränkten Gebäudehöhe mussten Deckenkonstruktion und -aufbau möglichst schlank realisiert werden. Nur in der Optik bzw. Ausführung unterscheiden sich Decken und Böden: Im Sockelgeschoss sowie im 1. und 2. OG wurden dunkle Mosaik-Plattenböden sowie Eichenparkett mit weiß lasierten Holzdecken kombiniert. Im 3. OG und Attikageschoss sorgen helle Mosaik-Plattenböden bzw. weiß versiegeltes Eichenparkett in Kombination mit farblosem Lichtschutz behandelten Holzdecken für eine wohnliche Atmosphäre.

Laubengang im Norden

Sämtliche Wohnungen werden von der Nordseite über einen Laubengang erschlossen. Der zentrale Wohnraum ist offen gestaltet und nach Süden auf den Bildweiher ausgerichtet. Raumhohe Öffnungen mit vorgelagerten Balkonen sorgen für eine hohe Aufenthaltsqualität. Die beiden Gebäudeteile wurden mit unterschiedlichen Grundrisstypen versehen. Eine Variante erschließt alle Zimmer vom Wohnraum aus, in der anderen Variante sind Zimmer und Nasszellen über einen vorgeschalteten Flur zugänglich.

Bei der Innenraumgestaltung des Mehrfamilienhauses geben warme und angenehm wohnliche Materialien und Farben den Ton an: Holzdecken und Parkettböden in Kombination mit Plattenbelägen in den Bädern in warmen, natürlichen Farbtönen erzeugen ein stimmiges Zusammenspiel der Materialien. Bis ins Detail planten die Architekten das homogene Erscheinungsbild des Mehrfamilienhauses in puncto Materialität: So gehen die Deckenelemente scheinbar nahtlos vom Innen- in den überdachten Außenraum über – nur eines von zahlreichen Details, die dem Gebäude seine konsequente Präzision verleihen.

Senkung des Primärenergieverbrauchs

Das Mehrfamilienhaus verfolgt den Ansatz ZeroEmission-LowEx, d.h. bei der Planung von Heizung und Haustechnik wurde darauf geachtet, den Energieverbrauch maximal zu reduzieren und möglichst keine CO2-Emissionen zu verursachen. Die Haustechnik verzichtet vollständig auf fossile Energieträger und minimiert den Primärenergieverbrauch.

Warmwasser wird mit dem thermischen Teil der Hybrid-Solaranlage auf dem Dach produziert. Dieses umweltschonend und effizient erzeugte Warmwasser wird auch für Waschmaschine und Geschirrspüler verwendet. Ist im Winter und bei längeren Schlechtwetterperioden der Ertrag der solarthermischen Anlage zu gering, unterstützt die Wärmepumpe mit Erdsondenfeld (Erdwärme) die solarthermische Anlage. Die Wärmepumpe ist auch für die nötige Raumwärme in der kalten Jahreszeit zuständig. Im Sommer wird das Erdsondenfeld mit überschüssiger Wärme aus dem Haus und der Solaranlage regeneriert und dabei die Räume leicht abgekühlt. Damit wird dem Untergrund über die Jahre nicht zuviel Wärme entzogen und die Heizungsanlage kann auch langfristig effizient arbeiten.

Eine neue Art der Warmwassergewinnung und -verteilung stellt das benötigte Warmwasser direkt bei Bezug bereit und verzichtet auf unnötige Bevorratung. Das senkt den Energieverbrauch und garantiert gleichzeitig maximale Trinkwasserhygiene. Der mit der Photovoltaik-Anlage produzierte elektrische Strom wird ins Netz eingespeist.

Mit dem SNBS wurde ein übergreifendes Konzept für das nachhaltige Bauen in der Schweiz geschaffen. Er umfasst das Gebäude an sich und den Standort im Kontext seines Umfeldes.

Das Mehrfamilienhaus am Bildweiher ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie die Bedürfnisse von Gesellschaft, Wirtschaftlichkeit und Umwelt optimal in Planung, Bau und Betrieb ineinandergreifen können.

Einige Außen- und Innenwände weisen eine Länge von rund 12,50 m ohne Elementstoß auf.

Das Mehrfamilienhaus verfolgt den Ansatz ZeroEmission-LowEx.

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